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Altersvorsorge: Die Fallstricke der Riester-Rente

Bei der privaten Altersvorsorge ist die Riester-Rente längst ein Renner - schließlich wird sie auch mit üppigen Zuschüssen gefördert. Mögliche Nachteile werden den Versicherten aber oft verschwiegen. stern.de sagt, welche Probleme drohen.

Von Ralf E. Geiling

Bei den meisten Bundesbürgern ist die Botschaft angekommen: Wer nicht rechtzeitig privat vorsorgt, für den könnte es im Alter finster werden. Besonders beliebt ist die Riester-Rente, weil da der Staat noch ordentlich was drauf legt. Das hört sich zunächst gut an. Nicht umsonst können die Mitglieder des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) über elf Millionen abgeschlossene Riester-Verträge für sich verbuchen.

Wer hat da eigentlich noch den Überblick?

Die Auswahl ist riesig: Rund 3700 zertifizierte Produkte erhalten eine Rieser-Förderung. Kein Wunder, dass die Orientierung angesichts dieser vielfältigen Produkt- und Vertragsmerkmale schwerfällt. Hinzu kommt, dass jeder Riester-Sparer gleich mehrere Riester-Verträge abschließen kann - auch wenn die Zulage nur für zwei der Verträge gewährt wird.

Ab dem Beginn des Renteneintritts muss die Riester-Rente dann nachgelagert versteuert werden, so holt sich Vater Staat sein Geld wieder zurück. Doch während dies allseits bekannt ist, droht etlichen Ruheständlern eine andere böse Überraschung: Die gewährte Förderung könnte gleich auf einen Schlag futsch sein. Grund sind einige Regelungen, auf die Versicherungsnehmer oft gar nicht hingewiesen werden.

Das sind die Nachteile

Besonders Hinweise auf das Vorgehen bei Veränderungen der persönlichen Verhältnisse, Vertragskündigung oder Beitragsfreistellung fehlen in vielen Beratungsgesprächen. Auch Probleme im Todes- oder Erbfall oder wenn der Riester-Rentner nach der Beendigung des Erwerblebens seinen ständigen Alterswohnsitz ins Ausland verlegen will, werden noch zu selten angesprochen. Um diese Unklarheiten zu beseitigen, hat stern.de nebenstehend den zweifelsfreien Vorteilen der Riester-Rente nun auch einige Problemfälle gegenüber gestellt.

Darum geht's: Die Zulagen

Seit Jahresbeginn 2008 erhalten alleinstehende Riester-Sparer bei vollem Sparbetrag (vier Prozent des Vorjahres-Einkommens bis zur Beitragsbemessungsgrenze) am Jahresende 154 Euro Höchstzulage auf ihr Riester-Konto gutgeschrieben. Ehepaare, bei denen jeder seinen eigenen Riester-Vertrag abgeschlossen hat, erhalten zusammen 308 Euro Förderung. Wer auch noch kindergeldberechtigte Sprösslinge sein Eigen nennt, dem legt Vater Staat noch einmal 185 Euro pro Kind obendrauf. Dabei gibt es für jeden neuen Erdenbürger, der nach dem 1. 1. 2008 geboren wurde, statt der 185 Euro stolze 300 Euro Zulage.

Für Kinder gibt es mehr

Damit beträgt die staatliche Förderung häufig weit mehr als die Hälfte des jährlichen insgesamt angesammelten Riester-Renten-Kapitals, da der Sparer nur den nach der Förderung verbleibenden Anteil des Sparbetrages selbst aufbringen muss - mindestens 60 Euro jährlich. Außerdem können Aufwendungen für die Riester-Rente am Jahresende als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Für das Jahr 2008 sind bis zu 2100 Euro abzugsfähig.

Auf einen Blick: die Vorteile

  • Staatliche Förderung durch Zuschüsse oder Steuererleichterungen,
  • Garantie der selbst eingezahlten Beiträge bei Auszahlungsbeginn,
  • Kapitalgarantie der eingezahlten Eigenbeiträge bei Fondssparplänen,
  • Transparenz über eingerechnete Kosten vorgeschrieben,
  • geringe Eigenbeteiligung bei niedrigen Einkommen und/oder vielen Kindern,
  • laufende Rentenbezüge ab Auszahlungsbeginn Förderung auch bestimmter Anlagen in betrieblicher Altersversorgung möglich,
  • Hartz IV gesichert,
  • Teilkapitalisierung bei Rentenbeginn,
  • Teilentnahmen zum Immobilienerwerb mit Rückzahlung,
  • künftig volle Entnahme zum Immobilienerwerb auch vor Rentenbeginn,
  • künftig Tilgung von Baudarlehen förderungsfähig,
  • Übertragung auf Ehegatten im Todesfall vor Rentenbeginn möglich,
  • Möglichkeit zum Anbieterwechsel (geringe Wechselgebühren sind möglich).

Problem Anpassung

Weil viele Versicherungsnehmer den jährlichen Antrag für die staatliche Förderung so abschreckend fanden, wurde dies durch die Möglichkeit eines einmaligen "Dauerantrags" vereinfacht. Mittlerweile bieten alle Versicherungsgesellschaften diesen Service an.

Von Nachteil ist, dass nun viele Riester-Verträge nicht mehr angepasst werden, beispielsweise an gesunkene Einkommensverhältnisse oder an einen höheren Zulagenanspruch wegen Familienzuwachs. Viele Sparer bringen daher einen für die maximale Förderung unnötig hohen Eigenbeitrag auf. Im umgekehrten Fall erhalten sie wegen eines zu geringen Eigenbeitrags nicht die maximale Zulage.

Problem Ausland

Die Riester-Förderung wird den Bezugsberechtigten immer dann gewährt, wenn diese ihren Hauptwohnsitz in Deutschland haben. Riester-Rentner oder Wohn-Riester-Begünstigte müssen die Förderung und alle Steuervergünstigungen zurückzahlen, wenn sie Ihren Lebensabend im Ausland verbringen wollen, bzw. erhalten keine "Wohn-Riester-Förderung" wenn sie sich den Alterswohnsitz im Ausland schaffen wollen.

Betroffen wären davon nach jetzigem Stand alle Bundesbürger, die ihren Lebensabend einmal im sonnigen Süden verbringen wollen. Und auch für viele Beschäftigte ausländischer Herkunft, die im Alter zurück in ihre Heimat wollen, könnte dann das bittere Erwachen kommen.

Problem Erbschaft

Im Gegensatz zur gesetzlichen Rentenversicherung und einigen Formen der Betriebsrente bieten Riester-Renten den Hinterbliebenen des Rentners nicht zwangsläufig einen Versorgungsschutz. Nur wenn der Begünstigte in seinem Vertrag eine Zusatzversicherung für Hinterbliebene vereinbart hat, erhalten Ehegatte und Kinder eine Hinterbliebenenrente.

Fiskus verlangt sinen Tribut

Verstirbt der Versicherte während der Ansparphase, erhält der überlebende Ehepartner somit das angesparte Rentenkapital am Stück ausgezahlt, natürlich abzüglich der Kosten des Versicherers. Auch der Fiskus verlangt dann Tribut und holt sich vom Erben die staatliche Förderung zurück und kassiert außerdem Kapitalertrags- und Erbschaftssteuern. Was dann noch bleibt, ist meist nicht der Rede wert.

Verstirbt der Riester-Sparer im Rentenalter (Leistungsphase), dann kassiert die Versicherungsgesellschaft nach Ablauf der vereinbarten Rentengarantiezeit das restliche Guthaben, und die Erben gehen leer aus.

Problem Entgeltumwandlung

"So weit Riester-Verträge in der Entgeltumwandlung eingesetzt werden", erläutert Aktuar Peter Schramm, Sachverständiger für Versicherungsmathematik, aus Diethardt, "ist der Arbeitgeber der Versicherungsnehmer. Der Arbeitnehmer ist nur die ‚versicherte Person’. Mit ihm besteht kein Vertrag, und ihm wird auch kein Vertrag vermittelt. Daher wirken ihm gegenüber nicht die gesetzlichen Regelungen hinsichtlich der Pflichten des Versicherungsvermittlers gegenüber dem Versicherungsnehmer. Verantwortlich ist der Chef, der seinen Mitarbeiter vor Nachteilen schützen muss - worüber dann im Zweifelsfall die Arbeitsgerichte zu befinden haben." Wie realistisch ist es aber, dass der eigene Arbeitgeber sich in der komplexen Renten- und Versicherungsmaterie so gut auskennt, dass er den Mitarbeiter tatsächlich fundiert informieren kann?

Auf einen Blick: die Nachteile

  • Ansparung nur in zertifizierten Verträgen möglich (für Riester-Versicherungen, -Fonds, -Banksparpläne; demnächst auch für Wohn-Riester),
  • bürokratischer Zusatzaufwand zur Erlangung der jährlichen Förderung,
  • Aufwand und Kostennachteile bei Vertragsanpassungen wegen Änderung der Einkommens- und Familienverhältnisse zur Erzielung der maximalen Zulagenförderung mit minimalem Eigenbeitrag,
  • Einschluss wichtiger Zusatzversicherungen (z. B. Berufsunfähigkeitsabsicherung) nicht möglich,
  • bei Kündigung oder Beitragsfreistellung - zumindest in den ersten fünf Jahren - in aller Regel Verlust trotz Zulagenförderung,
  • bei Kündigung vor Rentenbeginn ( z. B. wegen Arbeitslosigkeit ) muss die komplette Förderung zurückgezahlt werden,
  • Vermittlungsprovisionen und Vertragsabschlusskosten werden innerhalb der ersten fünf Jahre komplett mit den Einzahlungen des Riester-Sparers verrechnet und nicht über die gesamte Vertragslaufzeit verteilt abgezogen. Bei vorzeitiger Vertragskündigung bleibt daher dem Versicherten meist nur ein geringer Restwert der bereits eingezahlten Beiträge erhalten. Bei Kündigung oder Beitragsfreistellung - zumindest in den ersten fünf Jahren - in aller Regel Verlust trotz Zulagenförderung,
  • Auszahlung der Leistung nicht vor dem 60. Lebensjahr möglich (wichtig für Frührentner),
  • Niedrige Renditen durch vorgeschriebene Garantiezusagen und hohen Verwaltungsaufwand,
  • eingeschränkte Wahlmöglichkeit bei Auszahlungsbeginn; bis zu 30% Einmalzahlung sowie laufende Rentenbezüge sind erlaubt,
  • Vertragsguthaben ist nicht beleih- oder verpfändbar,
  • Rentenbezüge müssen in voller Höhe versteuert werden,
  • im Erbfall vor Auszahlungsbeginn und Auflösung des Vertrages werden sämtliche Fördermittel zurückgefordert,
  • im Erbfall während der Leistungsphase verbleibt nach der vereinbarten Rentengarantiezeit das Guthaben beim Anbieter,
  • unschädliche Vertragsübertragung des angesparten Guthabens im Todesfall nur auf einen eigenen Vertrag des Ehepartners möglich,
  • durch kalkulatorisch sehr lange Lebenserwartung sind im Mittel weniger Renten zu erwarten, als diese dem Kapital entsprechen – keine oder nur geringe Rendite ab Rentenbeginn,
  • Auszahlung der Leistung nur an in Deutschland uneingeschränkt steuerpflichtige Personen (wichtig für Ausländer),
  • bei Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland muss die komplette Förderung zurückgezahlt werden,
  • Anrechnung auf die sogenannte Grundsicherung,
  • Nettorente (nach Steuern) ist bezogen auf den Nettoaufwand (nach Zulagen- bzw. Steuerförderung) nicht selten geringer als bei ungeförderten flexibleren Anlagen, die im Alter nur mit dem Ertragsanteil versteuert werden,
  • insbesondere bei Männern lohnt sich daher wegen der geschlechtsunabhängig und daher nochmals höherer kalkulierter Lebenserwartung der Riester-Renten ein Vergleich von Nettoaufwand und Nettorenten mit normalen Rentenverträgen,
  • die Rentenhöhen sind bei vielen Verträgen nicht garantiert, sondern richten sich nach den bei Rentenbeginn gültigen Rechnungsgrundlagen/Rentenfaktoren.