Billigbenzin Mineralölbranche beklagt Tank-Tourismus

Ständig neue Höchstpreise für Benzin lassen die Verbraucher das Weite suchen: Nach Beobachtungen des ADAC fahren deutsche Autofahrer für billiges Benzin gerne mal weiter - besonders das Preisgefälle in Luxemburg und Polen lockt.

Die Mineralölbranche stöhnt über die drastische Zunahme des Tank-Tourismus in den Grenzgebieten. So klagt der Deutschland-Chef des Mineralölkonzerns Total, Thierry Pflimlin, in der "Berliner Zeitung" (Mittwochausgabe) über erhebliche Umsatzrückgänge. Nach Beobachtungen des ADAC nehmen Autofahrer für billigeres Benzin zunehmend weitere Strecken in Kauf.

Preisunterschiede bis 15 Cent

Pflimlin sagte: "Schon bisher sind viele Bewohner grenznaher Regionen zum Tanken nach Luxemburg, nach Österreich, nach Polen oder Tschechien gefahren. Durch die hohen Preise hat dies aber noch einmal eine neue Dimension bekommen." Das Ausmaß des Tank-Tourismus lässt sich nach den Worten von ADAC-Sprecher Maximilian Maurer nicht abschätzen. Ausschlaggebend sei der Preis in den Nachbarländern. Bei 10 bis 15 Cent Unterschied pro Liter sei für viele deutsche Autofahrer ein Tank-Trip attraktiv.

Großes Preisgefälle lockt nach Maurers Worten zunehmend Autofahrer aus weiter von der Grenze entfernten Gebieten an. "Je billiger das Benzin, desto größer ist die Wirkung bis ins Hinterland." Nach Luxemburg beispielsweise reisten Tank-Touristen bis aus 30, 40 Kilometer Entfernung an. Im Nachbarland kostet das Benzin laut ADAC 0,95 bis 0,98 Euro pro Liter, Diesel 0,69 Euro. Ähnlich ist laut Maurer die Situation an der Grenze zu Polen. Dort kostet der Liter Diesel rund 0,68 Euro, der Liter Super 0,84 bis 0,88 Euro.

Preisgefälle an Grenzen ausnutzen

In Österreich betragen die Preise den Angaben zufolge 0,92 Euro für Normalbenzin, bis zu 0,99 Euro für Super und 0,80 Euro für Diesel. In der Schweiz und in Liechtenstein kostet ein Liter Diesel 0,95 Euro, Normalbenzin und Super 0,96 beziehungsweise 0,98 Euro. In der Tschechischen Republik ist Super laut ADAC für 0,96 bis 1,06 Euro zu haben, Diesel für 0,83 Euro.

Für einige Tankstellen liegt der Umsatzrückgang laut Pflimlin seit der EU-Osterweiterung bei bis zu einem Drittel. "Wenn man in Polen für die Tankfüllung acht oder zehn Euro weniger zahlt als in Deutschland, überlegt man sich natürlich ganz genau, wo man tankt." Der Total-Chef machte für die Spritpreise in Deutschland vor allem den hohen Steueranteil von über 70 Prozent verantwortlich. "Das Preisgefälle zu den Nachbarstaaten wird immer größer", sagte er. Auch Maurer vom ADAC kritisierte den hohen Steueranteil.

Auf Fahrstil achten

Trotz niedrigerer Benzinpreise in vielen Nachbarländern rät der ADAC Autofahrern, die mögliche Ersparnis genau auszurechnen. "Um nur zu tanken, rentieren sich weite Strecken nicht", gab Maurer zu bedenken. Viele Autofahrer verbänden aber das günstigere Tanken im Ausland mit privaten oder geschäftlichen Terminen. Maurer sagte weiter, die meisten Autofahrer könnten 20 bis 25 Prozent Kraftstoff einsparen - mit vorausschauendem Fahren und dem Verzicht auf starke Beschleunigung und hohe Drehzahlen. Auch viele Tempowechsel kommen den Angaben zufolge letztlich teuer: "Ein Hau-Ruck-Fahrstil vernichtet Energie."

DPA

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