Energiepreise Diesel überspringt die 1-Euro-Hürde


Eine psychologisch wichtige Grenze ist überschritten worden: Ein Liter Dieselkraftstoff kostet mehr als einen Euro - erstmals in Deutschland.

Die Autofahrer in Deutschland müssen erstmals einen Euro für einen Liter Dieselkraftstoff bezahlen. Der bundesweite Durchschnittspreis übertraf damit am Donnerstag die bisherige Rekordmarke von 99 Cent aus dem März 2003, teilten Sprecher der Mineralölwirtschaft in Hamburg mit. Der Liter Superbenzin kostet im Durchschnitt 1,20 Euro. Der Automobilclub ACE forderte die Mineralölfirmen auf, die Benzinpreise zu senken. Ähnliche Forderungen hatten bereits der ADAC und der AvD erhoben. Marktexperten erwarten aber auch nach dem Signal der OPEC, kurzfristige Förderreserven mobilisieren zu können, keine nachhaltige Entspannung der Ölpreise.

Die Unternehmen begründeten die Erhöhung der Dieselpreise mit den hohen Einkaufskosten am europäischen Ölmarkt in Rotterdam. Der Preisrückgang für Rohöl von rund drei Prozent vom Mittwochabend hat sich bei den Tankstellenpreisen bislang nicht ausgewirkt. Am Donnerstag zogen die Ölpreise im Tagesverlauf bereits wieder an.

Ölpreise am Mittwoch ins Rutschen geraten

Die Nachricht von freien Förderreserven der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hatte die Ölpreise am Mittwochabend stark ins Rutschen gebracht. Für eine Fördererhöhung könne man kurzfristig auf Kapazitäten von 1,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag zurückgreifen, hieß es von der OPEC. Noch am Vortag hatte OPEC-Präsident Purnomo Yusgiantoro erklärt, dass die OPEC an den Grenzen ihrer Förderkapazität angelangt sei.

Der Rohöl-Preis in London kletterte am Donnerstag nach dem Einbruch am Vorabend zwischenzeitlich wieder über die Marke von 40 Dollar. Der Preis für ein Barrel Rohöl (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im September legte am Mittag um 55 Cent auf 40,25 Dollar zu. Am Vorabend war er nach der OPEC-Meldung von der zuvor erreichten Rekordmarke von 40,99 auf unter 40 Dollar gesunken. Auch die US-Rohölpreise festigten sich am Donnerstagmorgen nach ihrem starken Rückschlag am Vortag wieder etwas. Öl zur Septemberauslieferung legte am New Yorker Warenterminmarkt (Nymex) im elektronischen Handel um 0,75 Prozent auf 43,15 Dollar zu. Der Ölpreis war am Mittwoch um rund drei Prozent auf 42,83 Dollar je Barrel abgesackt.

"Der Markt ist nervös"

"Es gibt eine leichte Entspannung, aber die Nervosität im Markt bleibt", meinte Karl-Heinz Schult-Bornemann von ExxonMobil. Bankanalysten halten nach wie vor einen Preis von 50 Dollar je Barrel (159 Liter) in den nächsten Wochen für möglich. Zur vorübergehenden Beruhigung der Märkte trug auch bei, dass der von Zerschlagung bedrohte russische Ölkonzern Yukos seine laufenden Geschäft fortführen kann. Die russische Justiz hatte gesperrte Yukos- Konten wieder freigegeben. Zudem haben sich die Benzinreserven in den USA überraschend erhöht. Ob diese Nachrichten eine Trendwende bei den Ölpreisen einleiten können, sei fraglich, erklärten Marktbeobachter. Die hohe Nachfrage aus Asien, der Terror im Nahen Osten und der bevorstehende Winter auf der Nordhalbkugel deuteten eher auf ein weiterhin hohes Ölpreisniveau hin.

DPA DPA

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