HOME

Geldanlage in der Börsenkrise: Auch Sparer ohne Aktien können verlieren

Unter dem Kursrutsch an den Börsen leiden nicht nur Anleger, die Aktien halten. Weitere Geldanlageformen sind betroffen. Vorsicht ist auch bei manchen Versicherern geboten.

Von Tanja Vedder

Weltweit an den Börsen rutschen die Indizes derzeit ins Bodenlose. Viele Sparer fühlen sich nicht betroffen, schließlich haben sie keinerlei Aktien im Besitz. Doch selbst dort, wo nicht offensichtlich der Stempel "Börse" prangt, steckt oft Börse drin.

Wie sieht es beispielsweise mit der Lebensversicherung, der Rentenpolice und dem Riester-Vertrag aus? Um diese Frage zu beantworten, muss man sich einmal die Arbeitsweise der Versicherer anschauen. Denn was tun diese Unternehmen eigentlich, um Geld zu erwirtschaften? Sie stecken es größtenteils in Anleihen und andere risikoarme festverzinsliche Wertpapiere, zumeist im europäischen Raum. Zu dieser "Auf-Nummer-Sicher-Politik" sind sie gesetzlich verpflichtet. Spekulationsgeschäfte sind ihnen deshalb verboten. Aber: Ein kleiner Teil des Geldes darf in Aktien landen – und dort bekommen auch die Versicherer den aktuellen Börsenabsturz zu spüren.

Deutsche Lebensversicherung sicher

In Panik sollten deshalb aber kein Lebens- oder Rentenversicherungskunden verfallen. "Für Lebensversicherungskunden in Deutschland besteht derzeit kein Anlass zur Sorge um ihre private Altersvorsorge", beruhigt Hasso Suliak, Sprecher beim Spitzenband der Versicherer (GdV) in Berlin. Denn als Folge der letzten Finanzkrise haben die deutschen Versicherer ihre Quote gesenkt, mit der sie in Aktien investiert sind. Sie beträgt derzeit 3,3 Prozent – und ist damit also zu klein, um sich gravierend auf den Wert der Police auszuwirken. Tatsache aber ist: Die Anbieter haben wegen der wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihren Kunden in den vergangenen Jahren immer weniger Überschussbeteiligung gutgeschrieben. So lag die durchschnittliche Gesamtverzinsung von Lebensversicherungen laut der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur im Jahr 2010 bei 4,8 Prozent - im Jahr 2003 waren es noch 5,4 Prozent. Und so sinkt auch für den Versicherungskunden die zu erwartende Ausschüttung.

Allein aus diesem Grund den alten Lebensversicherungsvertrag zu kündigen – davon raten selbst Verbraucherschützer ab. "Versicherungskunden bleibt in jedem Fall der Garantiezins", sagt Pamela Bantle von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Dieser im Fachjargon Höchstrechnungszins genannte Zins liegt derzeit bei 2,25 Prozent – so viel Rendite (abzüglich Kosten und Provision) muss der Anbieter seinem Kunden also in jedem Fall gewähren.

Hohe Aktienquote bei britischen Versicherern

Möglicherweise in einen Börsenhinterhalt gerät allerdings, wer Kunde bei einem britischen Versicherer ist. Denn diese Unternehmen wie beispielsweise Standard Life oder Canada Life sind nicht wie die deutschen stark reglementiert, müssen kaum Garantien bieten und haben eine deutlich höhere Aktienquote in ihrem Portfolio. Problematisch kann es auch für all diejenigen Versicherten werden, die eine fondsgebundene Rentenversicherung abgeschlossen haben. Denn der Name ist Programm: Der Versicherer investiert in Fonds, die wiederum nichts anderes tun, als in Aktien zu investieren. Im schlimmsten Fall rutscht die Police damit sogar ins Minus.

Heißt auch: Wer beispielsweise in einen Fonds-Sparplan bei seiner Bank monatlich ein gewisses Sümmchen einzahlt, wird derzeit das Abrutschen der Börsen in seinem Depot deutlich merken. Das gilt natürlich auch für die vermeintlich risikoärmeren Indexfonds (Exchange Traded Funds/ETFs), die bestimmte Indizes wie den Dax nachbilden. Und nicht zu vergessen auch für die nicht insolvenzgeschützten Zertifikate.

Tagesgeld & Co.

Was kaum einer weiß: Indirekt betroffen sind auch Sparer, die ihr Geld auf einem Tagesgeldkonto oder Sparbuch liegen haben. Zwar sind solche Sparformen in der Regel durch sichere, festverzinsliche Wertpapiere abgesichert. Doch jede Bank ist immer auch mehr oder minder stark in Aktien investiert – wirtschaftet sie schlecht, könnte das im Extremfall sogar zur Pleite führen. "Deshalb raten wir immer dazu, auf die Einlagensicherung der Bank zu achten", sagt Pamela Bantle. Gesetzlich ist das Geld auf Giro-, Tages- und Festgeldkonten, auf Sparbüchern, Banksparplänen und Sparbriefen bei deutschen Banken bis zu einer Summe von 100.000 Euro geschützt. Zumindest die deutschen Institute gewähren aber meist noch höhere Garantien für die Einlagen ihrer Sparer.

Themen in diesem Artikel