Konsumgüter Spekulationen um Beiersdorf nach Ende der Tchibo-Fehde


Das bevorstehende Ende der jahrelangen Familienfehde bei Tchibo hat Spekulationen über eine Übernahme des Kosmetikkonzerns Beiersdorf wieder angeheizt.

Die aus Industriekreisen bekannt gewordenen Rückzugspläne der Tchibo-Anteilseigner Günter Herz und seiner Schwester Daniela wurden am Dienstag an der Börse wie in der Branche als wichtiger Schritt für eine mögliche Mehrheitsübernahme der Hamburger Beiersdorf AG gewertet. Dies beflügelte am Vormittag den Kurs der im MDax für mittelgroße Werte notierten Beiersdorf-Aktie zwischenzeitlich um drei Prozent auf 116 Euro. "Die Einigung der Herz-Familie ist sicher ein Schritt in Richtung einer Übernahme der Allianz-Anteile an Beiersdorf", kommentierte ein Fondsmanager.

Potenzieller Übernahmekandidat

Schon länger gilt Beiersdorf mit einem Jahresumsatz von zuletzt gut 4,7 Milliarden Euro und einem Reingewinn von 290 Millionen Euro im Jahr 2002 als potenzieller Übernahmekandidat. Der Münchener Großaktionär Allianz lässt seit geraumer Zeit die Bereitschaft zum Verkauf seines Pakets von knapp 44 Prozent erkennen. Zweiter Großaktionär ist der nicht börsennotierte Hamburger Kaffeespezialist Tchibo mit gut 30 Prozent, dessen Management den Beiersdorf-Anteil aufstocken möchte. Nach der Übernahme des Darmstädter Kosmetikspezialisten Wella für rund 6,5 Milliarden Euro durch den US-Konsumgüterriesen Procter & Gamble (P&G), der zuvor auch als Interessent für Beiersdorf gehandelt worden war, gilt nun zudem Henkel bei Branchenexperten als möglicher Partner für Beiersdorf.

Dauerstreit blockierte Konzernstrategie

Das Management von Tchibo bemühte sich bislang vergeblich um den Allianz-Anteil an Beiersdorf. Als wesentliches Handikap galt in Konzernkreisen der Dauerzwist in der Familie Herz, deren Mitglieder sich und damit auch das Management blockierten.

Rückzug von Günter Herz und Schwester

Nach Informationen aus Industriekreisen werden sich nun die Anteilseigner Günter Herz und seine Schwester Daniela zurückziehen. Sie halten mit dem Wirtschaftsprüfer Otto Gellert über eine gemeinsame Gesellschaft 39 Prozent an dem Kaffeeröster. Dieses Paket soll den Kreisen zufolge an andere Familienmitglieder gehen. Bislang liegen 51 Prozent der Tchibo Holding AG gebündelt bei den drei Brüdern Michael, Wolfgang und Joachim. Die restlichen zehn Prozent hält die Mutter der Familie, Ingeborg Herz. Tchibo wollte sich auch am Dienstagvormittag nicht zu der Einigung der Eigentümerfamilie äußern. "Kein Kommentar", sagte eine Sprecherin lediglich.

Aktie ein heißer Tipp

Aufgrund der Dauerblockade der Eignerfamilie Herz mutmaßten Branchenexperte, dass der seit Juni amtierende neue Tchibo-Chef Klaus Ammer die Beiersdorf-Pläne möglicherweise aufgeben und nach Alternativen für die künftige Ausrichtung des Kaffeerösters suchen könnte. "Jetzt kommt aber neuer Schwung in die Geschichte", sagte ein Frankfurter Aktienhändler am Dienstag. "Beiersdorf sollte man auf jeden Fall haben. Mittelfristig sind Kurse von 130 bis 140 Euro denkbar."

Tchibo-Kasse gut gefüllt

Finanziell wäre Tchibo nach Einschätzung aus Industriekreisen durchaus in der Lage den Allianz-Anteil am Nivea-Hersteller zu übernehmen. Allein aus dem Verkauf des Zigarettenkonzerns Reemtsma im vorigen Jahr an die britische Imperial Tobacco verfügt Tchibo über rund fünf Milliarden Euro, die bislang nicht wieder investiert wurden.


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