TOUR DE FRANCE Camembert-Ecken und Wink-Hände


Längst hat die Industrie die Radsport-Fans als Konsumenten entdeckt. Millionen von Werbegeschenken werden bei der Tour verteilt. Manche besitzen schon Kult-Status.

Sportliche Top-Leistungen werden bei der Tour de France entsprechend honoriert. Neben dem begehrten Trikot des Spitzenreiters erhält der Sieger ein üppiges Preisgeld. Aber auch die vielen Radsport-Fans gehen nicht leer aus. Regelmäßig werden die Zuschauer am Straßenrand von der sogenannten Werbekarawane bombardiert. Da viele der kleinen Präsente nur bei der Tour de France verteilt werden, hat sich ein regelrechter Kult um die kostenlosen Andenken entwickelt.

Alle sind verrückt nach Geschenken

»Die Leute riskieren ihr Leben für einen Schlüsselanhänger oder ein Spielzeugauto«, so die 21-jährige Audrey, die den Schaulustigen am Straßenrand Kaffeeproben zuwirft. »Manche Eltern schubsen sogar ihre Kinder auf die Straße, um ein Geschenk zu ergattern.«

Besonders beliebt sind grüne Wink-Hände

Auf der Strecke verteilen die Mitfahrer der 200 Fahrzeuge der Werbekarawane etwa elf Millionen Geschenke. Jedes davon ist um die 50 Pfennige wert. Enorm beliebt sind die giftgrünen Wink-Hände aus Pappe, die allerdings auch massenhaft ausgeteilt werden. Schon schwieriger zu ergattern: Mini- Satelliten von Astra, rot-weiß karierte Stoffmützen einer Wurst- Firma und Camembert-Ecken.

Fans hüten ihre Tour-Andenken wie einen Schatz

Tour-Fan Antoine hat sich mit seinen zwei Söhnen kurz vor der Ortseinfahrt des Etappenziels Lavaur aufgestellt. Er kennt die genaue Reihenfolge der Geschenkfahrzeuge, weil er der Tour seit drei Tagen hinterher fährt. Antoine ist ein leidenschaftlicher Sammler. Sein Lieblingsstück ist der gelbe Rucksack der Sponsor-Bank. Darin hütet er seine übrigen Geschenke wie einen Schatz. »Ich habe einfach alles, T-Shirts, Mützen, Luftballons und Spielzeugautos. Zuhause kommen sie in eine Vitrine.«

Wehe die Werbefahrzeuge kommen den Sportlern in die Quere

Die Karawane soll ein Fest sein, sie soll mit Musik und Animation gute Laune verbreiten. Das macht sie allerdings noch lange nicht zu einem gemütlichen Karnevalsumzug. Die Werbewagen fahren manchmal in sehr flottem Tempo durch enge Dorfstraßen, denn ihr Zeitplan ist gnadenlos. Das oberste Gebot lautet: freie Fahrt für die Rennfahrer, die etwa eine Stunde später die Strecke passieren. Und spätestens dann vergessen die vielen Zuschauer die bunten Werbegeschenke in ihren Taschen und wenden sich dem zu, was die Tour ausmacht: dem Radsport.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker