HOME

Privatinsolvenz: Bei Überschuldung schnell handeln

Wenig Geld und große Wünsche - da erscheint ein "billiger" Kredit oft als Ausweg. Der aber schnell in der Schuldenfalle endet. Über drei Millionen Haushalte sind derzeit in Deutschland verschuldet, bei vielen fingen die Probleme mit Krediten an.

Über drei Millionen Haushalte sind in Deutschland überschuldet. Das konstatierte der "Schuldenreport 2006", der gemeinsam von den Verbraucherzentralen, dem Deutschen Caritasverband, dem Diakonischen Werk und dem Deutschen Roten Kreuz herausgegeben wurde. Der Weg in die Schuldenfalle führt in den vielen Fällen über Bankkredite. Nach Ansicht des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen machen es die Geldinstitute den Kunden teilweise zu leicht, Darlehen aufzunehmen. Oftmals würden sie sogar zu Krediten überredet, die sie auf Grund ihres geringen monatlichen Einkommens gar nicht zurückzahlen könnten. Aber auch unvorhergesehene Ereignisse wie Scheidungen, Krankheit und vor allem Arbeitslosigkeit sind Ursachen für geplatzte Kredite und Überschuldung.

Ausgaben höher als Einnahmen

Wer über längere Zeit höhere Ausgaben hat als die monatlichen Einnahmen, sollte handeln. Abwarten verschlimmert die Situation nur noch weiter. Unbedingt aktiv werden müssen verschuldete Eltern, die zur Zahlung von Unterhalt gegenüber Kindern verpflichtet sind. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes haben sie durch Einleitung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens sicherzustellen, dass die Unterhaltsleistungen für ihre Kinder bei der Schuldentilgung Vorrang bekommen (AZ: XII ZR 114/03).

Privatpersonen haben die Möglichkeit, aus den Schulden herauszukommen, indem sie ein Verbraucherinsolvenzverfahren anstreben, auch Privatinsolvenz genannt. Der erste Schritt dazu ist, Kontakt mit einer Schuldnerberatungsstelle aufzunehmen. Die gibt es bei Kommunen, Wohlfahrtsverbänden und Kirchen. Sie beraten kostenlos. Vorsicht ist bei privaten Schuldnerberatern geboten. Sie verlangen im Nachhinein hohe Gebühren und treiben den Schuldner oft noch weiter in die Misere.

Außergerichtliche Einigung

Die öffentlichen Schuldnerberater streben als ersten Schritt eine außergerichtliche Einigung an. Dabei versucht sich der Schuldner mit allen seinen Gläubigern auf einen Schuldenabbauplan zu verständigen, bevor überhaupt ein Gericht eingeschaltet wird. Sämtliche Gläubiger müssen einverstanden sein.

Scheitert dieser Versuch, wird als zweiter Schritt ein gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren eröffnet. Hier übernimmt das Insolvenzgericht die Aufgabe, eine Einigung zwischen Schuldner und Gläubiger zu erzielen. Der Schuldenbereinigungsplan kommt zustande, wenn die Mehrheit der Gläubiger zustimmt.

Vereinfachtes Insolvenzverfahren

Ist auch hier keine Einigung möglich, folgt ein vereinfachtes Insolvenzverfahren mit anschließender Wohlverhaltensphase. Das Gericht setzt einen Treuhänder für den Schuldner ein, der dessen Vermögen und Einkünfte über einen Zeitraum von sechs Jahren auf die Gläubiger verteilt. Dabei bleibt dem Schuldner jedoch ein Mindestmaß an Einkünften zum Selbstbehalt. Die Höhe variiert nach der Höhe des Einkommens und der Familiensituation.

Erfüllt der Schuldner in dieser Wohlverhaltensphase von sechs Jahren seine Verpflichtungen, kann das Gericht ihm eine Restschuldbefreiung erteilen. Damit gilt er als schuldenfrei, auch wenn er letztlich nicht die gesamte ursprüngliche Schuldensumme an seine Gläubiger gezahlt hat.

Reiner Fischer/DDP / DDP