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Lotto-Jackpot: 38-facher Millionär für eine Stunde

Der Lotto-Jackpot ist zum Bersten gefüllt: 38 Millionen Euro gibt es zu gewinnen. Doch wohin damit? Eine Handvoll edler Privatbanken ist geübt im Umgang mit dem ganz großen Geld. Wie die Hamburger Berenberg Bank. stern.de hat dort schon einmal ein Beratungsgespräch geführt.

Von Niels Kruse

Wohin mit soviel Geld? Wohin mit den 38 Millionen Euro aus dem Lotto-Jackpot? Aufs Sparbuch? Zur Sparkasse um die Ecke? Oder gleich dahin, wo man Erfahrung mit solchen Summen hat? Wie etwa der Berenberg Bank in Hamburg. Wider Erwarten sind die Teppiche hier nicht knöcheltief. Es gibt einen einzigen Geldautomaten und einen Kassenschalter. Davor steht ein Herr im blauen Mantel, und bittet um Entschuldigung, dass er beim Dauerauftrag gestern seinen Namen vergessen habe dazuzuschreiben. Das sei überhaupt kein Problem, sagt die Frau hinter dem Glas, "wir wissen ja wer Sie sind". Für Kunden, die es diskreter mögen, öffnet die älteste Privatbank des Landes ihren Seiteneingang oder empfängt sie direkt in der Tiefgarage. Hier am Neuen Jungfernstieg in Hamburg ist der Kunde wirklich noch König. Und vermutlich nicht nur im übertragenden Sinn.

400 Jahre Vermögensverwaltung

Seit 1590 verwaltet Berenberg diverse Reichtümer, die es in Hamburg reichlich gibt und das nicht erst seit ein paar Jahrzehnten. Auch deshalb wird sie regelmäßig zum Institut mit der besten Vermögungsberatung im deutschsprachigen Raum gewählt. Noch so ein Grund, hier seinen Lottogewinn hinzutragen. Wer hier sonst noch regelmäßig ein- und ausgeht, darüber schweigen sich die Banker aus. Natürlich. Willkommen ist aber grundsätzlich jeder. Nur etwas Kapital sollte er oder sie mitbringen, bei 500.000 Euro liegt die Einstiegsgrenze. Für stern.de hat die Berenberg Bank einmal eine Ausnahme gemacht.

Das "Beratungsgespräch", natürlich viel zu früh, denn noch ist der Jackpot nicht geknackt, findet im obersten Stock des Hauses statt. Das Ambiente ist nüchtern, strahlt aber sehr viel, sehr altes Geld aus, standesgemäß der Blick über die Alster. Im Besprechungsraum "Paris" wartet Michael Otto, der auf seiner Visitenkarte die Bezeichnung "Direktor" führt. Er ist Anlageberater für Privatkunden und weiß, wie solche Summen zu handhaben sind. Fast 40 Millionen Euro sind auch für ihn keine Kleinigkeit. Die beruhigende Nachricht zu Beginn: "Eigentlich sollte man damit für den Rest des Lebens keine materiellen Sorgen mehr haben", sagt Otto. Eigentlich? "Der Fokus sollte auf dem Vermögenserhalt liegen." Was, wie sich im Verlauf des "Beratungsgesprächs" herausstellen wird, schwieriger ist als gedacht, angesichts dieser enormen Summe.

Erstmal einen Lebensstriptease hinlegen

Bevor Otto und seine Kollegen sich überhaupt an einen Anlageplan wagen, sollte der potentielle Investor vor den Profis einen Lebensstriptease hinlegen. "Wir unterhalten uns sehr, sehr lange darüber, welche Ziele der Kunde überhaupt in seinem Leben hat", sagt Otto. Bis zu zwei Stunden dauere so ein Erstgespräch. Manchmal folgen noch ein zweites oder drittes. Da gehe es nicht so sehr um Geld, sagt Otto, sondern um Fragen wie: Weiter Arbeiten oder nicht? Wie steht es um die Familie? Gibt es Ehepartner? Sollen Schulden getilgt oder Kinder versorgt werden? Wie hoch sind Ausgaben für Interessen und Hobbys? Verfügen Sie über sonstiges Vermögen? Wollen Sie es behalten oder nicht? Am Ende wissen Michael Otto und seine Kollegen schnell mehr als so mancher Bekannte.

"Je mehr wir über die Lebensumstände und persönlichen Ziele wissen, desto individueller können wir planen", sagt Otto. Leider ist an diesem Freitagmorgen keine Zeit für Details. Dennoch hat er die mutmaßlichen Ziele zur "Vermögensstrukturierung" durchgerechnet - wie die Berenberg-Bankiers den Anlageplan nennen. Ziel: langfristiges Vermögenswachstum. "Optimierbares Vermögen (laut Eigenangaben): 38.000.000 Euro." "Anlagementalität: Chancenorientiert". Über neun Seiten erörtern die Vermögensverwalter welche Summen sie in welche Anlageformen verteilen würden. Aktien machen danach ein gutes Fünftel des Portfolios aus, auch in Hegdefonds, Private Equity, Immobilien und Anleihen soll das Geld fließen.

Auf Seite 5 schreibt Michael Otto, wie viel am Ende herausspringen wird: "Aufgrund der erwarteten Renditen der einzelnen Anlageklassen wird eine Nachsteuer-Rendite ihres optimierten Portfolios von sechs Prozent pro Jahr erwartet." Sechs Prozent klingt nicht viel. Wären aber immer rund zwei Millionen im Jahr. Die Vorhersage für die Vermögensentwicklung der nächsten zehn Jahre liest sich noch vielversprechender: "Sollte die von uns empfohlene Vermögensstruktur umgesetzt werden, so wird der wahrscheinlichste Wert ihres Vermögens im Jahr 2017 auf 69.188.099 Euro geschätzt." Fast 70 Millionen. Als wahrscheinlichster Wert. Wenn es besser laufen sollte als erwartet, könnten es auch 84 Millionen sein, und wenn etwas schiefgeht, bleibt immer noch die nette Summe von fast 55 Millionen Euro.

Natürlich muss es für Neumillionäre nicht gleich die Edelbank an die Hamburger Außenalster sein, oder einer der vielen anderen Privatinstituten dieser Art: MM Warburg, Sal. Oppenheim und wie sie alle heißen. Auch die Lottogesellschaften arbeiten mit Vermögensberatern zusammen. Und die örtliche Sparkasse würde sich sicher ebenfalls über solche liquiden Kunden freuen. Theoretisch gäbe es ja sogar noch das gute, alte Sparbuch. Das allerdings würde im Zweifel ärmer machen: "Bei dem Zinssatz und der durchschnittlichen Inflationsrate ist das Geld in 30 Jahren nur noch die Hälfte Wert", sagt Otto.

Reich und gleich gesellt sich gern

Dass die Bank schon aus reinem Eigennutz die 38 Millionen zumindest erhalten will, versteht sich von selbst. Schließlich ist die Verwaltungsgebühren abhängig von der Höhe des Vermögens - in diesen Falle läge sie inklusive aller Kosten bei 0,5 Prozent und damit zumindest nicht über den der Großbanken. Es lohnt sich aber auch aus anderen Gründen im Lotto zu gewinnen und so in den erlauchten Kreis der Multimillionäre einzusteigen. Denn außer einem persönlichen Berater, der einem im Idealfall ein Leben lang zur Seite stehen würde, bietet eine Bank wie Berenberg noch ein über die Jahrhunderte aufgebautes, gesellschaftliches Netzwerk: "Wenn sie sich für Kunst interessieren, würden wir für die entsprechenden Kontakte sorgen. Oder wenn die Tochter einen Praktikumsplatz braucht ..." - reich und gleich gesellt sich eben gern.