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Steuererhöhung Bis zu 52 Prozent Steuern – die Reichen fliehen aus New York

Die Wall Street ist verlassen, doch was passiert, wenn die Banker nicht wiederkommen?
Die Wall Street ist verlassen, doch was passiert, wenn die Banker nicht wiederkommen?
© John Angelillo / Picture Alliance
Pandemie, gewaltsame Proteste und jetzt auch noch eine satte Steuererhöhung auf bis zu 52 Prozent. Doch wenn die Reichen die Stadt verlassen, bricht der Haushalt von New York zusammen.

New York plant eine massive Steuererhöhung. Kommt es wie geplant, müssten die Reichen in der Stadt mit einer Steuerlast von bis zu 52 Prozent leben, die Bund, Staat und Kommune erheben. Oder sie zahlen gar nichts mehr in New York, weil sie nach Texas und Florida abwandern.

In Staaten wie Deutschland ist die Einkommensteuer im ganzen Bundesgebiet gleich hoch. Das gilt in den USA nur für die Abgaben an den Bund. Bundesstaaten und Kommunen erheben anders als in Deutschland eigene Steuern auf das Einkommen, außerdem kommen in New York City noch erhebliche Steuern auf Wohnraum und Grundbesitz hinzu.

Was, wenn die Reichen gehen?

Die Idee, die Reichen zu besteuern, hört sich fair an, birgt aber Gefahren. In New York stammen über 15 Prozent aller Einnahmen von nur 2000 Steuerzahlern. Die reichsten fünf Prozent tragen 60 Prozent des Haushalts. Ein Exodus dieser Gruppe würde große Probleme für die Finanzen der Stadt mit sich bringen.

"Wenn wir auch nur ein paar Tausend von diesen Leuten verlieren, dann werden die Steuereinnahmen drastisch schrumpfen", sagte Investmentbanker Euan Rellie zur Londoner "Times". Rellie wählt die Demokraten und glaubt, dass der Staat in die Infrastruktur investieren könne. Aber lokale Steuern hätten unbeabsichtigte Nebenwirkungen. Schon während der Pandemie seien viele Personen aus der Finanzbranche aus der Stadt geflohen. "Die Frage ist, ob einige von ihnen sagen: 'Scheiß drauf, ich gehe nicht zurück.'". Analysen von Handydaten zeigen, dass die Stadt etwa 70.000 Einwohner verloren hat. Auch wenn es keine belastbaren Daten gibt, geht man davon aus, dass sich sehr viele Wohlhabende darunter befinden, die in eine Zweitresidenz außerhalb der Stadt gezogen sind.

Home-Office macht es möglich

Historisch gesehen gibt es Studien, die besagen, dass lokale Steuersätze die Leute nicht zum Umzug bewegen, so Rellie. Doch heute fürchtet er, dass diese alten Regeln nicht mehr gelten. Wenn man früher die hohen Kosten der Stadt vermeiden wollte, hat man sich gleichzeitig auch von ökonomischen Möglichkeiten der City abgeschnitten. Das lohnte sich nicht. In der für New York wichtigen Finanzbranche kann heute jedoch jeder von zu Haus arbeiten. Auch Firmen müssen nicht unbedingt in einer bestimmten Zone ansässig sein.

Einer der Flüchtigen ist der Investmentbanker Christopher Wheeler. Kriminalität und Pandemie haben ihn schon vertrieben, seine Frau habe schon lange umziehen wollen, sagte er der Zeitung. Als junge Männer während der Pandemie noch begonnen haben, Motorradrennen vor seiner Wohnung am Central Park zu veranstalten, war das Maß voll. Noch hält das Paar die Wohnung in der Stadt, aber nicht mehr lange. Er wollen nachts schlafen und "keine verrückten Leute haben, die auf der 59th Street Drag-Rennen fahren".

Die Steuererhöhungen würde eine ohnehin schon sehr teure Stadt noch teurer machen. "Was Gouverneur Cuomo und die Leute in Albany nicht verstehen, ist, dass sie sich, wie es in Kalifornien geschieht, durch die Preiserhöhung selbst vernichten", so Wheeler. Im Silicon Valley nennt sich das Phänomen Texodus – junge Unternehmen ziehen nach Texas, um den hohen Steuern und den extremen Immobilienpreisen in Kalifornien zu entgehen.

Furcht vor sozialen Unruhen

Die einzelnen Steuersätze sehen zunächst gar nicht so dramatisch aus. Aber sie addieren sich eben auf bis zu 52 Prozent. Wednesday Martin, Autorin von "Primates of Park Avenue", bestätigt, dass wohlhabende Familien, die Stadt verlassen. "Ich sehe sie nach Dallas, Texas gehen", sagte sie. "Ich sehe sie nach Palm Beach, Florida gehen. Oder nach Aspen." Und die, die nicht gehen, suchen sich eine zweite Residenz als Absprungmöglichkeit. Dabei geht es nicht allein um die Steuerfrage. Obwohl New York demokratisch wählt, seien die Reichen konservativ, ist Martin überzeugt. Vor allem die Black-Lives-Matter-Bewegung sehen sie als Bedrohung.

Nun könnte sich das wiederholen, was in den 1970er-Jahren in New York geschehen ist. Damals sind die wohlhabenden Weißen in die Vororte gezogen. "Weil sie dem entkommen wollten, was sie als städtischen Verfall und die Realität einer rassisch vielfältigen Stadt empfanden."

Darauf folgte eine Blüte des künstlerischen Lebens in New York, aber auch Verwahrlosung, Verelendung. Kriminalität und der Zerfall ganzer Stadtviertel.

Quelle: The Times


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