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Börsengang: Traumstart für Premiere-Aktie

Das Debüt des Bezahlsenders Premiere auf dem Frankfurter-Börsenparkett hat alle Erwartungen übertroffen. Die Aktie legte gegenüber dem Ausgabepreis sogar zu.

Premiere-Vorstandschef Georg Kofler war nach dem Börseneinstand des Bezahlsenders den Tränen nahe. "Mein geheimer Wunsch, dass der erste Kurs über 30 Euro liegt, ist in Erfüllung gegangen", sagte Kofler. Die Aktie war mit 30,50 Euro in den Handel gestartet und legte damit gegenüber dem Ausgabepreis von 28 Euro noch zu. Im weiteren Verlauf kletterte sie sogar bis auf 31,48 Euro, bröckelte dann jedoch wieder ab.

Mit einem Emissionsvolumen von 1,179 Milliarden Euro ist Premiere der größte Börsengang in Deutschland seit der Postbank im Juni 2004 gelungen. Die Emission war nach Premiere-Angaben mehr als zwölffach überzeichnet. 30 Prozent der Aktien seien an Privatanleger gegangen, die bevorzugt behandelt worden seien. Mit einem Streubesitz von 51,3 Prozent ist der Münchener Pay-TV-Sender ein heißer Kandidat für die Aufnahme in den Nebenwerteindex MDax. Der Einzug in den Index wäre frühestens im Juni möglich. Die Börsenkapitalisierung von Premiere liegt bei 2,3 Milliarden Euro.

Börsenerlös soll Altlasten beseitigen

"Das ist ein Start, den man sich erträumt. Vor drei Jahren hätte das keiner für möglich gehalten. Wir sind während der Sanierungsphase durch viele Täler marschiert, hatten aber auch unglaubliches Glück", kommentierte Kofler den Börsengang. Der erfolgreiche Sprung auf das Börsenparkett markiert den Abschluss der Sanierung des Bezahlsenders Premiere. Das Unternehmen stand in seiner wechselhaften Geschichte schon öfter kurz vor dem Aus. Mit dem Erlös aus dem Börsengang sollen nun Altlasten beseitigt und ein profitabler Wachstumskurs eingeschlagen werden.

Mit dem Börsengang verringert das Unternehmen, das nach dem Zusammenbruch des Medienimperiums von Leo Kirch mit der Insolvenz gerungen hatte, seine Finanzschulden auf weniger als 100 Millionen von zuvor 370 Millionen Euro. Durch die Ausgabe der Aktien fließen dem Pay-TV-Sender nach eigenen Angaben netto mindestens 308 Millionen Euro zu.

Kofler, ein Retter in der Not

Leo Kirch, der das Bezahlfernsehen in Deutschland gegründet hatte, kann von dem späten Erfolg des Senders nicht mehr profitieren. Der Medienunternehmer hatte 1988 mit dem Teleclub erstmals ein Pay-TV- Programm in Deutschland gestartet. 1990 hoben die Kirch-Gruppe, die Bertelsmann-Tochter UFA und der französische Canal Plus dann den Abo-Sender Premiere aus der Taufe. Am 28. Februar 1991 nahm Premiere den Sendebetrieb auf. In der Folgezeit pumpte Kirch Milliarden in das Projekt. Die hohen Verluste im Bezahlfernsehen waren später einer der Hauptgründe für den Zusammenbruch der Kirch-Gruppe.

Nach der Insolvenz der Muttergesellschaft Kirch-Pay-TV stand die Zukunft von Premiere auf der Kippe. Im Februar 2002 sollte Georg Kofler als neuer Geschäftsführer retten, was zu retten ist. Kofler schaffte es, den Sendebetrieb aufrechtzuerhalten und das Unternehmen für neue Investoren herauszuputzen. Im Februar 2003 übernahm die Investorengruppe Permira 65 Prozent an dem Unternehmen. Die Bayerische Landesbank, die Hypo-Vereinsbank und die österreichische BAWAG wurden als Gläubigerbanken ebenfalls Gesellschafter. Kofler selbst beteiligte sich zunächst zehnProzent und stockte später durch den Erwerb von Permira-Anteilen auf gut 20 Prozent auf.

Für das Jahr 2004 schreibt der Sender erstmals in der 14-jährigen Unternehmensgeschichte operativ schwarze Zahlen. Gleichzeitig fällt mit 3,25 Millionen Abonnenten zum Jahresende erstmals die Drei-Millionen-Marke. 2005 will das Unternehmen beim Umsatz die Milliarden-Grenze überschreiten.

DPA/Reuters / DPA / Reuters