Einzelhandel Handel muss sich gegen "Aldisierung" wehren


Der Chef von Unilever Deutschland hat den Handel aufgefordert, sich gegen die "Aldisierung der Gesellschaft" zu wehren. Der erfolgreiche Discounter steigt derweil auch noch in den Kunsthandel ein.

Der Chef von Unilever Deutschland, Johann Lindenberg, hat den Handel aufgefordert, sich gegen die "Aldisierung der Gesellschaft" zu wehren. Gemeinsam mit den Herstellern von Markenartikeln müsse der Einzelhandel sein Marketing verbessern und mehr Innovationen auf den Markt bringen, sagte Lindenberg dem "Tagesspiegel" (Montagausgabe). "Aldi verhält sich hocheffizient", erklärte der Unilever-Chef. "Auf Dauer etabliert sich damit aber ein System mit geringer Wertschöpfung. Das ist dem Wohlstand nicht förderlich." Die Discounter gäben viel Geld für Werbung aus - deutlich mehr als der übrige Lebensmittelhandel. "Wir müssen erkennbare und erlebbare bessere Qualität liefern", forderte der Unilever-Chef. Diese Arbeit müsse auch kommuniziert werden.

Keine Verlagerung ins Ausland

Zu der Diskussion in vielen Unternehmen, Firmenteile aus Kostengründen ins Ausland zu verlagern, sagte Lindenberg, für sein Unternehmen sehe er dazu keinen Anlass. "In Deutschland sind trotz aller Klagen die effektiven Steuerraten nicht höher als im Ausland." Als Hersteller von Markenartikeln sei es wichtig, nahe am Markt und nahe am Konsumenten zu sein. "Wir führen unser Geschäft in Deutschland aus Deutschland", sagte Lindenberg.

Aldi steigt in den Kunsthandel ein

Der Discounter Aldi steigt jetzt auch in den Kunsthandel ein. Ab Anfang Dezember sollen die ersten von Künstlern signierten Originalgrafiken in den Regalen der etwa 1.500 Filialen von Aldi Süd liegen. Dies sagte der an der Aktion beteiligte Düsseldorfer Künstler Felix Droese (53). Der Beuys-Schüler steuert selbst zwei Blätter in einer Auflage von je 10.000 Exemplaren bei. Aldi Süd wollte zu der Aktion keine Auskunft geben. Dem Vernehmen nach werde der Discounter die signierten Arbeiten zu Preisen zwischen 10 und 15 Euro anbieten.

Kein Schaden für den Kunsthandel

Nach Angaben Droeses sind noch sechs weitere Künstler an der Aktion beteiligt: "Wenn ich das richtig verstanden habe, kommen dann 140.000 Kunstwerke auf den Markt - man sieht die Unterversorgung". Für den Bundesverband Deutscher Galerien (BVDG) trägt die Aldi-Aktion "sicherlich dazu bei, Leute für Kunst zu begeistern, die wir nicht erreichen", meinte der BVDG-Vorsitzende Heinz Holtmann. Allerdings sei die "Wertigkeit", die die signierten Werke ausstrahlten, wegen der hohen Auflage "äußerst gering". Der deutsche Kunsthandel werde keinen Schaden nehmen.

DPA

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