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Inflation: Antworten auf die wichtigsten Fragen

Noch steigen die Preise moderat. Doch die Sorge vor einer starken Inflation im Euro-Raum wächst. Wird sie zur realen Gefahr für den deutschen Aufschwung? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Die Konjunkturdaten für Deutschland sind blendend: Die Wirtschaft wächst kräftig, die Zahl der Arbeitslosen sinkt kontinuierlich. Die größte Volkswirtschaft der Europäischen Union ist nach der Krise wieder zum EU-Motor geworden. Diskussionen über eine möglicherweise drohende starke Inflation verunsichern derzeit aber die Verbraucher. Werden die Preise, wie bereits vermehrt zu beobachten, weiter kräftig steigen? Wie gefährlich kann die Teuerung werden? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Thema Inflation.

Was bedeutet Inflation eigentlich?

Inflation steht für Geldentwertung. Wenn der Verbraucher für sein Geld weniger Waren und Dienstleistungen kaufen kann, verliert die Währung an Wert. Die Kaufkraft sinkt, die Menschen verlieren einen Teil ihrer realen Ersparnisse. Die Inflation zehrt aber nicht nur Ersparnisse, sondern auch Schulden auf. Das führt insbesondere bei manchen hoch verschuldeten Staaten dazu, dass sie die Geldentwertung nicht unbedingt als großes Problem betrachten. Von Inflation sollte aber nur dann gesprochen werden, wenn die Preise auf längere Zeit auf breiter Front steigen und sich die Teuerungsrate entsprechend längerfristig über der Zwei-Prozent-Marke bewegt.

Wie wird die Inflation berechnet?

Gemessen wird die Inflation oder Teuerung mit einem statistischen "Warenkorb", der gängige Produkte und Dienstleistungen enthält, darunter Ausgaben für Benzin, Miete und Lebensmittel. Dieser Preis-Index wird jeden Monat vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden berechnet. Die jährliche Veränderung ergibt die Inflations- oder Teuerungsrate. In Deutschland lag sie zuletzt bei moderaten 1,1 Prozent, in der Euro-Zone kletterte die Inflationsrate jedoch auf 2,2 Prozent.

Das Gegenteil von Inflation ist Deflation - was passiert in einem solchen Fall?

Bei einer Deflation gehen die Preise über einen längeren Zeitraum permanent zurück. Der Grund dafür ist eine wirtschaftliche Lage, in der das Angebot an Waren und Dienstleistungen größer ist als die Nachfrage. Das Überangebot drückt die Preise, die Verbraucher und Einkäufer halten sich zurück, weil sie einen weiteren Preisverfall erwarten und verstärken damit den Preisdruck. Eine solche Situation kann dann zu einer Abwärtsspirale aus weiter fallenden Preisen und einer schrumpfenden Produktion führen. Diese Eigendynamik kann nach Einschätzung von Ökonomen noch verheerendere Auswirkungen haben als eine Inflation.

In anderen Ländern gibt es Inflationsraten weit im zweistelligen Bereich - wieso gilt sie in Deutschland als Schreckgespenst?

Da sind zum einen die Erfahrungen aus der Krisenzeit der Weimarer Republik, als die Kaufkraft quasi stündlich schrumpfte und Hyperinflation herrschte. Viele Bürger haben im 20. Jahrhundert insgesamt zwei Währungsreformen mitgemacht. "Diese Erfahrungen wurden quasi mit der Muttermilch weitergegeben", wie es Michael Frenkel, Rektor der WHU - Otto Beisheim School of Management, formuliert. Außerdem sparen die Deutschen gern. Rund 4,8 Billionen Euro liegen derzeit auf der hohen Kante. Eine unter Umständen drohende anhaltende Geldentwertung bereitet ihnen daher besondere Sorge.

Muss das Ziel also eine Inflation von null Prozent sein?

Nein, sagt Wissenschaftler Frenkel. Gerade für das Zusammenspiel der einzelnen Teilnehmer in einer Marktwirtschaft sei eine leichte Teuerung notwendig. "Nur so können die Signale richtig abgelesen werden: Was ist knapper geworden, was ist wertvoller geworden." So sieht auch die Europäische Zentralbank (EZB) in einer Inflation von knapp zwei Prozent Preisstabilität.

Woher kommen die aktuellen Sorgen?

Hauptsächlich werden derzeit zwei Ursachen für eine drohende Inflationsgefahr genannt: Rohstoffpreise und die hohe Geldmenge im Markt als Folge der Krisenbewältigung, die in vielen Staaten zu einer ausufernden Staatsverschuldung führte.
Vor allem der außer Rand und Band geratene Rohstoffmarkt werde sich bei der Entwicklung der Verbraucherpreise schon bald bemerkbar machen, warnte beispielsweise der Außenhandelsverband BGA. Eine hohe Inflation sei die Folge. Zahlen des Statistischen Bundesamtes deuten eine solche Entwicklung zumindest schon an: Wegen der Entwicklung der Rohstoffpreise mussten Großhändler 2010 im Schnitt 5,9 Prozent mehr ausgeben - ein Anstieg wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr. Die Großhandelspreise gelten als ein Indikator für die künftige Entwicklung der Verbraucherpreise.

Welchen Ausweg gibt es?

Ein Lösungsvorschlag richtet sich an die Währungshüter der EZB. Sie könnten den seit Mai 2009 auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent verharrenden Leitzins erhöhen und so die Inflation bremsen. Eine Volkswirtschaft wie die deutsche würde damit nach Einschätzung von Ökonom Frenkel vermutlich ohne größere Probleme fertig werden. Für angeschlagene Euroländer mit einer hohen Verschuldung dürfte das bezweifelt werden, denn für sie machen höhere Zinsen die Kapitalbeschaffung auf den Finanzmärkten noch teurer als ohnehin schon. Dennoch sagt Frenkel: "Die Zinswende wird kommen, ganz sicher. Aber bestimmt in Mini-Schritten."

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