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Milliardäre als Prepper: Doomsday - so sehr fürchten die Superreichen im Silicon Valley den Aufstand der Armen

Das Silicon Valley ist das Labor einer neuen Welt. Doch die Milliardäre der Zukunftsindustrie trauen dem Fortschritt selbst nicht: Sie rüsten sich für Chaos und Apokalypse.

Die Superreichen fürchten sich vor einer Revolte.

Die Superreichen fürchten sich vor einer Revolte.

Prepper, das sind Menschen, die sich auf den Weltuntergang vorbereiten. Sie bauen Bunker, horten Lebensmittel und Munition. Meistens denkt man an etwas verschrobene Spinner. Wer sonst könnte glauben, die Apokalypse sei nah und diesem ziemlich aufwändigen Hobby frönen. Der "New Yorker" – das Blatt für Intellektuelle schlechthin – räumt nun mit der Illusion auf, dass sich nur leicht Verrückte ernsthaft mit dem drohenden Weltuntergang beschäftigen. Die Story "Doomsday prep for the super-rich" – "Weltuntergangsvorbereitungen der Super Reichen" zeigt, dass ausgerechnet der cleverste, bestinformierte und reichste Teil der Gesellschaft mit dem Schlimmsten rechnet.

Die Schlauesten glauben nicht an Stabilität

Im  "New Yorker" kommen keine konservativen, alten Männer vom Schlage Donald Trumps zu Wort, die reichen Prepper arbeiten im Silicon Valley. Diese Menschen, deren Firmen und Visionen die Welt umgestalten, haben offenbar selbst wenig Zutrauen in den Fortbestand ihrer Schöpfung. Von den Superreichen kann man nur lernen. Steve Huffman (600 Millionen schwer), Mitgründer und CEO, von Reddit hat nicht mit einem Bunker begonnen, sondern sich zunächst einmal die Augen lasern lassen. Er sagt: "Wenn die Welt zugrunde geht – oder auch nur wenn wir hier mächtig großen Ärger haben, machen Brillen oder Kontaktlinsen keinen Spaß. Verlierst du sie, bist du geliefert!" 

Er grübelt nicht darüber, was nun den Untergang hervorrufen könnte - Erdbeben, Atombombe oder Mega-Seuche. Huffmann treibt um, was nach dem Schock passiert. Er ist sich sicher, zumindest zeitweise werde die staatliche Ordnung zusammenbrechen. Vorgesorgt hat er mit Motorrädern, weil Autos die Straße verstopfen, und einem Arsenal an Schusswaffen. "Damit – hoffe ich zumindest – kann ich mein Haus eine Zeitlang halten."

Die Gesellschaft hat tiefe Risse

Antonio García Martínez, ein ehemaliger Facebook-Top-Manager, fürchtet sich nicht vor Zombie-Attacken, sondern davor, dass der gesellschaftliche Kitt nicht mehr ausreicht, die wachsenden Spannungen zusammenzuhalten. "Leute, die verstehen, wie die Welt wirklich funktioniert, sehen auch, dass wir im Moment auf einem sehr dünnen Eis unterwegs sind." Martínez hält die Idee vom Widerstand im Vorgarten für großen Unsinn. Er hat sich für einen Landsitz auf einer Insel im Nord-Pazifik entschieden und den Ort mit Vorräten, Generatoren und Munition ausgestattet. "Kein Mensch kann allein einen Mob aufhalten." Er möchte Gleichgesinnte für sein komplexes Inselprojekt gewinnen, weit weg von den wütenden Massen habe man mit einer "Miliz" eine Chance, das Chaos zu überstehen. 

Justin Kan – Mitgründer einer Gaming Plattform – sagte: "Viele  meiner Freunde glauben, dass die Gesellschaft zusammenbrechen wird. Sie sagen, man müsste sich jetzt vorbereiten." Diesen Freunden sei eins gemeinsam: "Jede Menge Geld und Ressourcen. Für sie ist das eine Versicherung." 

Der Autor des "New Yorker", Evan Osnos, wundert sich über einen eklatanten Widerspruch. Die Superreichen fürchten den Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung. Meist erklären sie ihn damit, dass das einfache Volk sich gegen sie erheben könnte, weil die Spannungen in der Gesellschaft zu groß werden. Darauf bereiten sie sich mit großen Investitionen vor. Nur die Wenigsten unternehmen etwas gegen diese Spannungen. Im Gegenteil: Sie treiben die Spaltung in eine herrschende Elite und eine abgehängte Masse weiter voran. Sie freuen sich über jede Steuersenkung und sehen eine Ausweitung des Sozialstaates betont kritisch. Auch Steve Huffman fürchtet eine gesetzlose Zeit nach dem Zusammenbruch der Institutionen. Mit dem Meinungsportal Reddit lauscht er am Puls der Zeit.  "Im Allgemeinen sind wir ein gutes Thermometer der öffentlichen Stimmung. Bei Dingen wie 'Zusammenbruch des Vertrauens in die öffentliche Ordnung' wird man die ersten Risse im Fundament der Gesellschaft in den sozialen Netzen erkennen."

Vielen bereiten sich vor

Ein anonymer Investmentbanker gesteht, dass er jederzeit einen aufgetankten Hubschrauber auf Stand-by habe. Er gibt zu, dass er mit diesen Vorbereitungen zu den extremen Preppern gehöre. "Aber eine Menge Freunde sammeln Waffen und Motorräder und Goldmünzen. Das ist heutzutage keine Seltenheit mehr." Venture-Kapitalist Tim Chang spricht offen darüber, dass das Überleben nach dem Doomsday oder einer Revolte ein wichtiges Gesprächsthema im Silicon Valley sei. Jeder bereite sich auf seine Art vor. Beliebt seien Investitionen in Grundvermögen, die Anlage in Bitcoins oder der Versuch, den Pass eines Fluchtlandes zu erhalten. 

Reid Hoffman, Mitgründer von LinkedIn, erinnert daran, dass die häufigste Vorsorge der Reichen nicht ein martialischer Bunker, sondern ein Wohnort im Ausland sei. "Hauskauf in Neuseeland? Dann braucht man mir nichts mehr weiter sagen. Das ist der Wink mit dem Zaunpfahl. Dann ist doch alles klar." Er schätzt, dass sich 50 Prozent der Superreichen auf irgendeine Weise auf ein Ende der Gesellschaft vorbereiten. "Ich höre diese Stories immer wieder: Wird sich das Land gegen die Reichen auflehnen? Oder gegen technische Innovationen? Oder zerfällt es in einen Zustand des Bürgerkrieges?"

Anfälliger durch mehr Technik

Seiner Meinung nach sind diese Befürchtungen nicht verrückt. Die ganze Gesellschaft – Produktion, Vertrieb, Lebensmittel, einfach alles – hänge heute vom dem reibungslosen Funktionieren der Technik ab. Das bedeutet, Strom, Computer und Internet müssen nonstop arbeiten. Sollte es zu massiven Störungen kommen, wäre ein Chaos unausweichlich. In Megastädten würde einem totalen, technischen Zusammenbruch der gesellschaftliche Zusammenbruch nur wenige Tage später folgen.