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Einnahmen: Gutbetuchte machen die Nobelinsel Sylt nicht reicher

Auch auf Sylt haben die Dorfstraßen massenhaft Schlaglöcher als spür- und sichtbare Zeichen kommunaler Finanznöte. Der Grund: die vielen "Zweitwohnsitzer" zahlen nur eine geringe Steuer.

Wer meint, den von edlen und teuren privaten Häusern geprägten Sylter Gemeinden gehe es prächtig, der irrt gewaltig. Die dort wohnenden, meist gut betuchten Binnenländer machen die Verwaltungen der Inselorte keineswegs reicher. «Sylt gilt nur in der öffentlichen Meinung als reich», sagt der Bürgermeister von Sylt-Ost, Ingbert Liebing (39).

Gleiche Einnahmenlage wie Restdeutschland

«Unsere Einnahmelage ist von der gleichen negativen Entwicklung geprägt wie bundesweit», klagt der junge Bürgermeister. Seit 1996 ist der CDU-Mann Verwaltungschef und wurde in einer Direktwahl 2002 bestätigt. Liebings Gemeinde umfasst die Dörfer Keitum, Morsum, Archsum und Tinnum. Die 5.620 Einwohner machen gut ein Viertel der gesamten Inselbevölkerung aus. Das Gemeindeparlament hat 19 Mitglieder, davon 9 CDU, 5 SPD, je 2 SSW und Wählergemeinschaft und 1 Grüner. Die Grünen treten am 2. März nicht mehr an.

Zweitwohnsteuer sehr niedrig

Wie auf Sylt auch anderen Orten gibt es in der Streugemeinde «viele Zweitwohnungsbesitzer, deren Einkommen oder Vermögen überdurchschnittlich hoch ist», schätzt Liebing. Diese Einwohnergruppe «zahlt jedoch nur eine Zweitwohnungssteuer, die keineswegs an die Einkommensteuer heranreicht oder im Verhältnis zur Finanzsituation des Eigentümers steht». Es komme daher «von diesem Personenkreis nicht entsprechend viel in den Gemeindekassen an».

Heftiger Rückgang verfügbarer Mittel

Den Sylter Ostdörfern fehlen im Verwaltungshaushalt mit einem Volumen von knapp 8,7 Millionen Euro rund 850.000 Euro. Grund für das Defizit sei nicht falsches Wirtschaften, sondern «die Steuerreform auf Bundesebene, die Konjunkturlage, die zum Zusammenbruch der öffentlichen Steuereinnahmen führte und die Kürzung des kommunalen Finanzausgleichs auf Landesebene», erklärt der Bürgermeister das Dilemma. Gegenüber 1999 seien die verfügbaren Mittel aus Steuern und Zuweisungen um 550.000 Euro zurückgegangen, ein Minus von 20 Prozent. Trotzdem gilt Sylt-Ost aus dem berechnenden Blickwinkel des Landes als «relativ finanzstark» und müsse in diesem Jahr 8.200 Euro in den Ausgleichstopf zahlen.

Grundstücksverkauf soll helfen

Auch mit ihrem Vermögenshaushalt von gut 4,6 Millionen Euro kann die Gemeinde Sylt-Ost keine großen Sprünge machen. Dennoch versucht die Kommune trotz Schieflage und eines äußerst klammen Geldbeutels laut Bürgermeister «alles zu unternehmen, um Zukunftsinvestitionen abzusichern und eine moderne touristische Infrastruktur zu erhalten». Sie leiste erhebliche Beiträge für den Bau der Keitumer Ortsumgehung und an der Erschließung eines größeren Gewerbegebiets auf einem nicht mehr benötigten Flugplatz-Teilstück. Beide Projekte laufen zurzeit. Aus dem Verkauf der Grundstücke werde etwas Geld in die Haushalte von Sylt-Ost und der anderen drei Kommunen fließen, «das eine gewisse Entspannung bringen soll».

Private Investoren sind gefordert

Liebing denkt zur Zeit nicht daran, «Tafelsilber» in Bares einzulösen. So sei der Verkauf des sanierungsbedürftigen Keitumer Schwimmbades «zunächst kein Thema». Einmalige Einnahmen aus Immobilienverkäufen führten, das lehre die Erfahrung, keineswegs langfristig zur Entspannung im Verwaltungshaushalt. Gesucht werde sehr wohl «eine Nachfolgelösung auch unter Einbeziehung privater Investoren».

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