Fischerei Öko-Shrimps von der Ostseeküste


Frische Shrimps aus deutschen Landen - angesichts der üblichen Tiefkühl-Garnelen aus Asien oder Amerika ein außergewöhnliches Vorhaben. Aber eine Strander Firma wittert die Marktlücke.

In dem dunkelgrünen kreisrunden Kunststoffbecken sprudelt scheinbar nur Wasser vor sich hin. Doch der 2,50 Meter breite und 2 Meter tiefe Behälter unter dem Dach der kleinen Lagerhalle vor den Toren Kiels birgt einen wertvollen Inhalt: Gut 20.000 Pazifik-Garnelen gedeihen hier prächtig und harren ihrer Zukunft als Delikatesse auf Restauranttellern. Frische Shrimps aus deutschen Landen - angesichts der üblichen Tiefkühl-Garnelen aus Asien oder Amerika ein außergewöhnliches Vorhaben, das die Fischzucht-Experten der Strander Firma BUTT vom Experiment zum großen Geschäft ausbauen wollen.

Gewaltiges Interesse

Die Mitte September erstmals aus den USA importierten Pazifikshrimp-Larven wachsen Betriebsleiter Markus Thon zufolge besser als erwartet heran. "Aus einem halben sind bei einigen Tieren schon neun Zentimeter geworden." Bis zu 23 Zentimeter Länge können sie erreichen, die übliche Verkaufsgröße liegt etwa bei der Hälfte. "Spätestens im März können wir die erste Ernte einfahren", sagt Thon. "Das Interesse ist gewaltig. Bislang hat sich an diese Marktnische aber noch niemand so richtig herangetraut."

Tiere nicht mit Antibiotika belastet

Der prominente Kieler Koch Helmut Zipner ist jedenfalls begeistert von der Aussicht auf frische Riesengarnelen aus der Umgebung. "Meine Kollegen und ich wären Feuer und Flamme", sagt der Spargelschäl-Weltrekordler und Chef der Landeshauskantine. "Für Qualität gebe ich auch gerne ein bisschen mehr aus." Denn anders als bei Lieferungen aus Asien sei dann sicher, dass die Tiere nicht mit Antibiotika oder anderen Chemikalien belastet seien.

Projekt von Landesregierung gefördert

Dafür legen Butt-Firmengründer Gerrit Quantz und sein Partner Thon - beide Meeresbiologen - die Hand ins Feuer. Sie verwenden spezielles Fischfutter. Umweltschäden seien bei ihrer Zuchtmethode anders als in den Haupterzeugerländern ausgeschlossen. Auch deshalb wird das Garnelenprojekt noch bis Mitte 2004 von der Landesregierung gefördert. Zudem haben die Butt-Forscher eines der Hauptprobleme bei der Zucht gelöst: Pazifikshrimps fühlen sich nur in warmem Wasser um die 30 Grad so richtig wohl. In einer normalen Durchlaufanlage müsste das Ostseewasser zu hohen Kosten also ständig aufgeheizt werden.

Neuartiges Kreislaufsystem

"Bei unserem Kreislaufsystem tauschen wir täglich nur bis zu zehn Prozent des Wassers aus", erzählt Thon. Mechanische und biologische Filter sorgen dafür, dass das Wasser dennoch rein bleibt. Diese Technologie gilt als Grundlage der einzigen deutschen Meerwasserkreislaufanlage in Büsum, in der seit vergangenem Jahr in großem Stil Steinbutt gezüchtet wird.

Zweite Produktionsanlage geplant

Auch in Sachen Shrimps streben Quantz und Thon nach und nach größere Dimensionen an. "Wenn alles klappt, können wir die Garnelen bald sogar selbst züchten und auf Larvenimporte verzichten", sagt Thon. Die erste Garnelenfuhre werde "ein paar hundert Kilo" für den Verkauf abwerfen. Derzeit gehe die Delikatesse zum Kilopreis von 40 bis 60 Euro über die Ladentheke. Später soll eine ähnliche Anlage wie in Büsum wesentlich mehr produzieren. "Damit es sich lohnt, müsste das schon im zweistelligen Tonnenbereich liegen. Gespräche mit interessierten Investoren laufen bereits."

Sven Runde DPA

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