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Private Rentenversicherungen: Wie Rentner jetzt rechnen sollten

Heutige Rentner müssen die Hälfte ihrer Altersbezüge versteuern. Ab 2040 werden es 100 Prozent sein. Ein Vergleich von Bankauszahlplänen und privaten Rentenversicherungen lohnt sich also mehr denn je. Der stern gibt einen Überblick, wie sich am meisten für den Ruhestand herausholen lässt.

Von Frank Donovitz und Joachim Reuter

"Steuern zahlen? Was geht mich das an." Das konnten Rentner jahrzehntelang guten Gewissens sagen. Doch die Zeiten, in denen der Fiskus Senioren ungeschoren ließ, sind längst vorbei. Seit 2005 steigt der Anteil der Renteneinkünfte, die steuerpflichtig sind, Jahr für Jahr. Der Jahrgang, der 2008 in den Ruhestand geht, muss 56 Prozent seiner Renteneinnahmen versteuern, 44 Prozent bleiben steuerfrei. Wer im nächsten Jahr aufs Altenteil geht, muss 58 Prozent seiner Rentenbezüge versteuern. Der steuerpflichtige Anteil steigt für jeden weiteren Jahrgang schrittweise an. Für alle, die im Jahr 2040 und danach in Pension gehen, werden es 100 Prozent sein. Kleiner Trost: Im Gegenzug erhöht sich der Anteil der Altersvorsorgebeiträge, die sich in der Ansparzeit steuerlich absetzen lassen.

Damit wird die neue Abgeltungssteuer auch zu einem Thema für heutige und - noch mehr - für angehende Ruheständler. Was zum Beispiel tun, wenn eine Lebensversicherung oder ein Banksparvertrag ausgezahlt wird? Ist es künftig einträglicher, Ersparnisse in abgeltungssteuerpflichtige Geldanlagen oder in private Zusatzrenten zu investieren? Exakt beantworten lässt sich die Frage nur für den Einzelfall. Grob gerechnet gilt: Für Rentner, deren Steuerbelastung auf den letzten Euro mehr als 25 Prozent beträgt, lohnen sich Kapitalanlagen, die der Abgeltungssteuer unterliegen.

Lesen Sie in der Liste die neuen Regeln.

Steuerpflichtige Renten

Erfasst werden bei der Berechnung des persönlichen Rentensteuersatzes alle Leistungen aus der gesetzlichen und betrieblichen Rente sowie aus berufsständischen Versorgungswerken. Die Summe dieser Einnahmen, abzüglich des steuerfreien Anteils je nach Rentenjahrgang, ergibt den Betrag, mit dem der Fiskus rechnet. Davon werden noch Sonderausgaben wie Versicherungsbeiträge und Spenden abgezogen. Auf das zu versteuernde Alterseinkommen wird genau derselbe, ansteigende Tarif wie bei Arbeitnehmern oder Selbstständigen angewendet.

Faustformel: Steuerfrei sind für einen Single, der in diesem Jahr seine Rentenzeit beginnt, etwa 17.000 Euro Renteneinkünfte im Jahr, also rund 1400 Euro Monatsrente. Verheiratete können gemeinschaftlich rund 35 000 Euro Jahresrente (knapp 3000 Euro monatlich) steuerfrei kassieren. Tipp: Wer weniger Rente(n) bekommt, kann beim Finanzamt eine sogenannte Nichtveranlagung beantragen. Dann bleiben auch Zinseinkünfte, die höher als der Sparerpauschbetrag sind, steuerfrei.

Wer jedoch höhere Alterseinkommen hat, muss Steuern zahlen. Da die Steuerbelastung mit jedem zusätzlichen Euro steigt, kommt es für die Geldanlage immer auf die Belastung des letzten Euros an, im Fachjargon: "Grenzsteuersatz". Liegt er über 25 Prozent, spart die neue Abgeltungssteuer Geld. Es kann sich lohnen, dies vom Steuerberater, Lohnsteuerhilfeverein oder einem Steuerprogramm durchrechnen zu lassen: Denn zum Beispiel auf Riester-Renten oder Mieteinnahmen wird der reguläre Steuertarif angewendet. Dagegen gilt für Zinsen oder Dividenden nur der pauschale 25-Prozent-Abzug.

Bank- und Fondsauszahlpläne

Für (angehende) Ruheständler mit hoher Steuerbelastung können Bankauszahlpläne mit festem Zins oder Renten aus Investmentfonds steuerlich, aber auch wirtschaftlich ein attraktives Zusatzeinkommen auf Zeit bringen. Beispiel: Wer heute 50.000 Euro in einen Bankauszahlplan mit 4,7 Prozent jährlichem Festzins investiert, erhält 20 Jahre lang eine monatliche Vorsteuerauszahlung von knapp 320 Euro (Konditionen der Debeka bei Kapitalverzehr). Nach Abgeltungssteuer kommen netto rund 290 Euro pro Monat heraus.

Private Rentenversicherung

Die Auszahlungen von privaten Rentenversicherungen unterliegen nicht der Abgeltungssteuer. Für sie gelten eigene Regeln. Je nach Abschlussdatum und Gestaltung einer Police ist die Steuerbelastung unterschiedlich. Empfehlenswert ist daher, Angebote vor Abschluss vom Steuerberater prüfen zu lassen. Generell gilt: Von Auszahlungen einer privaten Rentenpolice ist nur der sogenannte Ertragsanteil steuerpflichtig. Die Höhe des Ertragsanteils ist gesetzlich festgeschrieben und richtet sich nach dem Renteneintrittsalter des Versicherungskunden. Wer im Alter von 60 bis 61 Jahren in Rente geht, muss 22 Prozent der Auszahlungen versteuern. Von 100 Euro Auszahlung sind also nur 22 Euro steuerpflichtig, und zwar mit dem persönlichen Steuersatz des Rentners. Und: Je später der Ruhestand beginnt, desto niedriger der Ertragsanteil: Wer seinen Ruhestand mit 67 Jahren beginnt, muss nur 17 Prozent der Auszahlungen versteuern.

Mit diesem Steuervorteil werben die Versicherungsvertreter gern. Ein gutes Geschäft sind die Angebote jedoch nicht in jedem Fall. Beispiel: Zahlt eine heute 60-Jährige 50.000 Euro in eine private Rentenversicherung ein, erhält sie nach zwei Jahren Wartezeit lebenslang eine garantierte Vorsteuer-Monatsrente von gut 185 Euro, inklusive Überschüsse sind rund 200 Euro pro Monat möglich. Davon sind nur 22 Prozent, also 44 Euro, steuerpflichtig. Der Fiskus würde der Rentnerin, selbst wenn sie den Spitzensteuersatz zahlen würde, nicht mehr als 20 Euro abzwacken. Etwas mehr, knapp 200 Euro garantiert, bekäme ein Mann gleichen Alters von der Versicherung ausbezahlt (Konditionen des Direktversicherers Cosmos). In diesem Fallbeispiel würde die Privatrente im Todesfall des Versicherten 20 Jahre lang an Begünstigte weitergezahlt ("Rentengarantiezeit") - ähnlich wie bei vererbbaren Bank- oder Fondsauszahlplänen.

Es zeigt sich: Abgeltungspflichtige Bankauszahlpläne (siehe Tabelle) können mehr Geld im Monat bringen als private Rentenpolicen, allerdings nicht garantiert bis ans Lebensende. Die passende Auswahl der Geldanlagen im Alter hängt also nicht nur von deren Wirtschaftlichkeit und von Steuerregeln ab, sondern auch von den Lebensumständen des Sparers.

Fazit

Rentner müssen künftig mit einer steigenden Steuerbelastung rechnen. Die neue Abgeltungssteuer begrenzt die Belastung von Zinseinnahmen auf 25 Prozent. Ob sich die Umwandlung von Vermögen in eine private Rentenversicherung rechnet, prüft am besten ein Steuerberater.

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Von:

Joachim Reuter und Frank Donovitz