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Die EU in der Schuldenkrise: Der italienische Patient

Italien leidet zwar unter dem zweithöchsten Schuldenberg in Europa, ist aber wirtschaftlich solide aufgestellt. Nur die schwache Regierung hindert das Land an der schnellen Genesung.

Diagnose: Akute Überschuldung

Italien schleppt schon seit Jahrzehnten einen riesigen Schuldensack mit sich herum. Inzwischen beträgt die Staatsverschuldung knapp 120 Prozent der Wirtschaftsleistung. Angesichts der hohen Verbindlichkeiten hatte die Ratingagentur Moody's schon vor einigen Wochen damit gedroht, die Kreditwürdigkeit des Landes herabzustufen - damit droht Italien in die Teufelsspirale von Neuverschuldung und enorm hohen Zinsen hineinzurutschen. Auch die Konjunktur will nicht richtig anspringen, derzeit liegt das Wachstum bei 1,3 Prozent. Tendenz: stagnierend. Auch von der Politik ist wenig Hilfe zu erwarten. Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist ein Regierungschef auf Abruf, doch bis zu den nächsten Wahlen dauert es noch zwei Jahre.

Therapie: Zurückhaltender Lebenswandel

Grundsätzlich steht die italienische Wirtschaft mit ihren Vorzeigebranchen Auto- und Maschinenbau sowie dem Tourismus solide da, auch die Weltwirtschaft zieht wieder an, was der exportorientierten Industrie zu Gute kommt. Um die hohen Schulden abzubauen, muss der Staat allerdings sparen, sparen und nochmals sparen. Der Wille dazu ist bei Silvio Berlusconi nur bedingt vorhanden. Vor allem aber braucht das Land schnell wieder eine Regierung, die den Rückhalt großer Teile der Bevölkerung genießt. Die beste Therapie also ist Berlusconis Abgang - möglichst noch vor 2013.

Heilungschancen: Mittelmäßig

Die Italiener sind politisches Chaos gewohnt und wahlerprobt. Grundsätzlich sollte die drittgrößte Volkswirtschaft Europas in der Lage sein, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu zeihen. Allerdings fällt das geplante Sparpaket mit 40 Milliarden Euro sehr gering aus und tritt zudem zu spät in Kraft.

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Niels Kruse
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