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Pharma: Versand-Apotheken werben verstärkt um Kunden

Seit dem Jahresanfang können Bundesbürger jetzt alle hier zugelassenen Medikamente auch per Post oder Internet bestellen. Vor allem mit niedrigeren Preisen wollen die Internet-Händler der klassischen Apotheke Konkurrenz machen.

Lange Zeit war der Kauf von Medikamenten scheinbar untrennbar mit holzgetäfelten Apotheken und würdigen Herren mit Goldrandbrille verbunden. Damit ist es seit dem 1. Januar vorbei: Nun können die Bundesbürger alle hier zugelassenen Medikamente auch per Post oder Internet bestellen. Zugleich wurde die Preisbindung für nicht verschreibungspflichtige Arzneien aufgehoben.

Bisher war Versandhandel illegal

Schon in den vergangenen Jahren hatten zahlreiche Internet-Anbieter vom Ausland aus die Bundesbürger mit Medikamenten versorgt. Bislang war dieser Versandhandel "schlicht illegal", so Lutz Tisch von der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände (ABDA) in Berlin.

Internet-Händler locken mit Preisnachlässen

Vor allem mit niedrigeren Preisen wollen die Internet-Händler der klassischen Apotheke Konkurrenz machen. So wirbt die in den Niederlanden ansässige Apotheke DocMorris (www.docmorris.de) damit, dass sie den Kunden einen Teil der Zuzahlung erlässt. "Der Kunde spart die Hälfte, zahlt also nur zwischen 2,50 und 5 Euro", so Geschäftsführer Ralf Däinghaus. Andere Anbieter wie die Schweizer Apotheke Mediservice locken Kunden mit einem "Treuebonus" oder mit Rabatten. Bei den verschreibungspflichtigen Medikamenten muss das Rezept dabei allerdings im Original eingeschickt werden.

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Apotheken reagieren mit "Home-Service"

Die Apothekerverbände halten den Internethandel für riskant, da die Medikamente laut Tisch so auch in unbefugte Hände gelangen könnten. Sie wollen der Konkurrenz im Internet einen so genannten Home-Service entgegensetzen, der unter www.aponet.de Kunden die Bestellung von Medikamenten ermöglichen soll. Dies soll über einzelne Apotheken vor Ort geschehen, die dann Arzneimittel an Patienten ausliefern. Wie dieser Service aussieht und was er kostet, bleibt jedoch weitgehend der einzelnen Apotheke überlassen.

Innerhalb der EU bestellen

Prinzipiell sei gegen die Freigabe des Arzneiversands nichts einzuwenden, sagt Julia Nill von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. "Allerdings müssen bestimmte Qualitätsbedingungen gegeben sein", so die Expertin. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Arzneimittel laut Nill möglichst bei Anbietern in einem EU-Land bestellt werden, da diese sich bei Problemen leichter belangen lassen. "Die Apotheke sollte auch eine Adresse und eine Telefonnummer angeben, nicht nur ein Postfach", so Nill.

Unfassbare Preisschwankungen

Bislang erfüllen viele Internetapotheken diese Anforderungen nur mangelhaft, kritisiert Nill. Vorsicht sei auch beim Preis geboten, wie eine Untersuchung der Verbraucherzentrale unter 30 ausländischen Anbietern zeigt: So schwankten die Preise für zehn Aspirintabletten je nach Anbieter zwischen 1,00 und 7,10 Euro. Noch größer waren die Schwankungen bei dem Potenzmittel Viagra: Hier verlangte der billigste Anbieter 39 Euro, der teuerste dagegen 324 Euro für zehn Kapseln inklusive Versandkosten.

Günstig für chronisch Kranke

Zwar müssen die Versandapotheken laut Gesetz eine Beratung durch Apotheker anbieten, die dann entweder schriftlich oder telefonisch stattfindet. Oft seien die Auskünfte allerdings unzureichend, so Nill: "Der Patient sollte sich zunächst bei seinem Arzt beraten lassen." Günstig ist die Arzneibestellung im Internet möglicherweise für chronisch Kranke: "Wenn jemand regelmäßig viele Medikamente braucht, kann es billiger sein", sagt Nill.

DPA