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Airbus-Erweiterung: Wenn die Musik in Toulouse spielt

Der geplante - aber wackelige Ausbau der Airbus-Werft in Hamburg bedroht das Schicksal von 50 neuen Betrieben und ihren qualifizierten Mitarbeitern. Sie sind als erste weg, wenn die Musik nicht mehr in der Hansestadt spielt.

Der Streit um die geplante Verlängerung der Start- und Landebahn für den Airbus A380 in Hamburg-Finkenwerder wird von den kleinen und mittelständischen Zulieferunternehmen mit größter Sorge verfolgt. "Wenn die Startbahn nicht verlängert werden sollte und Hamburg seine Rolle als Kompetenzzentrum im Großflugzeugbau verliert, fürchten viele unserer Betriebe ernsthaft um ihre Existenz - oder sie müssen nach Toulouse gehen", erklärt Uwe Gröning, der geschäftsführende Vorsitzende des norddeutschen Industrieverbundes Hanse-Aerospace, in dem 90 Unternehmen zusammengeschlossen sind.

50 Betriebe mit 7000 hochqualifzierten Mitarbeitern

Knapp 50 dieser Firmen sind direkte Airbus-Zulieferer und in ihrer Unternehmensstruktur ganz oder teilweise von Airbus Deutschland abhängig. Am Airbus A380-Programm sind 13 dieser Betriebe beteiligt. Zahlreiche der in- und ausländischen Zulieferer- und Ausrüstungsbetriebe mit vielfach hoch qualifizierten Mitarbeitern haben sich erst in den letzten Jahren in Norddeutschland angesiedelt. Alles in allem sind 7000 zum Teil hoch bezahlte Mitarbeiter der Unternehmen der Hanse-Aerospace in der Luftfahrt-Industrie tätig, davon etwa 3500 direkt für Airbus.

"In der Praxis geht ein Airbus nach seiner Auslieferung in Finkenwerder vom Kunden in die Betreuung durch die mittelständische Industrie über", sagt Klaus Ardey, Vorsitzender von Hanse-Aerospace. "Denn wenn das Flugzeug erst einmal fliegt, sind wir weitgehend für die Ersatzteilbeschaffung zuständig. Deshalb haben sich auch so viele Unternehmen rund um Finkenwerder angesiedelt. Unsere Firmen arbeiten schon im Vorfeld der Auslieferung und erst recht nach der Auslieferung mit den Airbus-Kunden aus aller Welt direkt zusammen. Das ist in Hamburg nicht anders als in Seattle oder Toulouse."

Gröning und Ardey fürchten ernsthaft um die Zukunft vieler ihrer Unternehmen: "Einige unserer Firmen orientieren sich schon jetzt nach Toulouse. Wenn Finkenwerder kein A380-Auslieferungs- und Kompetenzzentrum wird, dann droht ein massiver Verlust von Arbeitsplätzen. Das ist dann fast wie in Ostdeutschland: Die qualifizierten Jungen gehen zuerst dorthin, wo die Musik spielt - also nach Toulouse." Am Anfang würden wohl vor allem produktionstechnisch orientierte Betriebe Dependancen in Toulouse einrichten: "Und eines Tages sind sie dann ganz dort."

DPA / DPA