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Claus Weselsky: Lokführer ärgern sich über GDL-Chef

Claus Weselsky bekommt für sein harsches Auftreten und seinen kompromisslosen Verhandlungsstil viel Kritik. Und das nicht nur von Gegenspielern. Auch in seiner eigenen Gewerkschaft wird gemurrt.

Der Mann eckt an, auch im eigenen Lager: Claus Weselsky.

Der Mann eckt an, auch im eigenen Lager: Claus Weselsky.

Im Tariftstreit mit der Bahn steht Claus Weselsky aufgrund seiner polarisierenden Äußerungen und seiner harten Linie schon lange in der öffentlichen Kritik. Äußerungen des Chefs der Lokführergewerkschaft GDL wie: "Es ist beeindruckend, Macht zu haben", verärgern jetzt jedoch nicht mehr nur seine Gegner von der Bahn oder der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), sondern auch Mitglieder der eigenen Gewerkschaft.

Auf der Webseite der Initiative für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der GDL (InDemoRe-GDL) kritisiert ihn Manfred Schell hart. Schell ist nicht nur Weselskys Vorgänger bei der GDL. Er zählt auch zu den Gründungsmitgliedern dieser 2012 ins Leben gerufenen Initiative, die sich nach eigenen Angaben dem rechtsstaatlichen Vorgehen der GDL verschrieben hat - einem Vorgehen also, das nach Ansicht der Initiative unter Weselsky verloren gegangen ist. Mit seinem Kurs schädige der GDL-Chef aus niederen Beweggründen seine eigene Gewerkschaft, so Schell. Der aktuelle Tarifstreit richte sich nicht mehr nach den Bedürfnissen der Lokomotivführer. "Er soll vielmehr der große Wurf des GDL-Vorsitzenden nach dem egoistischen Motto werden: Ich will - ich erreiche - ich setzte durch!“

Der ehemalige GDL-Vorsitzende tritt schon länger öffentlich als scharfer Kritiker Weselskys auf. Im vergangenen Jahr gab er seinen Ehrenvorsitz bei der Gewerkschaft ab, nachdem Weselsky zwei Vizevorsitzende wegen eines Streits um einen Privatkredit geschasst hatte. Schell verglich Weselsky daraufhin mit dem syrischen Diktator Baschar al-Assad.

Schelte nicht nur von Schell

Auch andere Vertreter der Demokratie-Initiative innerhalb der GDL kritisieren Weselsky scharf. InDemoRe-GDL-Sprecher Volker Siewke beispielsweise sieht in einem Rücktritt des streitbaren Vorsitzenden der Lokführergewerkschaft den einzigen Ausweg aus dem aktuellen Tarifstreit.

Schells Kritik teilten "zahlreiche Lokführer", wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Auch andere Gewerkschaftsfunktionäre distanzieren sich öffentlich von Weselskys Führungsstil. Verdi-Chef Frank Bsirske beispielsweise beklagt, der Machtkampf zwischen GDL und EVG gehe am Ende zulasten der Bahnkunden.

Machtkampf um Zugbegleiter

Die GDL pocht darauf, neben den Lokführern auch Zugbegleiter und andere Berufsgruppen in Tarifverhandlungen zu vertreten. Bisher war die EVG für diese Berufsgruppen zuständig, jedoch lief der Tarifvertrag, in dem diese Abgrenzung geregelt wurde, im Juni aus.

Weselsky argumentiert damit, die GDL vertrete schon jetzt die Mehrheit dieser Beschäftigten. Diese Ansicht ist jedoch umstritten, und die GDL weigert sich, genaue Zahlen zu nennen. Die EVG bezeichnete dieses Verhalten am Freitag als unverständlich. "Wer behauptet, Mehrheiten zu haben, sich aber der Transparenz verweigert, ist unglaubwürdig", sagte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner. Mit ihrer ablehnenden Haltung bestätige die GDL-Spitze indirekt die Sichtweise der EVG - nämlich dass die von der GDL genannten Zahlen falsch seien.

Bahn und GDL haben sich bisher nicht zu einer möglichen Wiederaufnahme der Verhandlungen geäußert. Die Gewerkschaft hat am Freitag angekündigt, bis zum 2. November nicht zu streiken.

haw
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