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Philipp Lahm: "Klar verliere ich im Moment auch Geld"

Fußballprofi Philipp Lahm bricht Tabus: Der Bayern-Star redet über seine Millionen, seine Verluste in der Krise und den Neid unter Mannschaftskameraden.

Herr Lahm, Sie sind mehrfacher Millionär, haben einen Vertrag, der Ihnen bis 2012 einen Gesamtverdienst im zweistelligen Millionenbereich garantiert. Mit 25 Jahren alles im Leben erreicht, welch Albtraum.

Jetzt mal langsam. Zu den Zahlen sage ich nichts, aber ich kann Sie beruhigen: Es geht mir in erster Linie mal darum, Titel zu gewinnen, da habe ich noch gut zu tun.

Arbeiten müssen Sie auf jeden Fall nicht mehr, sollten Sie morgen keine Lust mehr auf Fußball haben.

So sieht es aus, ganz klar. Ich lebe ja nicht in Saus und Braus.

Was gönnt sich der Millionär Philipp Lahm?

Nach großen Turnieren einen Urlaub auf den Malediven oder Seychellen. Da gehe ich dann auch nicht in die billigsten Hotels. Für mich heißt sich etwas gönnen auch, oft essen zu gehen. Das genieße ich unheimlich.

Das lässt auf eine unglaubliche Sparquote schließen. Wie legen Sie Ihr Geld an?

Ich bin da sehr konservativ. Ich habe mein Geld breit gestreut, das meiste liegt aber festverzinslich auf der Bank. Die Aktienquote meiner Anlagen liegt bei etwa zehn Prozent, alles in Fonds. Fünf Prozent habe ich in Gold angelegt, dazu kommt ein Immobilienfonds. Risiko ist nicht mein Ding.

Haben Sie noch Vertrauen zu Ihrer Bank?

Was wäre die Alternative? Ich kenne mich jedenfalls nicht aus. Da ist die Gefahr größer, dass gravierende Fehler entstehen.

Millionen Kleinanleger zittern um ihr Erspartes, der Dax spielt verrückt, und Sie sprechen von Vertrauen?

Okay, da kommen mir natürlich meine Vermögensverhältnisse zugute. Mich treffen Verluste anders als einen Vater, der sein ganzes Erspartes verliert. Klar verliere ich im Moment auch Geld. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass sich die Situation wieder verbessert - wenn man sich den Luxus leisten kann, sein Geld jetzt nicht aus dem Markt ziehen zu müssen. Ich habe ja wie gesagt eher konservativ investiert, da besteht nicht die Gefahr, dass die Aktien gleich ganz vom Markt genommen werden. Mein Geld steckt auch nicht in windigen Bauherrenmodellen.

Sie haben im vergangenen Jahr die Philipp-Lahm-Stiftung gegründet, um sozial schwache Kinder zu unterstützen. Steuerlich dürfte das nicht geschadet haben.

Für das Privatvermögen spielt das überhaupt keine Rolle. Es gibt ein Grundkapital von 150.000 Euro, das ich eingezahlt habe, das war es.

Wer verwaltet Ihr Privatvermögen?

Zwei Privatbanken in München.

Ihr Vater arbeitet seit 40 Jahren als Kommunikationselektroniker, wohnt noch im gleichen Haus, und Sie beschäftigen sich mit Kapitalanlagen aller Art, um Ihr riesiges Vermögen angemessen zu verwalten …

… ja, das ist paradox, wenn Sie das meinen.

… andere sitzen in Ihrem Alter an der Uni, leben von ein paar Hundert Euro und haben Angst, keinen Job zu bekommen. Hat der Millionär Lahm überhaupt Freunde aus dem normalen Leben, oder ist die Kluft zu groß?

Meine besten Freunde kenne ich seit der Kindheit. Die sehen in mir nicht den Star. Das Wichtigste ist doch, dass man sich versteht, Spaß zusammen hat. Mein Geld spielt da keine Rolle. Natürlich planen meine Freunde manchmal einen anderen Urlaub als ich.

Entsteht da keine Entfremdung, wenn man den nächsten Trip auf die Seychellen ins Auge fasst und die Jungs sich überlegen, wie sie sich ihren Mallorcaurlaub zusammensparen?

Also, ich fahre genauso im Winter nach Ischgl und gehe in eine Pension mit denen, so ist es ja nicht.

Empfinden Sie manchmal eine Art schlechtes Gewissen für das Glück, das Ihnen im Leben zuteilwurde, während andere strampeln und nie ans Ziel kommen?

Manchmal schon. Das betrifft aber nicht nur das Geld, die Popularität. Allein dass man eine intakte Familie hat, ist doch schon ein Segen.

War die Chance zum sozialen Aufstieg für Sie ein Motor für die Karriere?

Mir ging es nur um den Fußball, nicht um das Geld. Kein Zwölf-, Dreizehn- oder Vierzehnjähriger fährt doch zum Training, um irgendwann mal viel Geld zu verdienen. Da träumt doch jeder den Traum von den großen Stadien.

Sie haben nach der mittleren Reife voll auf die Karte Fußball gesetzt. Es hätte schiefgehen können.

Das Risiko hielt sich in meinem Fall in Grenzen. Ich war Amateurspieler mit anschließendem Profivertrag. Der Weg war vorgezeichnet.

Sie sind trotz Ihrer sprunghaften Karriere vom Jugend- zum Nationalspieler von Anfang an erschreckend abgeklärt aufgetreten. Keine Frage, die Sie überraschte, keine unachtsame Äußerung. Veranlagung oder perfektes Coaching?

Da sind wir wieder beim Umfeld, das ist nicht nur eine Person - meine Eltern, meine Schwester, meine Großeltern, alle sind wichtig. Die gönnen mir etwas. Das ist wichtig heutzutage, wo wir in einer Neidgesellschaft leben.

Gibt es auch innerhalb der Mannschaft beim FC Bayern Neid?

Natürlich, wie in jeder Gruppe.

Gerade wenn man selbst nicht vor Selbstvertrauen strotzt und sich angreifbar fühlt, kann ein solches Klima sehr auf die Leistung drücken.

Sehen Sie, ich bin mit elf Jahren zum FC Bayern gekommen. Als Kind und als Jugendlicher ist das mit dem Neid ja zum Teil noch schlimmer. Da hörst du auch öfter mal: Warum spielt denn der? Schau dir doch mal an, wie klein und schmächtig der ist. Man wächst damit auf. Ich kenne das nicht anders. Es geht seit 15 Jahren für mich darum, immer Leistung zu bringen und auch mal wegzuhören, wenn jemand etwas sagt.

Beim FC Bayern balgen sich etwa 22 Nationalspieler Woche für Woche um elf Arbeitsplätze, und nach der Saison müssen vier oder fünf Profis gehen, weil sie sich nicht etablieren konnten. Wie definiert sich der Einzelne in einer Gruppe von Millionären? Über den Marktwert? Das Gehalt?

Das würde so offen nie einer sagen, aber unterschwellig kommt das in der Kabine schon mal durch. Aber viele machen sich nicht die Mühe, mal die ganze Karriere zu beleuchten. Wie lange bringt schon einer Leistung - und auf welchem Niveau? Was hat er schon geleistet? Stattdessen kommt nur die Frage auf: Warum verdient der so viel und ich nur so viel?

Bleibt die Eingangsfrage, was für einen Millionär nach dem Ende der Karriere noch kommen soll, wenn alle Schlachten geschlagen sind auf dem Feld. Noch haben Sie uns keine Antwort gegeben.

Unsere Stiftung soll weiter wachsen, irgendwann soll sie so groß werden, dass wir Leute brauchen, die fest angestellt sind. Da will ich mich verwirklichen. Im Moment kümmert sich meine Schwester nebenher. Sie ist ja hauptberufliche Polizistin.

Das wird nicht Ihre gesamte Zeit in Anspruch nehmen. Es bleibt Ihnen wohl nur der Rückzug auf die Bahamas, Seychellen oder doch Malediven. All inclusive bis an das Lebensende sozusagen.

Jetzt sage ich Ihnen mal etwas: Ich will in München alt werden, das weiß ich jetzt schon. Hier gehöre ich hin, hier ist meine Familie. Hier lebe ich doch jetzt schon meinen Traum.

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