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Deutschland: Ein Dorf kommt unter den Hammer: Alwine in Brandenburg wird versteigert

Sechs Doppel- und Mehrfamilienhäuser, ein Dorfplatz und 16.000 Quadratmeter Land: Am Samstag kommt die Siedlung Alwine unter den Hammer. Das Erstgebot liegt bei 125.000 Euro. Doch es gibt natürlich einen Haken.

Am Samstag wird das Dörfchen Alwine versteigert. Aus aktuellem Anlass bieten wir diesen Artikel deshalb noch einmal an. Der Text erschien am 23. November 2017. Bis Donnerstagnachmittag gab es mehr als 40 Anfragen von interessierten Käufern.

Tief in Brandenburg, nur 70 Kilometer von Dresden entfernt, liegt die kleine Siedlung Alwine. Zwei Mehrfamilienhäuser, fünf Doppelhaushälften, ein Zweifamilienhaus, ein Einfamilienhaus, zehn Schuppen und Garagen stehen hier. Die Fläche umfasst  insgesamt 16.000 Quadratmeter Land mitten im Wald. Am 9. Dezember kommt Alwine in Berlin unter den Hammer. Für das Anfangsgebot von 125.000 Euro kann jeder Interessierte zum Herren über ein ganzes Dörfchen werden. Es gibt sogar einen kleinen Dorfplatz mit einem halben Dutzend sauber gestutzten Sträuchern.

Die Siedlung Alwine in Brandenburg liegt mitten in einem Waldstück

Die Siedlung Alwine in Brandenburg liegt mitten in einem Waldstück


Der Rest sieht jedoch leider nicht so malerisch aus. An den Häusern blättert der Putz ab, wenn er überhaupt noch vorhanden ist. Alte Fensterläden verdecken gähnende schwarze Löcher und überall, wo man hinschaut, sieht man eins: Verfall. "Das Objekt bedarf einer umfassenden Sanierung", sagte Matthias Knake vom Berliner Auktionshaus Karhausen, das die Versteigerung von Alwine übernimmt. "Es gibt zum Beispiel keine Heizungsanlagen in den Häusern", berichtete er dem stern. Geheizt wird mit Kohle oder Holz im guten alten Kachelofen.

"Das Gute ist, dass es kein einzelnes großes Objekt ist, sondern viele kleinere", so Knake. "So kann die Sanierung nach und nach durchgeführt werden." Aufgabe des neuen Eigentümers werde es sein, mit den ungefähr 15 Mietern ins Gespräch zu kommen und festzustellen, wo Sanierungsbedarf besteht. "Der eine will vielleicht neue Fenster, der andere ein neues Bad oder eine Heizung. Die Mieter werden natürlich die Kosten für die Modernisierung mittragen müssen."

16.000 Euro Mieteinnahmen pro Jahr

Derzeit bestünden vor allem alte DDR-Verträge. Die Mietpreise seien daher sehr niedrig. Knapp 16.000 Euro im Jahr kommen aktuell an Mieteinnahmen zusammen. "Einige Mieter zahlen aber wegen der Mängel keine Miete. Der neue Eigentümer müsste erst mal alles in Ordnung bringen", so Knake. Mieteinnahmen bis zu 30.000 Euro jährlich wären durchaus möglich. Die bisherigen Besitzer seien nicht sehr mit Immobilienführung vertraut gewesen. Nach der Wende hätten zwei Brüder die Siedlung gekauft. Einer von ihnen sei inzwischen verstorben. Seine Witwe und sein Bruder hätten Alwine zur Auktion freigegeben und wollten sich vom gesamten Bestand trennen.

Doch trotz des schlechten Zustands der Siedlung blickt Knake der Versteigerung optimistisch entgegen. "Bislang haben uns zwar mehr Presseanfragen als Kundenanfragen erreicht, aber ein Käufer wird sich bestimmt finden."  

Die Vorstellung, Herr über ein ganzen Dörfchen zu sein, ist schließlich verführerisch. Auch wenn der neue Besitzer sich nicht selbst zum Bürgermeister wird wählen oder ein eigenes Ortsschild aufstellen können. Alwine gehört nämlich zur Stadt Uebigau-Wahrenbrück im Landkreis Elbe-Elster.

ivi