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EZB senkt Leitzins: 0,15 Prozent - historisches Tief für Zinsen

Finanzexperten hatten es vorausgesagt - nun hat die Europäische Zentralbank den Leitzins auf ein Rekordtief gesenkt. Für Banken wird zudem ein Strafzins fällig, wenn sie ihr Geld bei der EZB parken.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins im Euroraum wie erwartet nochmals von 0,25 Prozent #link;http://www.stern.de/wirtschaft/geld/erwartete-leitzinssenkung-ezb-vor-historischen-entscheidungen-zinsen-ade-2115414.html;auf 0,15 Prozent gesenkt#. Gleichzeitig beschloss der EZB-Rat nach Angaben der Notenbank am Donnerstag in Frankfurt, erstmals einen Strafzins von minus 0,1 Prozent für Bankeinlagen. Zudem kündigte die Notenbank weitere unkonventionelle Schritte an. Details sollten noch am Donnerstag bekanntgegeben werden, sagte ein Sprecher.

Mit dem Maßnahmenpaket reagieren die Währungshüter auf die seit Monaten sehr niedrige Inflation. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und können so die Wirtschaft ankurbeln. Das stärkt in der Regel auch den Preisauftrieb.

Auch der negative Einlagenzins soll die Inflation antreiben: Er soll den Euro schwächen und so Importe verteuern. Zudem sollen Banken dazu gebracht werden, überschüssiges Geld nicht bei der EZB zu parken, sondern Verbrauchern und Unternehmen Kredite zu geben. Diese könnten investieren und so der Konjunktur auf die Sprünge helfen.

Kritik von Bankenvertretern

Bankenvertreter äußerten sich nach der Verkündung Entscheidung kritisch darüber, ob dieser unkonventionelle Schritt der Währungshüter tatsächlich das Kreditgeschäft beleben wird. "Die Folgen des negativen Einlagezinses sind mehr als ungewiss", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer. Es mangele im Eurosystem nicht an Liquidität, es seien eher überschuldete Unternehmen und hohe Kreditrisiken, die in den Krisenländern eine stärkere Kreditvergabe verhinderten. Banken würden daher nun möglicherweise lieber Verluste durch den negativen Einlagenzins in Kauf nehmen, als zu hohe Risiken an anderer Stelle einzugehen.

Im Mai war die Jahresteuerung im Euroraum auf 0,5 Prozent gesunken. Sie liegt damit deutlich unterhalb der Zielmarke der EZB von knapp unter 2,0 Prozent. "Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt", hatte EZB-Präsident Mario Draghi erst in der vergangenen Woche betont.

Denn der geringe Preisauftrieb schürt Sorgen vor einer Deflation, also einer Abwärtsspirale der Preise quer durch alle Warengruppen. Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen und Anschaffungen in Erwartung weiter sinkender Preise hinauszögern. Das würde die ohnehin fragile Konjunkturerholung in Europa abwürgen.

car/DPA/AFP / DPA
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