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Vermeintliche Influencerin: Sie hat Millionen Follower - bekommt aber kein T-Shirt verkauft

Social-Media-Stars gelten in der Werbebranche als Verkaufsgaranten. Doch der Fall der Instragramerin Arii zeigt, dass Follower nicht gleich zahlende Kunden bedeuten. Entsteht gerade eine Influencer-Blase? 

Arii hat auf Instagram 2,6 Millionen Follower. Mode verkaufen konnte sie aber deswegen nicht. 

Arii hat auf Instagram 2,6 Millionen Follower. Mode verkaufen konnte sie aber deswegen nicht. 

Youtuber und Instagramer sind die Stars von heute. So genannte Influencer geben vor, was trendy und angesagt ist. Es ist also wenig überraschend, dass Unternehmen sie längst als Werbeträger entdeckt haben und viel Geld in Kampagnen mit den Social-Media-Promis investieren. Doch der Fall der Instagramerin Arii zeigt, dass das Kalkül nicht immer aufgeht und große Follower-Zahlen nicht gleich kommerziellen Erfolg bedeuten.

Seit rund zwei Jahren postet die junge Frau auf Instagram. Es sind die typischen Duckface-Selfies, Bikini-Bildchen und Frühstücks-Arrangements in Hotels, die Arii mit ihren Followern teilt. Mehr als 2,6 Millionen sind es derzeit (Stand 7. Juni 2019). Wie sie an diese Followerzahlen mit nur 141 Beiträgen gekommen ist, ist fraglich. Es seien ebenfalls genug, um eine eigene Modelinie zu starten, dachte sich wohl die 18-Jährige und brachte unter dem Namen "Era" eine kleine Kollektion aus sieben Stücken heraus: T-Shirts mit Schmetterlingsmotiven vornehmlich.

Damit die Modelinie jedoch regulär hergestellt und angeboten wird, stellte die Produktionsfirma nach Angaben von Arii eine Bedingung: Von jedem Stück mussten 36 Exemplare verkauft werden. 252 Artikel also insgesamt. Doch der Deal platzte. Unter den 2,6 Millionen Folllowern von Arii fanden sich keine 252 Menschen, die tatsächlich bereit waren, Geld für eines ihrer T-Shirts auszugeben. Die Modelinie wurde so schnell wieder eingestampft, wie sie ins Leben gerufen worden war.

Instagram-Follower gekauft? 

Arii teilte natürlich ihr Leid mit ihren Followern. "Es bricht mein Herz, diesen Post zu schrieben", begann sie ihre Mitteilung, in der sie ihren Fans die schlechte Nachricht erklärte. Sie habe gewusst, dass es schwierig werden würde, den Deal zu erfüllen. Aber sie habe so gutes Feedback zu ihren Designs bekommen, dass sie den Schritt gewagt hätte.

Die Instagram-User reagierten jedoch zum Teil mit wenig Verständnis. Viele hegen nun den Verdacht, dass Arii ihre Follower und Likes gekauft haben könnte. "Die Influencer-Blase platzt. Diese Dame hat weit über zwei Millionen Follower und konnte keine 36 T-Shirts verkaufen. Fokussiert euch lieber auf echtes Engagement und nicht auf Follower, denn sie werden nichts kaufen", kommentierte eine Nutzerin den Fall etwa auf Twitter. 

Auch andere Kritiker, dass das niedrige Engagement auf der Instagram-Seite von Arii sie hätte stutzig machen sollen. "Mädchen, wenn weniger als fünf Prozent deiner Follower deine Bilder liken, warum sollten sie dann Geld in deine Produkte stecken", schrieb eine Nutzerin auf Instagram.

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i think i can do this everyday 🖤

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Tatsächlich bewegen sich die Like-Zahlen bei Posts von Arii im Durchschnitt zwischen 20 und 40 Tausend. Das sind also gerade mal ein bis zwei Prozent ihrer Follower. Bei den Kommentaren sind es im Schnitt zwischen 100 und 200 Beiträge pro Post. Im Verhältnis zu den 2,6 Millionen Followern eine verdächtig niedrige Zahl.

Der mit Abstand beliebteste Post von Arii ist jedoch der, in dem sie das Scheitern ihrer Modelinie erklärt. Darin beteuert sie keine Follower gekauft zu haben. Aber egal, ob gekauft oder nicht, der Fall zeigt, dass Follower nicht gleich Kunden bedeuten. Die Reichweite der Instagram-Stars garantiert keine Verkäufe. Ein Umstand, dass auch die Werbetreibenden bald merken dürften.

ivi
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