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Bankautomaten: Geldabheben bis zu 15-fach überteuert

Das Abheben an fremden Geldautomaten soll nach dem Willen des Bundeskartellamts erheblich billiger werden. Die Behörde dringt auf drastische Gebührensenkungen: Realistisch sind nach Vorstellung des Amtes Kosten von maximal 1 Euro.

Von Nina Luttmer

Nach FTD-Informationen nennt die Behörde in einem Brief an die deutschen Bankenverbände einen Betrag von 30 Cent bis 1 Euro als Orientierung für die künftige Höhe der Gebühren. Dies sei die Spanne für die Kosten, die sich Kreditinstitute eines Automatenverbunds derzeit gegenseitig in Rechnung stellten, heißt es in dem Schreiben. Sparkassen und Volksbanken droht damit ein wichtiger Wettbewerbsvorteil im Privatkundenmarkt wegzubrechen. Diese Institute profitieren am meisten von den enormen Kosten von bis zu 10 Euro, die heute für Fremdabhebungen fällig werden. Denn viele Bankkunden eröffnen ein Konto bei einer Sparkasse, weil diese ein dichtes Automatennetz haben - und sie die hohen Gebühren für Abhebungen an fremden Geldinstituten scheuen.

"Nicht hinnehmbar"

In Deutschland gibt es vier Automatenverbünde. Kunden verschiedener Geldinstitute können innerhalb dieser Gruppen kostenlos abheben. Die Cash Group, zu der etwa die Postbank, die Commerzbank und die Deutsche Bank gehören, kommt auf 9000 Automaten. Cashpool etwa mit der Targobank und der Santander Consumer Bank hat 2500 Automaten. Die Sparkassengruppe liegt mit 25.700 Automaten klar vorn - gefolgt von den Volks- und Raiffeisenbanken mit 19.050. Die Gebühr, die sich die Institute eines Verbunds für Abhebungen gegenseitig in Rechnung stellen, ist das sogenannte Interbankengeld. Dieses sei nach eigenem Bekunden der Bankenverbände "kostenorientiert festgesetzt" worden, heißt es im Brief des Bundeskartellamts. Die Banken hatten dem Bundeskartellamt im Streit über die horrenden Automatengebühren vorgeschlagen, künftig für das Abheben an fremden Geldautomaten maximal 5 Euro zu kassieren. Diesen Vorschlag hat das Kartellamt zurückgewiesen. Der Betrag von 5 Euro liege "um das Fünf- bis 15-Fache über den derzeit innerhalb der Verbünde erhobenen Interbankenentgelten", so die Behörde. Eine solche Diskrepanz sei "nicht hinnehmbar".

Frist bis August

Seit Monaten beäugt das Kartellamt die hohen Automatengebühren misstrauisch. Die Frankfurter Finanzberatung FMH hat berechnet, dass Kunden für das Abheben an fremden Geldautomaten im Schnitt 5,64 Euro zahlen müssen. Die Kosten für die Bank beziffern Experten auf gerade einmal 63 Cent pro Transaktion. Das Bundeskartellamt hat den Geldinstituten eine Frist bis kommenden Monat gesetzt. Der Zentrale Kreditausschuss, in dem die großen deutschen Bankenverbände vereinigt sind, müsse "baldmöglichst, spätestens aber bis Mitte August, überarbeitete Vorschläge für eine kartellrechtlich vertretbare Lösung" vorlegen, heißt es in dem Brief der Wettbewerbshüter. Ansonsten behalte sich die Behörde kartellrechtliche Sanktionen vor.

FTD