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Schwanger, krank oder Umzug?: So kommen Sie aus Ihrem Fitnessstudio-Vertrag raus

Keine Lust bei Sommertemperaturen im stickigen Fitnessstudio zu schwitzen? Das reicht als Kündigungsgrund leider nicht aus. Unter bestimmten Voraussetzungen kommen Sie aber vorzeitig aus Ihrem Vertrag heraus. Aboalarm-Chef Bernd Storm van's Gravesande klärt die wichtigsten Fragen.

Fitnessstudio

Fitnessstudio-Verträge kann man nur unter bestimmten Bedingungen kurzfristig kündigen

Zunächst einmal gilt: Vertrag ist Vertrag und dieser muss von beiden Vertragspartnern eingehalten werden. Das gilt auch für Verträge mit dem . Wurde der Vertrag mit einer bestimmten Mindestlaufzeit geschlossen, so läuft er für mindestens diesen Zeitraum. Die meisten Verträge verlängern sich nach diesem Mindestzeitraum automatisch, sofern sie nicht zur vereinbarten Frist - meistens drei Monate im Voraus - gekündigt werden. Doch wie so oft gibt es auch hier Ausnahmen, die eine vorzeitige Sonderkündigung rechtfertigen.

Grundsätzlich kann der Vertrag immer dann außerordentlich gekündigt werden, wenn es zu Problemen oder Störungen im Vertragsverhältnis kommt - also beispielsweise dann, wenn vom Fitnesscenter bestimmte Kurse versprochen wurden, die es aber gar nicht gibt. In diesen Fällen steht dem Fitnesscenter jedoch eine Frist zu, innerhalb der es die bemängelten Aspekte beheben kann.

Bernd Storm van's Gravesande, Gründer und Geschäftsführer des Kündigungsdienstes "aboalarm", berichtet in loser Folge über Ärgernisse und Fallen, vor denen sich Verbraucher in Acht nehmen müssen.

Bernd Storm van's Gravesande, Gründer und Geschäftsführer des Kündigungsdienstes "aboalarm", berichtet in loser Folge über Ärgernisse und Fallen, vor denen sich Verbraucher in Acht nehmen müssen.

Preiserhöhungen, Bauarbeiten, neue Öffnungszeiten

Verstreicht die Frist, ohne dass etwas geändert wurde, gilt das . Eine realistische Frist umfasst laut Rechtsexperten etwa drei bis vier Wochen. Die Frist muss dem Fitnessstudio schriftlich gesetzt und das Problem genau beschrieben werden. In dem Schreiben haben Kunden dann auch direkt die Möglichkeit die außerordentliche Kündigung auszusprechen für den Fall, dass das Problem nach Ablauf der Frist nicht behoben wurde.

Gründe für eine außerordentliche Kündigung mit Fristsetzung sind zum Beispiel: Eine Preiserhöhung, das Studio ist wegen Umbau nicht benutzbar, endlose Bauarbeiten in Nebenbereichen (Dusche, Umkleide, Sauna etc.), geänderte Öffnungszeiten, fehlende Wartung oder Reinigung, der Wegfall von Kursen und Angeboten, die Grund für den Abschluss des Vertrags waren, oder die Umwandlung eines Damenstudios zu einem gemischten Studio.

In bestimmten Situationen können Verbraucher ihre Mitgliedschaft im Fitnessstudio auch ohne Fristsetzung außerordentlich kündigen und so von einem Sonderkündigungsrecht profitieren.

Kündigung bei Umzug

Gerade erst hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass es bei Umzug kein Recht auf außerordentliche Kündigung gibt (Az. XII ZR 62/15). Geklagt hatte ein 36-jähriger Zeitsoldat aus Niedersachsen, der zunächst in Köln und anschließend in Kiel und Rostock stationiert wurde. Die Richter entschieden, dass der Soldat trotz des berufsbedingten Umzuges seinen Fitnessstudio-Vertrag in Hannover weiter zahlen muss.

Bei Fitnessstudios mit kundenfreundlicheren Bedingungen ist das Recht auf Kündigung im Umzugsfall in den AGB geregelt. Eine Anmeldebestätigung der neuen Stadt oder Gemeinde reicht in diesem Fall als Umzugsnachweis aus. Aber auch hier kann es zu Ärger kommen.

Für einen Kunden der Fitnesscenter-Kette FitStar wurde die Erbringung eines Umzugs-Nachweises zum Kampf gegen Windmühlen. Denn das Fitnessstudio wollte ausschließlich die Meldebestätigung oder den neuen Miet- und Arbeitsvertrag akzeptieren. Da der Betroffene als Eigenheimbesitzer weder in einem Mietverhältnis war, noch den Arbeitgeber gewechselt hatte, legte er den Scan des neuen Personalausweises, die Bestätigung der Telekom für den Umzug, die Anmeldung des Hauses beim Abfallwirtschaftsbetrieb sowie den Gehaltszettel seines Arbeitgebers mit der neuen Anschrift vor - doch nichts half.

Erst nach einem dreimonatigen Hin und Her konnte er von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Auch wenn FitStar in diesem Fall keine geltenden Rechte verletzte, so ist das Vorgehen aus Verbrauchersicht ärgerlich und nicht gerade kundenfreundlich (mehr zu dem Fall gibt es im aboalarm-Blog zum Nachlesen).

Kündigung bei Krankheit

Wer ein Sonderkündigungsrecht aufgrund einer Krankheit geltend macht, muss in der Regel ein Attest vorlegen, das bestätigt, dass aufgrund der Krankheit dauerhafter Sport im Fitnessstudio nicht mehr möglich ist. Dies bestätigte der in einem Grundsatzurteil vom 08.02.2012 (Az. XII ZR 42/10).

Doch auch dann stellen sich einige Fitnessstudios bei einer Kündigung wegen Krankheit quer und verweisen auf Zusatzangebote oder andere Geräte oder Kurse, die der Verbraucher ja weiterhin nutzen könne. Diese Argumente sind nicht rechtswirksam - das Studio darf keine Einwendungen gegen den Kündigungsgrund "Krankheit" erheben. 

Erlaubt ist hingegen eine Überprüfung vor Gericht, ob die Krankheit tatsächlich so schwer ist, dass das Training im Fitnessstudio nicht mehr möglich ist. Deshalb empfiehlt es sich, ein möglichst ausführliches ärztliches Attest vorzulegen, in dem die Krankheit und die voraussichtliche Behandlungsdauer aufgeführt wird. Denn so makaber es sein mag: Für eine Sonderkündigung muss die Krankheit über die Vertragsdauer hinausreichen.

Kündigung bei Schwangerschaft

Auch eine Schwangerschaft kann ein Grund für eine vorzeitige Kündigung des Fitnessstudio-Vertrags sein, wie der BGH bestätigte (Az. XII ZR 42/10). Welche Voraussetzungen genau erfüllt sein müssen, ist bislang nicht rechtlich festgelegt. Eine ärztliche Einschätzung in Form eines Attests kann bei der Kündigung helfen. Eine andere Möglichkeit ist es, den Vertrag zu pausieren. In dieser Zeit fallen keine Kosten an - doch Vorsicht, meist wird die Pausenzeit an die Laufzeit des Vertrags angehängt. Daher sollten Verbraucher unbedingt die entsprechenden Klauseln in den AGB prüfen und Vereinbarungen mit dem Fitnessstudio schriftlich festhalten. 

Das Kleingedruckte im Vertrag lesen

Viele Anbieter, wie zum Beispiel Fitness First, bieten Verbrauchern zwar die Möglichkeit, den Vertrag bei Schwangerschaft, Krankheit oder beruflich bedingter Abwesenheit vom Trainingsort oder anderen wichtigen Gründen zu pausieren. Hier fehlen jedoch klare Angaben, wann und unter welchen Umständen das möglich ist.

Verbraucher sind daher gut beraten, sich die Vertragsbedingungen genau anzusehen. Denn ist ein Vertrag erst einmal geschlossen, dann kann er nur zu den vereinbarten Bedingungen gekündigt werden. 

Eines ist jedoch klar: Wer im Sommer lieber im Freien trainiert, der muss frühzeitig den Fitnessstudio-Vertrag entsprechend der Kündigungsfrist kündigen, ansonsten läuft der Vertrag weiter. Denn hier gelten keine Sonderkündigungsrechte. 

Gastautor Bernd Storm van's Gravesande ist Mitgründer und Geschäftsführer des Online-Kündigungsdienstes aboalarm und schreibt für den stern regelmäßig über Verbraucherthemen.

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