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Krise an den Aktienmärkten: Dax fällt zu Handelsbeginn

Der Kursrutsch an den Börsen geht weiter. In Asien liegen die Märkte auf breiter Front im Minus. Und auch die europäischen Börsen fielen zu Handelsbeginn allesamt.

Trotz aller Krisengespräche und Stabilisierungsbemühungen auf höchster Ebene hat sich der Kursrutsch der Aktien am Montag an den Börsen in Asien und Europa fortgesetzt. Allerdings blieben Panikverkäufe aus, wie Händler betonten. Mit den neuen Verlusten reagierten die Märkte weiter auf die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA in der Vorwoche.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) an der Börse in Frankfurt am Main verlor in den ersten Handelsminuten ein Prozent auf 6171 Punkte. Der FTSE-100 in London fiel um 1,2 Prozent, der CAC-40 in Paris büßte 0,7 Prozent ein. In Mailand gingen die im FTSE Mib notierten Aktien um gerade einmal 0,1 Prozent zurück. In Madrid hingegen legte der IBEX-35 in den ersten Handelsminuten sogar 0,6 Prozent zu.

Die Europäische Zentralbank (EZB) kaufte zudem fünfjährige italienische und spanische Anleihen. Die Sparpläne Italiens und Spaniens führten in der EZB zu der Einschätzung, dass es "legitim" sei, beiden Ländern zu helfen, sagte der französische Finanzminister François Baroin am Montagmorgen im Radiosender Europe 1.

In Japan schloss der Nikkei-Index für 225 führende Werte mit einem Minus von 2,18 Prozent bei 9098 Punkten. Auch an anderen Finanzplätzen in Asien und der Pazifikregion gingen die Kurse weiter nach unten. In Neuseeland schloss der Aktienmarkt mit einem Minus von 2,8 Prozent auf dem tiefsten Stand seit elf Monaten. In Australien fielen die Kurse sogar auf ein Zwei-Jahres-Tief.

Der Dollar hielt sich zum Euro relativ stabil. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde im frühen Handel in Frankfurt mit 1,4326 US-Dollar gehandelt. Am Freitagabend war der Euro noch mit 1,4282 Dollar aus dem Handel gegangen. Die EZB hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,4155 (Donnerstag: 1,4229) Dollar festgesetzt.

G7 bekennen sich zu Verantwortung für stabile Börsen

Die Finanzminister der sieben stärksten Industrieländer (G7) versuchten nach einer nächtlichen Telefonkonferenz einem weiteren Verfall der Kurse entgegenzuwirken. Die G7 würden bei Bedarf "koordiniert eingreifen", um Liquidität zu sichern und um das Funktionieren der Finanzmärkte zu unterstützen, heißt es unter anderem in einer am Morgen in Tokio verbreiteten gemeinsamen Erklärung. Wie Japans Finanzminister Yoshihiko Noda erklärte, hatte er kurz vor Handelsbeginn an der Tokioter Börse mit seinen Kollegen telefoniert. Die Minister vereinbarten zudem, dass sie in den kommenden Wochen bei Bedarf weitere Stabilisierungsmaßnahmen erörtern wollten.

Für zusätzlichen Zündstoff sorgt die europäische Schuldenkrise, über deren Bewältigung nur knapp drei Wochen nach dem jüngsten Euro-Krisengipfel schon wieder gestritten wird. Die Europäische Zentralbank signalisierte am Sonntagabend den Ankauf von spanischen und italienischen Staatsanleihen. Die EZB wolle ihr Anleihenkaufprogramm "aktiv umsetzten", teilte Präsident Jean-Claude Trichet nach einer Telefonkonferenz des Rats der Notenbank am in Frankfurt mit.

Experte erwartet weitere Herabstufungen der USA

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte am Freitag den USA die Bestnote "AAA" entzogen und die Bonität auf "AA+" abgestuft. Die Agentur begründete dies mit dem jüngsten Schuldenabkommen. Die angepeilten Einsparungen reichten zur Finanzkonsolidierung nicht aus. Außerdem wurde die Berechenbarkeit der US-Politik in Frage gestellt. Die beiden anderen wichtigen US-Ratingagenturen Moody's und Fitch hielten an der Bestnote fest.

Nach Einschätzung des Wirtschaftsprofessors der Universität Bonn und Direktors des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus Zimmermann, drohen den USA weitere Herabstufungen durch Ratingagenturen. "Die Entscheidung der Ratingagentur Standard & Poor's, die Bonität der USA erstmals um eine Stufe auf "AA+" herabzusetzen, ist ein dramatischer Weckruf, dass die USA ihre seit Jahren verschleppten strukturellen Haushaltsprobleme endlich nachhaltig angehen müssen", schreibt Zimmermann am Montag in einem Gastbeitrag für Handelsblatt Online. Der Haushaltskompromiss von vergangener Woche zeige, dass diese Lösung bestenfalls ein Zeitgewinn bis nach der Präsidentenwahl darstellt. "Insoweit erwarte ich weitere Abstufungen, auch von anderen Ratingagenturen."

Trotz Schuldenkrise und schwacher Wirtschaftsentwicklung will US-Finanzminister Timothy Geithner weiter im Amt bleiben. Obama habe Geithner gebeten zu bleiben, "und er begrüßt seine Entscheidung", zitierte die Wirtschaftsagentur Bloomberg das Weiße Haus. Geithner hatte selbst vor Wochen angedeutet, dass er sich nach der Erhöhung der Schuldengrenze aus familiären Gründen zurückziehen könnte.

mad/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters