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Energiekosten: Steigender Gaspreis sorgt für Diskussionen

Im Herbst werden die Preise für Erdgas bei vielen Versorgern deutlich ansteigen. Das Bundeskartellamt interessiert nun, warum die Steigerung der Endpreise viel höher ausfällt als die der Bezugskosten.

Die Verbraucher in Deutschland müssen sich in diesem Herbst auf deutlich höhere Gaspreise einstellen. Zahlreiche Gasversorger vom Norden bis Süden Deutschlands wollen ihre Tarife anheben. Das Bundeskartellamt allerdings verlangt von den Gasversorgern zunächst einmal Klarheit, wie sie die geplanten Preiserhöhungen begründen. Es gebe mehrere Ungereimtheiten, sagte die Sprecherin der Behörde, Anja Scheidgen, am Montag in Bonn. Der Bund der Energieverbraucher hat in einer Untersuchung festgestellt, dass die Gaspreise in Deutschland regional Unterschiede bis zu 30 Prozent aufweisen.

Die Gaspreiserhöhungen sind insbesondere eine Folge der rasant gestiegenen Ölpreise. Seit den sechziger Jahren gibt es eine Koppelung des Gaspreises mit den Ölnotierungen. Im Abstand von rund einem halben Jahr folgt der Gaspreis dem des Öls. Mit der "informellen Prüfung" reagiere das Bundeskartellamt auch auf Beschwerden, die darauf zielten, ob die Koppelung von Gas- und Ölpreisen noch zeitgemäß seien.

"Die Bindung im Hinblick auf die Haushaltskunden ist ein Märchen und wird immer nur dann zitiert, wenn es um die Begründung einer Preiserhöhung geht", sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Energieverbraucher (BEV), Aribert Peters, am Montag in einem dpa-Gespräch. "Es gibt keinen automatischen Mechanismus, auf den sich der Verbraucher dann auch bei sinkenden Ölpreisen berufen könnte."

Preiserhöhung von vielen Energieversorgern angekündigt

Nachdem der norddeutsche Energieversorger EWE AG bereits für seine rund 700.000 Kunden zum 1. September einen höheren Gaspreis angekündigt hat - pro Kilowattstunde steigt er um 0,46 auf 3,94 Cent einschließlich Mehrwertsteuer (plus 13,2 Prozent), wollen sich auch zahlreiche andere anschließen. Die Liste reicht von der Erdgas Südbayern, die ebenfalls Anfang September die Preise anhebt, bis zur E.ON Hanse mit 480.000 Gaskunden im Norden, die dies zum 1. Oktober plant, noch ohne das Ausmaß konkret anzugeben.

Auch die Berliner Haushalte müssen im vierten Quartal mit höheren Gaspreisen rechnen. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Preise im 4. Quartal steigen werden", sagte der Sprecher der Berliner Gasag Klaus Haschker. Grund seien die angekündigten Preissteigerungen von 6 bis 8 Prozent bei den Gasproduzenten. In Dresden, Leipzig und Chemnitz hieß es von den Versorgern, ein entsprechender Schritt werde noch geprüft.

Bezugspreise stiegen weniger stark an

Das Bundeskartellamt will insbesondere prüfen, warum die Preissteigerungen für den Verbraucher deutlich höher liegen sollen als der Anstieg der Gasbezugspreise. "Wir wollen uns von den Unternehmen erörtern lassen, wie sie das beurteilen", sagte Scheidgen. Erst danach werde entschieden, ob möglicherweise gegen die Gasversorger ein formelles Verfahren eingeleitet werde.

Der Importpreis für Gas soll im einstelligen Bereich wachsen, sagte Scheidgen. Die geplante Preissteigerung im zweistelligen Prozentbereich würde für den Kunden wesentlich höher ausfallen. "Das ist so nicht nachvollziehbar", sagte Scheidgen. In dem Endkundenpreis seien nicht nur die Rohstoffpreise, sondern auch andere Kosten wie für die Netzdurchleitung enthalten. Die Gaspreise für den Kunden dürften aber nur anteilig steigen. Das Bundeskartellamt will prüfen, ob die Gasversorger im Verdacht stehen, ihre Markt beherrschende Position zu missbrauchen.

Enorme Preisdifferenzen zwischen den Anbietern

Der Bund der Energieverbraucher ermittelte zwischen Oldenburg und Saarbrücken Unterschiede in der Gasrechnung für einen Haushalt von fast 300 Euro. Wie der Verband am Montag in Rheinbreitbach bei Bonn mitteilte, belegten diese extremen Preisunterschiede, dass mit den Gaspreisen etwas nicht stimme. Im Vergleich zum Bundesmittel zögen Gasversorger in einigen Städten wie in Schwerin, Bremen und Augsburg die Preise nach oben.

Versorger in Lübeck, Bonn, Eisenach, Koblenz und Nürnberg machten Gas dagegen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt günstiger. Insgesamt ermittelte der Verband für bundesweit 30 Städte die Gaspreise und veröffentlichte sie im Internet. Nach Angaben der Verbraucherschützer müsse bei der oft kritisierten EWE in Oldenburg berücksichtigt werden, dass sie mit ihren Preisen vor der Erhöhung zum 1. September um 13,5 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt gelegen habe.

Erdgas ist zweitwichtigste Primärenergie in Deutschland

Deutschland verbrauchte im vergangenen Jahr rund 100 Milliarden Kubikmeter Erdgas und lag damit unter den Verbrauchsländern auf Platz vier. Erdgas ist mit einem Anteil von 22,2 Prozent die zweitwichtigste Primärenergie in Deutschland, nach dem Mineralöl (36,7 Prozent). Die Haupt-Lieferländer sind Russland (31 Prozent des Marktes), Norwegen (25 Prozent) und die Niederlande (16 Prozent). Die einheimische Förderung, vor allem aus Niedersachsen, deckt 21 Prozent des deutschen Bedarfs ab.

In Deutschland beliefern derzeit mehr als 700 Versorgungsunternehmen die privaten Haushalte mit Gas. 5 große Unternehmen importieren Erdas, ein Anteil von 60 Prozent soll dabei allein auf E.ON Ruhrgas entfallen. Darüber hinaus gibt es 80 regionale Gasversorger. Eine Preisaufsichtsbehörde, ähnlich wie beim Strom, gibt es auf dem Gasmarkt nicht.

DPA / DPA