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Auskunft: Ohne Schufa geht gar nix

Ohne Schufa-Klausel kein Konto oder Handy, keine Wohnung oder Großbestellung. Die »Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung« weiß alles über die Zahlungsmoral.

Ohne Schufa-Klausel kein Konto oder Handy, keine Wohnung oder Großbestellung. Die "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung" (Schufa) weiß alles über die Zahlungsmoral. Rund 57 Millionen Menschen in Deutschland haben bei Banken und Sparkassen, beim Abschluss eines Mobilfunkvertrages, vor Bestellungen über den Versandhandel oder mit ihrem Mietvertrag unterschrieben, dass ihre Daten an die Schufa weitergegeben werden dürfen.

Streng geheime Datensätze

In der Schufa-Zentrale in Wiesbaden und den Geschäftsstellen schlummern rund 300 Millionen Datensätze mit Zahlen und Fakten, die eigentlich jeder am liebsten für sich behält: Wer wo Konten unterhält, und ob jemand Versandhauskunde ist, steht genauso auf dem Datenblatt wie Kredite mit Tilgungsverlauf oder Kündigung, Mahnbescheide und Zwangsvollstreckungen.

Negativauskunft = Kein Kredit

Eine negative Schufa-Auskunft, per EDV vom Bankangestellten in Sekundenschnelle abrufbar, bedeutet fast unvermeidlich das schnelle Ende neuer Kreditwünsche. Kaum verwunderlich, dass sich die Sympathien der Verbraucher für den Auskunftsdienst in Grenzen halten und Datenschützer die Riesensammlung sensibler Informationen oft misstrauisch beäugen, wie Schufa-Chef Rainer Neumann sagt.

Peinliche Verwechlungen im Promille-Bereich

Nach dem 75-jährigen Jubiläum der Schufa im Frühjahr 2002 wollte der Diplom-Mathematiker und ehemalige Postbankmanager sein öffentlich bisher sehr zurückhaltendes Unternehmen positiver zu präsentieren. Wenn Kredite verweigert werden, bewahrt das nicht nur die Bank vor möglichen Ausfällen, sondern schütze auch den Kunden vor weiterer Verschuldung, betont er. Bei 60 Millionen Auskünften jährlich kommen - für die Kunden möglicherweise sehr peinliche - Fehler oder Verwechselungen nur im Promillebereich vor. Und jeder Verbraucher kann per Eigenauskunft erfahren, was die Schufa über ihn weiß: Für 7,60 Euro bekommt er das Datenblatt geschickt.

System zur Verringerung des Kreditrisikos

1927 war die Schufa von den Berliner Elektrizitätswerken "Bewag" und der AEG gegründet worden. In der aufblühenden Wirtschaft der 20er Jahre bot die "Bewag" erstmals Elektrogeräte per Ratenkauf an und suchte nach einem System, die Kreditrisiken zu verringern. So konnten Käufer ohne langwierige Recherchen zu ihren Finanzverhältnissen schnell beliefert werden. Schon zwei Jahre nach der Gründung führte die Schufa Daten von rund 1,5 Millionen Ratenkäufern in ihren Karteikästen.

Schufa ist Marktführer

Heute steht die Schufa Holding AG in Wiesbaden an der Spitze eines Konzerns mit 630 Mitarbeitern mit - ohne die Zentrale - 13 Standorten und ist gegen zwei Konkurrenzunternehmen in Deutschland mit Abstand Marktführer. Die Schufa verzeichnete in den vergangenen zwei Jahren Zuwachsraten zwischen sechs und acht Prozent, schreibt schwarze Zahlen und kommt für 2001 auf rund 55 Millionen Euro Umsatz. Anteilseigner sind die Banken, Sparkassen und der Handel, die für die Regelanfrage per PC im Durchschnitt rund 65 bis 70 Cent bezahlen. Im ersten Quartal 2002 drückte der Konjunkturrückgang auch die Schufa-Einkünfte, neue Produkte haben den Rückgang aber ausgeglichen, so Neumann.

Geheimnisvolles Scoring

Zur erweiterten Palette der Schufa gehört seit 1996 das so genannte Scoring, das schon bei rund der Hälfte der Anfragen mitverlangt wird. Dabei fragt der Bankangestellte nicht nur nach geplatzten Krediten des Kunden in der Vergangenheit, sondern lässt sich auf der Basis eines statistischen Verfahrens eine Prognose über das künftige Zahlungsverhalten geben. Die Daten des Antragstellers werden dabei mit Millionen ähnlicher Datenkonstellationen verglichen, mit einem Punktestand ("score") bewertet und in einer Skala mit zwölf Stufen eingeordnet.

Details streng geheim

Das Score-Verfahren - Details sind streng geheim - hat die Schufa gerade in die Niederlande verkauft. Weiteres Wachstum könnte die Riesterrente bringen. Die Schufa will für die Lebensversicherungen den regelmäßigen Datenaustausch zwischen Versicherung, Kunden und Behörden organisieren. Bis Ende dieses Jahres soll das System stehen. Dass in den Schufa-Rechnern dann Schuldenstände oder Mahnverfahren, Versandhauskontakte und Rentenansprüche zur Totalerfassung des Kunden zusammengeführt werden könnten, hält Neumann allerdings für eine Orwellsche Vision: "Die Daten bleiben streng getrennt. Dafür stehe ich persönlich." Außerdem gehört die Schufa zu den am stärksten kontrollierten Unternehmen überhaupt. "Ein Drittel des Datenschutzgesetzes ist doch extra für uns geschrieben worden."

DPA