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Kosmetik: Gericht soll Wella-Wert bestimmen

Der Wert des Darmstädter Kosmetik-Konzerns Wella soll jetzt vor Gericht geklärt werden. Grund für das Verfahren ist, dass sich Aktionärsvertreter im Vergleich zu Vorzugsaktionären ungleich behandelt fühlen.

Der Wert des Darmstädter Kosmetik-Konzerns Wella soll jetzt vor Gericht geklärt werden. Aktionärsvertreter kündigten am Dienstag bei der Hauptversammlung in Frankfurt am Main ein entsprechendes Verfahren an. Sie wehren sich damit gegen das Übernahmeangebot des US-Konzerns Procter & Gamble (P&G), der bereits 80 Prozent des Haarspezialisten aufgekauft hat.

Gegen Ungleichbehandlung

Bei dem Geschäft seien die Vorzugsaktionäre ungleich behandelt worden, kritisierte Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK): "Deshalb werden wir die Angemessenheit des Angebots vor Gericht feststellen lassen." P&G hatte für die stimmberechtigten Stammaktien, die sich mehrheitlich im Familienbesitz befanden, im vergangenen Jahr 92,25 Euro pro Stück bezahlt, für die Vorzugsaktie dagegen nur 65 Euro.

Zu diesem Preis hatten rund 44 Prozent der Vorzugsaktionäre verkauft, unter anderem auch die Firma Henkel. Mehrere Investment- und Hedge-Fonds protestierten jedoch gegen die Ungleichbehandlung und reichten Klagen ein. Nach Ablauf der Selbstverpflichtung, die bereits ausgezahlten Aktionäre an einem besseren Angebot zu beteiligen, erhöhte P&G auf 72,86 Euro. Dies wurde von Fonds-Sprechern erneut als zu niedrig abgelehnt. Sie erwarten einen Preis von mehr als 90 Euro.

"Schnäppchenpreis" für Wella

Horst Schlüchter von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) warf P&G vor, sich Wella für einen "Schnäppchenpreis" einverleiben zu wollen. Paul Polmann, Präsident des Westeuropa-Geschäfts bei P&G, verteidigte das Angebot dagegen als "fair" und warf den unzufriedenen Minderheitsaktionären erneut vor, nicht im Interesse Wellas zu handeln, sondern nur mehr Geld herausschlagen zu wollen.

Wie viel Wella wert ist, wird vermutlich erst in fünf bis sieben Jahren feststehen - so lange dauert ein Spruchstellenverfahren im Durchschnitt. Der ursprünglich gedachte Kaufpreis von 6,5 Milliarden Euro wird nicht zu halten sein. Bereits die jetzt zugestandene Erhöhung von 7,8 Euro pro Vorzugsaktie schlägt mit mehr als 100 Millionen Euro zu Buche. Am Ende könnte der Kaufpreis bei 7 Milliarden Euro liegen. "Bis das feststeht, interessiert die Summe bei P&G niemanden mehr", kommentierte Fonds-Rechtsanwalt Josef Broich. Die zeitliche Verzögerung käme den US-Managern durchaus gelegen.

Neue Zeitrechnung, neues Ergebnis

Auf der Hauptversammlung kündigte Wella-Vorstandschef Heiner Gürtler für das laufende, umgestellte Geschäftsjahr 2003/04 (30. Juni) einen Umsatzrückgang auf gut drei Milliarden Euro an. Beim Ergebnis vor Zinsen (EBIT) sei mit einem Wert von 328 Millionen Euro zu rechnen. Im vergangenen Vergleichszeitraum lag der Umsatz bei rund 3,33 Milliarden Euro und das EBIT bei 310 Millionen Euro. Die Darmstädter Wella AG rechnet ihr Geschäftsjahr im Zuge der Übernahme durch den US-Konzern Procter & Gamble (P&G) in einem neuen Zeitraum. Bisher war es identisch mit dem Kalenderjahr.

Den erwarteten Umsatzrückgang begründete Gürtler mit dem Wegfall der Erlöse aus dem Geschäftsfeld Consumer. Der mit P&G geschlossene Lizenzvertrag sehe vor, dass die Verkaufserlöse aus dem Vertrieb der Haarpflege- und Kosmetikprodukte an P&G übertragen werden. Im Gegenzug erhält Wella eine Lizenzgebühr. Für das Geschäftsjahr 2004/05 erwartet Wella ein EBIT von 331 Millionen Euro und für das darauf folgende Jahr von 360 Millionen Euro.

DPA