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Mega-Keller: Freiwillig in den Keller - darum wühlen sich die Superreichen in die Tiefe

Die Superreichen bohren sich in London in den Untergrund. Ihr Traum: Unter dem Haus sollen sich endlose Gewölbe erstrecken. Am besten so tief wie einst der Führer-Bunker. Schutz vor Bomben sollen die Mega-Keller allerdings nicht bieten.

Eisberghaus: Der Keller ist weit größer als das alte Haus.

Eisberghaus: Der Keller ist weit größer als das alte Haus.

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Der heißeste Trend bei Londoner Immobilen ist der Mega-Keller. Da staunt der Laie: Privatjets, teure Scheidungen, Jachten und Supersportwagen. Das kann man alles verstehen: Aber wozu braucht man einen Mega-Keller? Raten hierzulande nicht Fachleute dem Häuslebauer ab, einen ganz normalen Keller zu errichten, weil er sinnlos sei und die Baukosten unnötig verteure?

Mehr Keller als Haus

Und ein Mega-Keller ist nicht ein einfacher Abstellraum unter dem Haus. Nein, fünf Stockwerke soll es schon in die Tiefe gehen. Da ist man in einer Dimension, wie sie der bekannte Führer-Bunker in Berlin besaß, in dem Hitler seine letzten Tage verbrachte. Und wenn man schon dabei ist, will man nicht nur das eigene Stadtpalais unterkellern. Die Gewölbe sollen sich auch unter Garten und Bäumen erstrecken, denn so wird der Keller noch größer. 

Es geht um Platz - um Quadratmeter und Kubikmeter zusätzlichen Wohn- und Stauraum. Und der ist in London auch für Milliardäre begrenzt. Dem Nachbarn kann man nicht einfach Haus und Grund abkaufen, der ist meist ebenso reich. Der New Yorker Ausweg ist nicht möglich. Dort werden sogenannte Frankenstein-Häuser kreiert, die eine Riesenwohnung aus mehreren alten Häusern zusammenstellen.

Personal verschwindet in der Tiefe

In die Höhe darf man in London auch nicht bauen, bleibt nur der Untergrund. Und dort soll nicht etwa ein frugaler feuchter Bunker entstehen, sondern ein Refugium, in dem die Autosammlung untergestellt werden kann. Ebenfalls beliebt ist der Standort für ein privates Fitnessstudio, einen Wellnessbereich nebst Schwimmbecken. Vorratsräume und ausgedehnte Weinkeller finden im Keller eine natürliche Bleibe. Weitere Vorteil: Das Personal muss nicht länger die edlen oberirdischen Geschosse belegen. Die Wohnungen der dienstbaren Geister wie Nanny und Chauffeur werden unter die Grasnarbe verlegt. Arbeitsbereiche wie die Küche können auch dorthin verschwinden. Treffend wird so ein Ensemble Eisberg-Haus genannt, weil nur der kleinere Teil aus der Erdoberfläche herausragt.

Mehr als 110 Mega-Keller genehmigt

Diesen Vorzügen stehen allerdings auch Nachteile gegenüber. Da wären die immensen Kosten – denn schließlich ist es nicht billig, unterhalb eines bestehenden Hauses eine Riesenhöhle auszuheben. Die Bauzeit bringt es mit sich, dass die Besitzer ihr Domizil jahrelang verlassen müssen.

Aber dennoch ist der Boom der Mega-Keller ungebrochen: Nach Angaben der BBC wurden in den letzten Jahren mehr als 110 Mega-Keller in London errichtet. Dem Drang in die Tiefe stehen neuerdings jedoch argwöhnische Nachbarn und die Verwaltung gegenüber. Nicht erst seitdem 2016 eine Villa über dem Loch des zukünftigen Mega-Basements wie ein Kartenhaus zusammenfiel, sehen die Behörden derartige Umbauten skeptisch. Vor allem aber sind die meist ebenso betuchten Nachbarn von den Vorhaben nicht begeistert. Für die bedeutet der Mega-Keller nebenan endlose Kolonnen von Lkw, die den gewaltigen Aushub weg- und tonnenweise Beton heranschaffen. Dazu kommt der Lärm von Rammen und Pumpen, die den Keller absichern und die jahrelangen Bauarbeiten.

Erbitterte Auseinandersetzungen

Kein Wunder, dass die Anwohner alle Mittel aufbringen und keine Mühen scheuen, um so ein Bauvorhaben auf dem Rechtsweg aufzuhalten. Legendär sind die juristischen Schlachten zwischen dem Sänger Robbie Williams und seinen Nachbarn Jimmy Page, dem Gitarristen der Rockband Led Zeppelin.

Vier Jahre dauert der aktuelle Rechtsstreit. Williams würde gern einen schicken Keller mit 40 Zimmern anlegen, aber die verstockte Rocklegende nebenan wehrt sich gegen den Bau. Page führt an, er fürchte um die Sicherheit seines denkmalgeschützten Hauses.

Und wie es aussieht, sitzt der Rocker am längeren Hebel: Einen vorhergehenden Bauantrag Williams' konnte er niederschmettern.

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Themen in diesem Artikel
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?