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Falschgeld: Blüten aus dem Geldautomat?

Die Gefahr, an einem Bankautomaten Falschgeld zu bekommen, nimmt offenbar zu. Zwar sollen diese eigentlich nur mit von der Bundesbank kontrolliertem Geld befüllt werden, aber einige schwarze Schafe umgehen diese Vereinbarung.

Wurde den Konsumenten bei der Euro-Einführung nicht versprochen, das neue Geld sei "praktisch fälschungssicher"? Offenbar nicht, denn die Gefahr, an einem Bankautomaten Falschgeld zu bekommen, nimmt zu. In der Vergangenheit hat es vermehrt Fälle gegeben, in denen Blüten offensichtlich über Geldautomaten in den Umlauf gebracht wurden, erklärte ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamts (LKA). Er bestätigte damit einen Bericht des "Handelsblatts", das über eine zunehmende Falschgeld-Verbreitung über Bankautomaten berichtet hatte.

Vorfälle in Bayern und NRW

So verzeichnete die Polizei in Bayern über zehn Fälle, in denen Blüten offensichtlich aus Geldautomaten kamen. "Die Fälle sind einfach da", sagte LKA-Sprecher Detlef Puchelt. Anscheinend haben die Banken in ihren Bemühungen nachgelassen, das über Geldautomaten verteilte Geld zu überprüfen. Das ist besonders deshalb kritisch, weil Bankkunden, wenn sie die Bank aufsuchen, davon ausgehen, dass sie kein Falschgeld erhalten.

In Nordrhein-Westfalen wurden nach Angaben des LKA in den vergangenen zwei Jahren 26 Fälle registriert, in denen die Blüten offenbar aus Bankautomaten stammten. Im Verhältnis zu der Gesamtzahl der sichergestellten Blüten ist der Anteil des Falschgelds aus Geldautomaten jedoch "verschwindend gering", betonte der Sprecher des LKA Düsseldorf, Frank Scheulen. So wurden alleine in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr knapp 22.400 falsche Euro-Scheine gemeldet. In Hessen gab es nach Angaben von LKA-Sprecher Udo Bühler in den vergangenen zwei Jahren etwa 10 bis 12 Fälle, in denen die Betroffenen glaubhaft versichern konnten, dass ihre Blüten aus dem Geldautomaten stammten. "Das hatten wir bei der D-Mark aber auch."

Berlin: Zehn Fälle pro Jahr

Nach den vorherigen Verdachtsfällen hat nach einem Pressebericht auch das Berliner Landeskriminalamt bestätigt, dass Bankautomaten in der Hauptstadt mit Falschgeld bestückt wurden. Etwa zehnmal jährlich werde in Berlin Falschgeld unter den Scheinen gefunden, die gerade am Bankautomaten gezogen wurden, meinte der Berliner Falschgeld-Experte Jens Bachmann in der "Berliner Zeitung" (Mittwoch).

Bei der Hamburger Sparkasse (Haspa) vertraut man in solchen Fällen auf die Technik. Zum einen sei es unmöglich, dass Falschgeld überhaupt in die Maschinen komme, versichert Haspa-Sprecherin Sigrid Kaiser. Die Bank verwendet ausschließlich Bundesbank-geprüfte Noten. Zum anderen wird jede Transaktion Video-überwacht und auf einem Extra-Drucker protokolliert. Das ist das bekannte Rattern beim Geldabheben. Wer sich darauf nicht verlassen mag, dem bleibt nichts anderes übrig, als die sechs Sicherheitsmerkmale der Euro-Scheine einzeln zu prüfen. Eigentlich unzumutbar, wie Hörmann von der Verbraucherzentrale findet, schließlich sei es die "selbstverständliche Pflicht und Schuldigkeit der Banken, echtes Geld unter das Volk zu bringen", so Hörmann.

Auch wenn das Verhältnis im Vergleich zu gesamtem "Blüten"-Aufkommen verschwindend gering ist, den Kunden schmerzt es trotzdem. Dieser ist nämlich auf die Kulanz der Bank angewiesen, wenn sie die falschen Scheine umtauschen wollen, erklärte der stellvertretende Leiter des Falschgeldkommissariates in Berlin, Jens Bachmann. Die Registriernummern der Scheine werden nicht notiert, deshalb lässt sich kaum feststellen, ob das Geld tatsächlich vom Automaten stammt.

Das Problem mit der Beweislast

"Das grundlegende Problem ist sowieso die Beweislast", sagt der Hamburger Verbraucherschützer Günter Hörmann. Denn die Kunden müssen nachweisen, dass sie die mutmaßlich falschen Scheine wirklich aus dem Automaten gezogen haben. "Damit ihnen das die Bank glaubt, bräuchten sie eigentlich zwei, drei unabhängige Zeugen, die gesehen haben, wie sie diese Noten ausgezahlt bekommen haben", so Hörmann. Ohne Zeugen und Kulanz hat der Kunde Pech gehabt: Falschgeld wird ersatzlos eingezogen. Der Grund ist schmerzhaft, aber schlüssig: Schließlich könnten sonst auch Fälscher ihre Blüten direkt bei Bank oder Polizei "waschen".

Würden Sie Blüten bewusst weitergeben?

Trotzdem gibt es Hoffnung. Wenn ein Bankkunde am Automaten Blüten erhält bekommt, hat er zunächst ein Problem: Er muss nachweisen, dass die Bank Schuld hat - sonst ist sein Geld nichts mehr Wert. Dabei gilt: Je dichter die Beweiskette, desto besser. Das hessische LKA empfiehlt deshalb, gleich zum Bankschalter zu gehen. Ganz wichtig: Hat die Bank zu, sollte der Kunde sofort die Polizei anrufen. Die Zeit des Anrufes wird dann festgehalten und kann mit der Zeit des Geld Abhebens verglichen werden. "Vielleicht reicht das der Bank", hofft LKA-Sprecher Udo Bühler. Der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen rät zudem, sich von der Polizei eine Quittung geben zu lassen. Sollte der Schein nämlich doch echt sein, bekommt der Kunde das Geld zurück.

Fremdfirmen befüllen billiger

Das alles dürfte so nicht passieren, gibt es doch seit Ende der 90er Jahre eine Vereinbarung der Geschäftsbanken, in Geldautomaten nur noch Geld einzusetzen, das von der Bundesbank oder den Landesbanken auf seine Echtheit überprüft wurde. Nach den Worten des Sprechers des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Stefan Marotzke, hat die Kreditwirtschaft ihre Selbstverpflichtung, Geldautomaten nur mit EZB- beziehungsweise bundesbankgeprüftem Geld zu befüllen, 2002 noch einmal erneuert.
"Wir empfehlen unseren Mitgliedern, sich daran zu halten und haben auch keinen Grund daran zu zweifeln, dass sie das auch so machen", sagte er. Hundertprozentig ausschließen, "dass nicht irgendwann einmal ein falscher Schein dazwischen gerät", könne er angesichts der riesigen Geldmenge, die über die Automaten verteilt werde, jedoch nicht.

Die Banken beauftragen nämlich in der Regel fremde Dienstleister mit der Bestückung - auch weil das billiger ist. "Unsere Firmen machen das gewissenhaft", sagte Martin Hildebrandt, Sprecher des Bundesverbandes deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen. "Ich kann aber nicht ausschließen, dass es auch schwarze Schafe in der Branche gibt."

mit Agenturen / DPA