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Tech-Branche Texodus – warum Milliardäre wie Elon Musk und Firmen wie Oracle aus Kalifornien fliehen

Austin ist kein verschlafenes Nest, sondern eine pulsierende Metropole.
Austin ist kein verschlafenes Nest, sondern eine pulsierende Metropole.
© RoschetzkyIstockPhoto / Getty Images
Das Silicon Valley erstickt am eigenen Erfolg. Elon Musk und Giganten wie Oracle ziehen nach Texas. Schuld daran sind hohe Steuern und Immobilienpreise – aber auch die Angst vor Waldbränden.

Silicon Valley ist der Motor der amerikanischen Wirtschaft und der Grund, warum der Bundesstaat Kalifornien so reich und so beliebt ist. Doch inzwischen scheint das Valley am eigenen Erfolg zu ersticken. Zuhauf verlassen die kreativen Geister den Bundesstaat – prominentester Zeitgenosse ist nun Elon Musk. Und die meisten ziehen ausgerechnet nach Texas. Vom Vorzeigeland der liberalen Demokraten in einen Bundesstaat, in dem das Recht auf Waffenbesitz gleich nach der Bibel kommt.

Manche Gründe sind offensichtlich. Die Immobilienpreise und Mieten in der Bay Area sind astronomisch hoch. Das kümmert die Tech-Millionäre nicht, aber ihre Angestellten. Auch mit einem Spitzengehalt schrumpft der tatsächliche Lebensstil durch die Kosten deutlich.

Texas auf Werbetour

Hinzu kommt ein angeblich unternehmerfeindliches Klima in Kalifornien. Texas nutzt die Stimmung seit Jahren aus. Mit Radiospots ging schon Rick Perry, der damalige Gouverneur von Texas, 2013 auf Tekkiefang. "Ein Unternehmen aufzubauen ist hart. Aber ich habe gehört, ein Unternehmen in Kalifornien aufzubauen, ist fast unmöglich."

Seitdem ringen die beiden bevölkerungsreichsten Staaten der USA um Milliardäre und kluge Köpfe. In den letzten Tagen bekannte Elon Musk, der Chef von Tesla und SpaceX, dass er von seiner "selbstgefälligen" Heimat Kalifornien nach Texas gezogen sei. Dann verlegte auch noch der Software-Gigant Oracle, seinen Firmensitz nach Austin.

Lohnerhöhung durch Umzug

Neben den Flaggschiffen hat der "Texodus" zahlreiche Firmen der zweiten und dritten Linie erfasst. Darrell Mervau, Geschäftsführer von FileTrail, einem Hersteller von Software für Aktenführung und Wirtschaftsprüfung, erklärte dem britischen "Telegraph" den Umzug seiner Firma.

"Ich bin in Kalifornien geboren und aufgewachsen, also bin ich im Herzen Kalifornier. Aber es kam der Punkt, an dem unsere Mitarbeiter sagten: 'Ich brauche jetzt 45 Minuten zur Arbeit, meine Miete ist obszön hoch'."

80 Prozent der Mitarbeiter zogen mit um. "Unsere Angestellten haben gesagt, dass sie eine automatische Gehaltserhöhung bekommen haben, nur weil nach Texas gezogen sind".

Leben im Smog der Brände

Neben den Verkehrsinfarkt, einer schlechten Stromversorgung und den hohen Immobilienpreisen kam 2020 auch noch Covid hinzu. Gerade die Techbranche eignet sich für Homeoffice. Ob man dann 20 Kilometer oder 2000 entfernt ist, macht keinen Unterschied. Dazu kommt ein weiteres "New Normal" der letzten Jahre in Kalifornien: Die andauernden Waldbrände beunruhigen die Bewohner. Der Himmel wird von rosa Staubwolken verdunkelt und wenn man Pech hat, wird auch noch das Stromnetz abgeschaltet.

Dazu gibt es weitere handfeste Vorteile: Der Bundesstaat Texas erhebt keine Einkommenssteuer zusätzlich zu der des Bundes. Im Vergleich zu Kalifornien bleiben jedem Umzügler zehn Prozent mehr Netto von seinem Brutto. In Texas ist Körperschaftssteuer am niedrigsten in den USA. Kalifornien gehört zur Spitzengruppe.

Ari Rastegar ist ein texanischer Immobilienentwickler. Sein Geschäft ist es, die Neubürger mit großen und preiswerten Anwesen zu verschaffen und dafür rührt er die Trommel. "Kalifornien und New York haben kläglich und erbärmlich versagt, auf Regierungsebene, auf der Ebene des Bundesstaates und der Stadt, und sie haben es unmöglich gemacht, Geschäfte zu machen – Punkt. Das ist ein langer Trend, auf den Covid noch Benzin geschüttet hat ... Wir sind das neue Silicon Valley. Der Kern des alten Silicon Valley war Oracle, aber sie die sind jetzt weg."

Auf Dauer droht natürlich die Gefahr, dass sich die Entwicklung des Silicon Valleys in Austin wiederholen könnte. Immobilien-Mogul Ari Rastegar kann darüber nur lachen: "Ja, in etwa fünfzig Jahren. Das wird das Problem meiner Kinder sein."


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