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Familienunternehmen: Miele - Von der Buttermaschine zur Navitronic

104 Jahre durch Innovation, Markenpflege und ungewöhnliche Mittel: So war es letztlich ein Holz-Truthahn, der Miele auf dem US-Markt beim Verkauf von Backöfen zum Durchbruch verhalf.

Letztlich war es ein Holz-Truthahn, der Miele auf dem US-Markt beim Verkauf von Backöfen zum Durchbruch verhalf. "Unsere Öfen waren den Amerikanern zu klein. Es ging immer darum, ob ein Truthahn hineinpasst oder nicht", erinnert sich der Geschäftsführende Gesellschafter, Rudolf Miele. Also ließ man in Gütersloh kurzerhand einen Holzputer anfertigen, tüftelte ein wenig und baute schließlich breitere Backöfen, die sich prompt gut verkauften. Schöner Nebeneffekt: Auch die Europäer fanden Gefallen daran. "Damit hatten wir den doppelten Nutzen," sagt Miele heute.

Mit Tüfteleien zum Erfolg

Die Geschichte ist bezeichnend für das mittlerweile 104 Jahre alte Unternehmen. Schon Firmengründer Carl Miele ging - unter technischen Aspekten - kleine Schritte, die aber für das Unternehmen große Wirkung entfalteten. Nachdem der gelernte Maurermeister 1899 gemeinsam mit Reinhard Zinkann die Zentrifugenfabrik Miele & Cie. gegründet hatte, war es immer wieder seiner Tüftlerei und dem Zinkannschen Verkaufstalent zu verdanken, dass aus den Produkten Renner wurden. Den Anfang machten die beiden mit Milchzentrifugen - obwohl damals in der Region um den Gründungsort Herzebrock schon 31 Zentrifugenfabriken aktiv waren. Überzeugt davon, sich mit Qualität statt Billigprodukten behaupten zu können, brachten sie die erste Miele-Milchzentrifuge "Meteor" auf den Markt und fanden schon bald auch in anderen Teilen Deutschlands Abnehmer.

Vom Butterfass zur Waschmaschine

Vom Erfolg angespornt baute Miele die ergänzende Buttermaschine "Meteor", einen kleinen Holzbottich aus Eichenholz, in dem ein Drehkreuz - per Schwungrad mit der Hand angetrieben - den Milchrahm zu Butter schlägt. Und dies war die Basis für ein Produkt, das die Haushalte in aller Welt revolutionieren sollte: die Waschmaschine.

Sogar Miele-Autos gab es

Zwar hatten sich zuvor schon andere Erfinder ein solches Gerät ausgedacht - doch die Modelle setzten sich nicht durch. Erst die Konstruktion von Carl Miele aus dem Jahr 1900 - ebenfalls "Meteor" genannt - kam an, die Nachfrage stieg. Und der Tüftler ließ es nicht dabei bewenden: Ab 1904 entwickelte er die erste Kraftwaschmaschine, die von Motoren angetrieben wurde, 1910 folgte ein mechanischer Wäschewringer, und das Unternehmen konnte expandieren. Zeitweise stieg Miele sogar in den Autobau ein: Insgesamt 143 Fahrzeuge wurden produziert, eines steht heute im Miele-Museum in Gütersloh.

"Semper melior"

Nur 15 Jahre nach der Unternehmensgründung hatten Miele und Zinkann die Firma zur größten Spezialfabrik Deutschlands für Milchzentrifugen, Buttermaschinen, Waschmaschinen und Mangeln ausgebaut und beschäftigten 500 so genannte Beamte und Arbeiter. Firmensitz war inzwischen Gütersloh, weil die Stadt einen direkten Gleisanschluss an die Bahnstrecke Köln-Berlin bot. Der Wahlspruch des Familienunternehmens gilt auch der heutigen Führung noch als Losung: "Semper melior" (Immer besser). In Sachen Waschmaschinen hieß das zum Beispiel 1956, den Waschvollautomaten auf den Markt zu bringen, 1962 mit der Einknopf-Automatik aufzuwarten und 1978 eine Weltpremiere zu feiern: die erste Waschmaschine mit Mikroprozessor-Steuerung. 2003 ist es die "Navitronic", die mit so vielen Patenten auf den Markt gekommen ist, wie noch keine andere Miele-Waschmaschine zuvor.

"Miele@home"

Herde, Backöfen, Staubsauger, Mikrowellen, Dampfgarer oder auch die Korpusfertigung für Küchen gehören mittlerweile ebenso zum Sortiment wie Gewerbemaschinen, die in der Medizin Anwendung finden. Und wie es in Zukunft weiter gehen könnte, führte das Unternehmen schon 2001 auf der Domotechnica mit "Miele(at)home" vor: "Per Computer, Telefon oder Handy kann der Besitzer von jedem Ort jederzeit seine Geräte kontrollieren und steuern", beschreibt Rudolf Miele das Prinzip. Doch der Einsatz neuester Technik ist für den Unternehmer nur ein Teil der Geschichte. "Die Pflege der Marke über viele Jahrzehnte hinweg gehört für uns zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren. Und ein einmaliges Markenbild ist auf Dauer nur haltbar, wenn die tägliche Handlungsweise und die innere Einstellung der gesamten Mannschaft stimmen", betont der Chef von rund 15.000 Mitarbeitern.

Eigene Mitarbeiter im Kundendienst

Dies gelte in der Produktion ebenso wie im Service: "Weltweit arbeitet der Miele-Kundendienst mit eigenen Mitarbeitern oder umfassend geschulten Fachhändler. Das hat dazu geführt, dass wir auch 2002 - zum elften Mal hintereinander - auf dem ersten Platz des Kundenmonitors Deutschland gelandet sind."

Antje Homburger / DPA
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