HOME

Erbkultur in Deutschland: Wenn das Erbe zum Krieg zwischen Geschwistern führt

Nie zuvor wurde in Deutschland so viel Vermögen weitergegeben, nie zuvor gab es in den Familien so viel Streit. Wie lässt sich das verhindern? Möglicherweise nur mit einer neuen Erbkultur. Der stern erzählt an mehreren Beispielen die Geschichte von Erben.

Streit ums Erbe endet nicht selten vor Gericht

Um jedes fünfte Erbe wird in Deutschland vor Gericht gestritten

Es waren zwei Schwestern. Laut und bestimmt die ältere, schüchtern und still die jüngere. Die ältere brachte gute Zensuren nach Hause, die jüngere mühte sich ab. Die ältere war die Kluge, die jüngere die Liebe. Bis die Eltern tot sind. Da will Eva Holz* , die Jüngere, plötzlich nicht mehr lieb sein. Jetzt wird sie sich durchsetzen. Endlich. Ihre Schwester Julia* möchte das gemeinsame Erbe ruck, zuck aufteilen, sie ist mal wieder schneller. Das Elternhaus will sie verkaufen: "Keine von uns hat Zeit, sich darum zu kümmern." Eva Holz bremst sie aus: "Nur über meine Leiche. Wie kannst du dieses Haus verkaufen, an dem so viele Erinnerungen hängen?" "Du lebst in der Vergangenheit!", schimpft Julia Holz. "Immer soll ich alles organisieren, du meckerst nur!" 

Von den Kakaotassen, aus denen sie als Kinder getrunken hatten, ist eine zerbrochen. "Ich will die heile", sagen jetzt beide. Die Scherben der Erben: Lieber würden sie die zweite Tasse auch noch entzweischlagen, als das seine der beiden einen Vorteil hat. Wenn Erben streiten, geht es ums Geld, das auch. Aber vor allem um lange vergrabene Gefühle, um Enttäuschung, Neid, Trotz – und die ewige Sehnsucht von Kindern nach der Liebe und Anerkennung ihrer Eltern. Also wird um die letzte Kakaotasse gekämpft – und letztlich um die Frage: Was bin ich wert? 

Superreiche Erben unter 40: Sie sind jung und erbten Milliarden
Hugh Grosvenor

Hugh Grosvenor, Duke of Westminster: Der 25-jährige Patenonkel von Prinz George ist der Haupterbe des kürzlich verstorbenen Gerald Cavendish Grosvenor. Geschätztes Erbe: rund 10 Milliarden Euro.

Jede fünfte Erbschaft endet im Streit

Fast jede fünfte Erbschaft endet im Zwist, so eine Umfrage des Instituts Allensbach. Auseinandersetzungen landen viel häufiger vor Gericht als früher, berichten Juristen. Eine wachsende Zahl von spezialisierten Anwälten, Finanzberatern und Konfliktmediatoren kümmert sich um die Sorgen derer, die erben oder vererben wollen.

Nie zuvor gab es so viele alte Menschen in Deutschland, nie zuvor hatten sie so wenig Nachkommen,nie zuvor waren sie so reich. Rund drei Billionen Euro werden im nächsten Jahrzehnt vererbt, so das Deutsche Institut für Altersvorsorge. Die Wirtschaftswunder-Generation hat geschafft und gebaut und gespart. Nun gibt sie ihr Vermögen an Kinder und Enkel weiter – an die sogenannte Erbengeneration.

In Umfragen sagen ältere Menschen, dass sie mit ihrem Erbe in erster Linie ihren Nachkommen eine Freude machen wollen. Sie möchten ihnen nicht nur ihre Sommersprossen und ihre O-Beine weitergeben, ihre Liebe zur Natur und den Sauberkeitsfimmel, sondern auch ihr Hab und Gut. Oft aber hinterlassen sie Unfrieden.

Erben mit Magenschmerzen und Schlaflosigkeit

Der stern hat mit Dutzenden Erben gesprochen. Fast alle lehnten es ab, dass ihre richtigen Namen öffentlich genannt werden – vor allem, um nicht noch mehr Zwietracht zu säen. Sie berichten vom Verlust von Vertrauen, das zuallererst. Von Magenschmerzen und Schlaflosigkeit. Von Anwaltskosten, die längst die Erbsumme übersteigen. Von zerrissenen Familien, oft über Generationen hinweg. Freundliche Menschen klingen plötzlich schrill: "Loserin, nichtsnutziges Weib, die kann nichts, nur erben!"

Lässt sich der Streit ums Erbe verhindern? Wie teilt man fair, wer kriegt was? Sollen Kinder gleich behandelt werden – auch wenn sie unterschiedlich sind?Ist das überhaupt möglich: gerecht vererben? Ein Architekt aus Bayern dachte, er mache alles richtig: Schon gegen Ende seines Berufslebens schenkte er jeder seiner beiden Töchter ein Haus, jedes in einem Vorort von München. Wie konnte erahnen, dass das eine Haus im Speckgürtel nun, 20 Jahre später, fast eine Million wert ist, während das andere mittlerweile in der Einflugschneise des erweiterten Flughafens liegt und so gut wie unverkäuflich ist?

Gerecht zu vererben, ist fast unmöglich

Die benachteiligte Tochter, befeuert von ihrem Ehemann, macht nun Druck: Beide Häuser müssten verkauft, der Erlös geteilt werden. Nur dumm, dass ihre Schwester das wertvollere Haus selbst bewohnt und dann ausziehen müsste, mit Sack und Pack und drei Kindern. "Ich habe alles falsch gemacht" , stöhnt der Vater – und sehnt sich zurück nach der Zeit, als sein Vater, ein Landwirt, das Erbe aufteilte: Es gab nur einen Hoferben. Die restlichen Geschwister durften und mussten hinaus in die Welt. Nie wurde diese Ordnung hinterfragt. Heute fordern in den meisten Familien Nesthäkchen ihren Anteil genauso wie Erstgeborene.

Erben und Enterben: Die zwölf wichtigsten Tipps für das Testament
Wer erbt, wenn es kein Testament gibt?

Die "gesetzliche Erbfolge" tritt immer dann ein, wenn der Verstorbene keine Regelung getroffen hat.
Sie orientiert sich an den Versorgungsansprüchen: Zuerst erben Ehe- oder eingetragene Lebenspartner und Kinder, erst danach die Enkel. Diese bezeichnet man als die Erben erster Ordnung (siehe Grafik Seite 76). Beispiel: Ein Ehepaar mit zwei Kindern hat ein gemeinsames Vermögen von 80.000 Euro. Der Mann stirbt. Sein Anteil Vermögen beträgt 40 000 Euro. Davon erbt seine Frau die Hälfte, also 20.000 Euro. Die Kinder teilen sich die andere Hälfte und erhalten je 10.000 Euro. Sollte auch ein Kind bereits verstorben sein, so erben dessen Nachkommen, also die Enkel. Bei zwei Enkelkindern würde jedes 5000 Euro erhalten.

stern-online

Töchter werden mittlerweile beim Erben genauso bedacht wie Söhne, zeigen Studien. Uneheliche Kinder sind vor dem Gesetz ehelichen gleichgestellt. Erbrechtsexperten zeichnen oft verschlungene Stammbäume, um zu verbildlichen, wer noch alles mitbeteiligt sein kann. Es gibt Patchwork-Familien mit leiblichen und angeheirateten Kindern, schwule und lesbische Paare mit adoptierten Kindern,internationale Ehen und Drittehen. In wild zusammengewürfelten Erbengemeinschaften treffen Nichten auf Nachbarn und der Tierschutzverein auf den Kinderschutzbund. Juristen drücken es so aus: Die Zahl der "Erbkonkurrenten" wird größer.

Ein Erbe wie aus einem schlechten Roman

Die drei Brüder Christoph, Kai und Dirk Hoppe (*Namen von der Red geändert) hätten nie gedacht, dass ihr 81-jähriger Vater Hans*sich nach dem Tod ihrer Mutter noch einmal verlieben könnte. Dann trifft der Witwer beim Tanzen Ilse Kirsch*, 64 Jahre jung. Die Geschichte, die dann beginnt, erinnert an einen schlechten Film. Hans Hoppe schwärmt nur noch von der "schönen Ilse". In den Augen der Söhne ist die spät erblondete Frau weniger schön: "Sie war ganz anders als Mama, hektisch und kalt. Im String-Tanga sonnte sie sich auf dem Balkon unseres Elternhauses.“

Hans und Ilse machen Urlaub im Ferienhäuschen der Familie, doch der neuen Frau gefällt es dort nicht – da verkauft der Vater heimlich die Hütte. Als die Söhne ihn zur Rede stellen, bricht er den Kontakt ab. Einige Monate später werden sie von den Nachbarn ihres Vaters alarmiert: Ein Notarzt habe Hans Hoppe abgeholt. Nach dem Tod des Vaters ein paar Tage später erfahren die Kinder: Hans hat Ilse inzwischen geheiratet und sie zur Alleinerbin eingesetzt. Den Söhnen bleibt nur der Pflichtteil. Da ist ihr Vater schon begraben, zur Beerdigung wurden sie nicht eingeladen. Dirk Hoppes Stimme zittert,wenn er von der Stiefmutter spricht: "Die hat sich in Papas Leben gedrängt! Abschotten, abhängig machen, aussaugen." In seinem Elternhaus wohnt jetzt die schöne Ilse.

Kai Jonas, Psychologe an der Universität Amsterdam, berät Erblasser und Erben und schult Anwälte und Steuerberater zum Thema "Konfliktfrei vererben". Zusammen mit seinem Vater hat der Bayer einen Ratgeber dazu geschrieben. Der Fall der Familie Hoppe sei sicherlich extrem, sagt er. "Aber selbst hier wäre die Situation vielleicht nicht eskaliert, wenn in guten Zeiten darüber gesprochen worden wäre, was passiert, wenn ein Elternteil eine neue Beziehung eingeht.“


Den Deutschen fehlt eine Erbkultur

Muss man denn alles im Leben vorplanen, soll man mit zwei kerngesunden Eltern wirklich darüber reden, was wäre, wenn? Diese Frage findet Kai Jonas "typisch deutsch": "Wir haben nach zwei Weltkriegen, Inflation und Enteignung keine Erbkultur." In den Niederlanden sei es normal, schon mit 30 ans Testament zudenken und es alle paar Jahre zu aktualisieren, wenn sich die Lebenssituation von Erblassern und Erben änderten. "Der letzte Wille", so Jonas, "ist kein Monolog, sondern ein jahrelanger Dialog."

Als über Lars Obermanns Erbe entschieden wurde, konnte er noch gar nicht sprechen. Er war kaum geboren und als Junge identifiziert, da rief sein Vater: "Der Thronfolger ist da!" Das Königreich ist das Familienunternehmen: Mit Pferdefuhrwerktransporten hatte der Urgroßvater vor mehr als 120 Jahren angefangen. Heute leitet Lars Obermann einen Logistikbetrieb mit über 300 Mitarbeitern. "Ich bin der Vierte", sagt Lars Obermann freundlich. Der 48-jährige Firmenchef bleibt auch freundlich, wenn sein Vater, mittlerweile 82, ihm immer noch fast jeden Tag im Betrieb über die Schulter schaut.

Sonderfall Unternehmenserben

Bei Unternehmenserben geht es nicht um Geld oder Sammeltassen – sondern um Verantwortung für Mitarbeiter und die Qualität von Produkten. Trotzdem hat etwa jeder vierte Familienunternehmer die Nachfolge noch nicht geregelt. Für Lars Obermann ist es "ein kleines Wunder", dass die dynastische Betriebsübergabe so gut geklappt hat: "Das Risiko, dass ich ’ne Pfeife bin, war immer da." Er selbst möchte seinen vier Söhnen nicht die Thronfolge vorgeben wie sein Vater, schon gar nicht will er sie gegeneinander ausspielen wie sein Großvater: "Der hatte fünf Söhne und änderte alle paar Monate sein Testament."  Einer seiner Söhne studiert Logistik, vielleicht hat der später Lust, ihm nachzufolgen. Eins sei klar: "Nur Sohn sein reicht nicht. Auf seinem Erbe ausruhen kann sich hier keiner."

Das Erbe als Komfortzone, als Sicherheitsnetz – bei immer mehr Menschen funktioniert das durchaus. Denn nicht mehr nur Bildung, Beruf und Einkommen entscheiden über Armut und Reichtum. Sondern zunehmend auch die Frage: "Bist du Erbe oder nicht?" Jens Beckert, Direktor des Max-Planck-Institutsfür Gesellschaftsforschung, sagt: "Mindestens ein Drittel des Privatvermögens lässt sich inzwischen auf den leistungsfreien Erhalt durch Erbschaft zurückführen."

Die Hälfte der Deutschen erbt nichts - oder Schulden

Das Schlagwort von der neuen deutschen "Erbengesellschaft" stimmt dabei nur zum Teil: Zwar gibt es in der gesamten Mittelschicht mehr zu verteilen. Doch die Hälfte der Deutschen wird gar nichts erben– oder Schulden. Nur etwa zwei Prozent bekommen über eine halbe Million. Von den 100 reichsten Deutschen sind mittlerweile rund zwei Drittel Erben – die Nachkommen bekannter Familiendynastien,die Schaefflers, Ottos oder Porsches. Erbschaften schreiben die Ungleichheit in der Gesellschaft fort: Wer hat, dem wird gegeben.

Höhere Erbschaftssteuern seien in Deutschland nicht durchsetzbar, beteuern Politiker fast aller Parteien. Beim Thema Erben gelte: alles meins, alles den Meinen. Aber das dann möglichst gerecht aufgeteilt. "Gerechtigkeit gibt’s nur in der Hölle", bemerkt dazu trocken der Hamburger Notar Peter Rawert. Der 57-Jährige sieht sich als "Katastrophenvorsorger und Streitvermeider". Er sagt: "Es ist ein Irrglaube,dass man Kinder gleich behandeln könne. Es funktioniert fast nie." Es gibt auch Eltern, die führen Buch über jedes Geschenk. Wenn sie das Haus eines Kindes mitrenovieren, wird jede Fliese, jede Arbeitsstunde protokolliert – und später vom Erbteil abgezogen. Soll man alles aufrechnen?

Das eine Kind lebt in Australien und spart das ganze Jahr, um Weihnachten zu Besuch zu kommen. Das andere trinkt jede Woche Kaffee mit der Mutter und schiebt später ihren Rollstuhl. Hat eins der Kinder mehr verdient? Das eine Kind wird sein Geld wohl in Bücher und guten Wein investieren, das andere plant eine Schönheitsoperation. Steht es den Eltern zu, das zu bewerten? Psychologe Kai Jonas erlebt Eltern, die mit dem Erbe belohnen und bestrafen wollen: "Ich nenne das verspäteten Taschengeldentzug. Es ist doch todtraurig, wenn ein Kind weniger erben soll, weil es etwa sein Studium abgebrochen hat oder kinderlos geblieben ist." Trotzdem sagt auch Jonas: "Es kann sinnvoll sein, ungleich zu vererben." Wenn sich alle Familienmitglieder zusammensetzen und gemeinsam beschließen: Eine Schwester soll mehr erben, weil sie deutlich weniger verdient oder,schlimmer, chronisch erkrankt ist, dann werden danach alle mit der Lösung leben können. Weil gleich eben oft nicht gerecht ist.

Oma ihr Häuschen versaufen? Wie wir mit dem Erbe umgehen.

Kai Jonas wollte wissen, ob es für Erben einen Unterschied macht, vom wem das Geld kommt und wie es erworben wurde. Er füllte 100 Gramm bunte Schokonüsse in einen Becher, sie standen für 100.000 Euro. Mit verschiedenen Probanden machte er sein "M & M-Experiment": Mal kamen die 100.000 Euro angeblich von den Eltern, mal von einer Tante aus Amerika. Man konnte Schokonüsse riskant anlegen – und seinen Einsatz dabei entweder verdoppeln oder ganz verlieren.

Die Versuchspersonen gingen mit dem Geld der Eltern viel vorsichtiger um als mit dem der unbekannten Tante. Als man ihnen jedoch erzählte, die Tante habe mühsam gespart und ihr Lebtag löchrige Socken getragen,wurden sie auch hier vorsichtiger. Jonas’ Fazit: "Je näher Menschen dem Erblasser standen und jemehr Respekt sie vor seiner Lebensleistung haben, desto behutsamer werden sie sein Erbe verwalten."  Kai Jonas erzählt das verunsicherten Eltern in seinen Beratungen. Umgekehrt gelte: "Wenn wir den Erblasser kaum kannten, wird das Erbe eher behandelt wie ein Lottogewinn. "So war es bei Ida Brandt" .

Die 70-Jährige erhielt ein Schreiben vom Nachlassgericht: Sie sei die legitime Erbin einer entfernten Cousine. Ida Brandt erinnerte sich kaum an die Frau, sie hatte sie zuletzt bei ihrer Firmung gesehen. Sie googelte weitere Verwandte. Zum Notartermin erschien schließlich ein ganzer Pulk älterer Damen und Herren. Zusammen machten sie von dem Geld eine Kreuzfahrt. Ida Brandt sagt: "Jeden Abend stießen wir an:  Auf die unbekannte Cousine!" Die Unbefangenheit beim Umgang mit dem Erbe, von der Ida Brandt erzählt, sie wirkt wohltuend nach all den tragischen Geschichten von Kampf und Krampf und letzter Abrechnung.

Gute Erben lassen los

Vielleicht hilft auch das beim Erben: sich nie drauf verlassen, dass man mal erbt. Locker bleiben. Loslassen können. Manchmal gibt es diesen einen Moment, und man kann neu beginnen. Die Schwestern Julia und Eva Holz, die Kluge und die Liebe, hatten sich schließlich so verhakt beim Kampf um Kakaotasse und Elternhaus, dass sie Rat bei Birgit Johannsen suchten.

Die Hamburger Anwältin, die als Mediatorin in Erbstreitigkeiten vermittelt, testet meist erst einmal die "Konfliktschärfe"bei ihren Klienten: „Setzen die sich noch nebeneinander oder stürmt einer aufs Sofa und der andere muss auf den Stuhl?“  Die beiden Schwestern setzen sich so weit weg voneinander wie möglich. Beim Sprechen sehen sie sich nicht an.


"Zu mir kommen die Leute fast immer zu spät" , sagt Birgit Johannsen, "wenn der, um dessen letzten Willen es geht, verstorben ist." Dann wird darüber gestritten, was welches Wort im Testament genau bedeuten könnte und wen die Tote wohl mehr geliebt habe. In besonders kritischen Fällen spielt Birgit Johannsen die tote Oma, schaut sorgenvoll, und oft denken die Erben dann: Dass wir hier so zerrupft miteinander sitzen, das hätte Oma nicht gewollt. Die Schwestern kämpfen sich voran. Sie lassen einander ausreden. Sie gehen durchs Elternhaus und teilen auf. Die Kakaotasse bekommt Julia Holz, dafür erhält Eva das Nudelholz, das ihre Oma bei der Flucht aus dem heutigen Tschechien rettete. Die Ivan-Rebroff-Platte und den Fuchskragen mitsamt Füßen und Krallen kauft hoffentlich jemand bei Ebay. "Mein Kampf" und die Militaria lassen sie erstmal im Keller. Bei der siebten Sitzung geht es "nur noch" um zwei kleine Eigentumswohnungen, im selben Haus,gleich groß, die Eltern kauften sie als Kapitalanlage. Ist die im zweiten Stock vielleicht ein wenig heller, hat die im ersten Stock nicht den etwas größeren Balkon? Welche ist mehr wert?

Julia Holz wird wütend, Eva Holz macht dicht. Schließlich sagt Mediatorin Johannsen: "Wollen Sie Ihr Geld wirklich weiter bei mir ausgeben? Ziehen Sie doch ein Los!" Es ist als Scherz gemeint. Aber die Schwestern sehen sich an, bitten um ein Blatt Papier, lächeln und schreiben "1. Stock" auf die eine Hälfte, "2. Stock" auf die andere. Dann falten sie die Zettel säuberlich zusammen und verabschieden sich: "Den Rest machen wir beim Notar." War doch kinderleicht.

stern-online
Themen in diesem Artikel