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Deutsche Bank Führung bekräftigt Willen zu "Kulturwandel"


Die Deutsche Bank will mit Fehlern der Vergangenheit aufräumen. Bei der Hauptversammlung wirbt die Doppelspitze um Geduld, doch vielen Aktionären geht der Kurswechsel zu langsam.

Knapp ein Jahr nach ihrem Amtsantritt hat die Doppelspitze der Deutschen Bank ihren Willen zu einem tiefgreifenden Umbau des Konzerns bekräftigt. "Ja, in der Vergangenheit wurden Fehler gemacht. Sie belasten uns materiell und - schlimmer noch - sie belasten unseren guten Ruf", sagte #Link;http://www.stern.de/wirtschaft/geld/juergen-fitschen-90841147t.html;Co-Chef Jürgen Fitschen# am Donnerstag bei der Hauptversammlung in Frankfurt.

Es sei "ein tiefgreifender Kulturwandel notwendig - auch in der Finanzbranche insgesamt", betonte Fitschen. "Es geht nicht darum, ob etwas erlaubt ist. Es geht darum, ob es richtig ist." Der Wandel brauche allerdings Zeit: "Ein umfassender Kulturwandel, wie wir ihn anstreben, kann nicht einfach von oben verordnet werden. Man kann nicht einfach den Hebel umlegen. Ein Kulturwandel muss sich Schritt für Schritt entfalten und sich tief in der Bank festsetzen."

Auch der Investmentbanker Anshu Jain, der das Institut seit Juni 2012 gemeinsam mit Fitschen führt, stellte sich ausdrücklich hinter den "Kulturwandel". "Wir wissen aber auch, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben", sagte der gebürtige Inder in seiner ersten Rede auf Deutsch vor den Aktionären.

Ruf der größten deutschen Bank ist beschädigt

Strittige Zinswetten mit Mittelständlern, eine Verwicklung von Mitarbeitern in die Manipulation des Referenzzinses Libor und Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung beim Handel mit Luftverschmutzungsrechten (CO2-Zertifikate) haben den Ruf der größten deutschen Bank beschädigt. Nichtregierungsorganisationen nutzten die Hauptversammlung erneut zu Kritik an dem Konzern, Jains Rede wurde von einer Handvoll Störern unterbrochen.

Aktionärsschützer halten eine Kursänderung für überfällig. "Wir begrüßen ausdrücklich den eingeleiteten Kulturwandel, wenngleich er aus unserer Sicht reichlich spät, aber nicht zu spät kommt", sagte der Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Klaus Nieding.

Nieding sprach sich dafür aus, Fitschens Vertrag über die Hauptversammlung 2015 hinaus zu verlängern, damit der Niedersachse den "Kulturwandel" unumkehrbar machen könne. Schließlich seien viele der strittigen Geschäfte im Investmentbanking unter Jains Leitung gemacht worden: "Erlauben Sie uns etwas reservierte Skepsis, was den ungeteilten Glauben an ihre Wandlung vom Saulus zum Paulus angeht."

Weiterhin schwieriges Umfeld

Am Universalbankmodell vom weltweiten Kapitalmarktgeschäft bis zu Privatkunden in Deutschland will das Management festhalten. "Unser Ziel ist klar: Wir wollen die führende Universalbank sein, bei der die Kunden im Mittelpunkt stehen", sagte Jain. Der Dax-Konzern will sich weiterhin gegen Pläne wehren, große Banken aufzuspalten.

Trotz eines guten Starts ins Jahr 2013 stellt sich die Deutsche Bank auf eine weiterhin schwieriges Umfeld ein. Mit Blick auf die Feierstimmung an den Börsen sagte Fitschen, es bestehe "das Risiko, dass die fiskalpolitischen Schwierigkeiten in den USA und die Folgen der europäischen Schuldenkrise unterschätzt werden könnten".

Insgesamt sehe die Bank nach turbulenten Zeiten 2013 aber gute Chancen für eine Stabilisierung der Weltkonjunktur. Die vielen neuen Regeln für die Finanzbranche führten allerdings zu "erheblicher Verunsicherung bei Marktteilnehmern und der Realwirtschaft", sagte Fitschen. Den Aktionären stellte der Vorstand künftig wieder höhere Dividenden in Aussicht, in diesem Jahr gibt es 75 Cent je Anteil.

DPA DPA

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