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Feindliche Übernahme: Die Schlacht um Entenhausen hat begonnen

Nur wenige Stunden vor Bekanntgabe der Disney-Quartalszahlen präsentierte Comcast-Chef Brian Roberts sein 66-Milliarden-Dollar-Angebot für Mickey Mouse und Co. und stahl damit Disney-Chef Michael Eisner die Show.

Den Zeitpunkt der Übernahmeofferte für den Disney-Konzern hat Comcast-Chef Brian Roberts geschickt gewählt: Nur wenige Stunden vor Bekanntgabe der Disney-Quartalszahlen präsentierte er am Mittwoch sein 66-Milliarden-Dollar-Angebot für Mickey Mouse und Co. und stahl damit Disney-Chef Michael Eisner die Show. Zwar konnte der wegen seines rauen Führungsstils bekannte Eisner unerwartet gute Zahlen für das letzte Quartal 2004 verkünden, doch steht er seit längerem unter Druck.

Eisner unter Druck

Der 61-Jährige Manager, der seit 20 Jahren an der Spitze des Medienkonzerns mit seinen rund 112.000 Mitarbeitern steht, liegt im Clinch mit den früheren Verwaltungsratsmitgliedern Stanley Gold und Roy Disney, dem Neffen des Firmengründers Walt Disney. So hatte Roy Disney bei seinem Ausscheiden den Rücktritt Eisners gefordert und ihm vorgeworfen das Unternehmen werde als "habgierig, seelenlos und stets auf der Suche nach dem schnellen Dollar" wahrgenommen. Gold und Disney haben bereits angekündigt, die Hauptversammlung des Unternehmens Anfang Mai für eine Generalabrechnung mit Eisner zu nutzen.

Schlechte Nachrichten aus Burbank

Unter Eisners Führung hatte der Disney-Konzern ein rasantes Wachstum verzeichnet: Zu seinem Imperium zählen die 1995 übernommene TV-Gesellschaft ABC, Kabelsender, weltweit zehn Disney-Themenparks, sowie die Filmstudios Miramax und Walt Disney Pictures, die vergangenes Jahr den Erfolgsfilm "Piraten der Karibik" auf den Markt brachten. Mit einem Umsatz von 27,06 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr ist Walt Disney das zweitgrößte Medienunternehmen der Welt. Allerdings häuften sich in der Vergangenheit die schlechten Nachrichten aus kalifornischen Burbank.

"Ich hasse diesen kleinen Menschen"

Kreative Talente wie Jeffrey Katzenberg verließen das Unternehmen - Kritiker sprechen deswegen von einem "Brain Drain" bei Walt Disney. Ein Streit über Katzenbergs Abfindung vor Gericht geriet zur Schlammschlacht, als Eisner einräumte, er könnten über Katzenberg gesagt haben: "Ich hasse diesen kleinen Menschen."

"Findet Nemo" unterschätzt

Jüngste Panne: Die Trickfilmstudios Pixar wollen das Vertriebsabkommen mit Walt Disney nicht verlängern. Dabei spülte gerade der Trickfilm "Findet Nemo" Millionen in die Kassen von Walt Disney. Einige vermuten, dass die Verhandlungen wegen Spannungen zwischen Eisner und Pixar-Chef Steve Jobs scheiterten. So erklärte Jobs unlängst, Eisner habe das Potenzial des Erfolgsfilms "Findet Nemo" unterschätzt.

Vom Familienunternehmen zur Branchenführer

Angreifer Comcast-Chef Brian Roberts gehört dagegen zu den Newcomern in der Medienbranche. Zwar hat sich das Familienunternehmen in den vergangenen Jahrzehnten zum größten amerikanischen Kabel-TV-Betreiber entwickelt, aber erst mit der Übernahme der AT&T-Kabelfernsehsparte vor zwei Jahren wurde die Branche richtig aufmerksam auf das Unternehmen. Comcast erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit rund 67.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 18,35 Milliarden Dollar. Eine Übernahme von Walt Disney würde das Unternehmen mit einem Schlag zum größten Medienkonzern der Welt machen. Der 44-jährige Unternehmenschef hält sich im Gegensatz zu Medienmogulen der Vergangenheit wie Ted Turner oder Jean-Marie Messier von Vivendi Universal eher im Hintergrund und gilt als bescheiden.

Neue Interessenten

Inzwischen scheinen auch andere Konzerne ihr Interesse an Disney entdeckt zu haben. Das "Wall Street Journal" nannte in seiner Onlineausgabe am Donnerstag die InteractiveCorp, Viacom, Time Warner und selbst Microsoft als potenzielle Interessenten. Der australische Medienmogul Rupert Murdoch mit seinem internationalen Medienkonzern News Corp. hat allerdings bereits dankend abgewunken.

Unterstützung für Disney?

Denkbar wäre nach Darstellung der Zeitung ein gemeinsames Angebot von John Malone mit seinem Medienkonzern Liberty Media und von Barry Diller mit seiner InterActiveCorp. Diller stehe Disney-Chef Michael Eisner nahe und könnte als "Weißer Ritter" zu Hilfe eilen. Beide Investoren hätten die Masse und das Geld, um Disney kaufen zu können. Die Firmen nahmen zu den Spekulationen keine Stellung.

Wie verhält sich Microsoft

Eine potenzielle Offerte von Microsoft wäre nach Darstellung der Zeitung ein Schock. Microsoft hat mehr als 50 Milliarden Dollar in der Kasse und ist an Unterhaltung interessiert. Viacom dürfte als Besitzer der großen US-Fernsehfirma CBS Probleme mit den Wettbewerbshütern bekommen, da Disney das konkurrierende TV- Unternehmen ABC kontrolliert. Viacom sei nur an ESPN interessiert und will nach Darstellung der Zeitung kein Angebot machen.

Time Warner hatte lange mit Bilanzproblemen und hohen Schulden zu kämpfen und ist nach der schlecht gelaufenen Hochzeit mit dem Onlineriesen AOL ein gebranntes Kind. Viele große europäische Medienkonzerne sind ebenfalls in schwerem Fahrwasser und dürften deshalb kaum in Frage kommen.

Seth Sutel/AP; DPA / AP / DPA