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Quartalsberichte: Porsche zieht gegen die Börse vor Gericht

Der Prozess wird von der deutschen Finanzwelt mit großem Interesse verfolgt - immerhin ist der Versuch ein Novum: Porsche will auch ohne die vierteljährlichen Quartalsberichte in den Prime Standard aufgenommen werden.

Der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche zog am Montag in Frankfurt gegen die dortige Börse vor Gericht und erregte damit - nicht nur in Deutschland - Aufmerksamkeit an den Finanzplätzen. Allerdings wurde der Rechtsstreit gleich vertragt und soll nun erst vom Verwaltungsgerichtshof in Kassel entschieden werden. Porsche zog am Montag vor dem Frankfurter Verwaltungsgericht seinen Antrag auf Aufnahme in das Börsensegment Prime Standard zurück, weil der Autobauer jetzt erst auf das Ergebnis des Kasseler Gerichts wartet. Das angestrebte Verfahren ist bisher einmalig in der Bundesrepublik. Ziel von Porsche ist es, auch ohne die vierteljährlichen Quartalsberichte in den Prime Standard aufgenommen zu werden. Vor drei Jahren war Porsche wegen der Verweigerung von Quartalsberichten von der Frankfurter Börse aus dem M-DAX, dem Index für mittelgroße Unternehmen, herausgenommen worden.

Gleiches Recht für alle

Das Gericht bremste jedoch den Tatendrang des Sportwagenherstellers. Für Porsche kann es nach Einschätzung des Richters des Verwaltungsgerichts Frankfurt keine Ausnahme von den Regeln zur Zulassung zum Prime Standard der Börse geben. "Ich wage zu bezweifeln, dass der Anbieter und Veranstalter einer Börse gezwungen werden kann, auf eine Bedingung für die Zulassung zu verzichten", sagte der Vorsitzende Richter Torsten von Roetteken am Montag in Frankfurt. Der Antrag von Porsche, ohne die Veröffentlichung von Quartalsberichten in das oberste Segment der Deutschen Börse zugelassen zu werden, laufe faktisch darauf hinaus, den Prime Standard umzugestalten. "Eine Aussetzung (der Regeln) kommt nicht in Betracht", sagte von Roetteken. "Was für Porsche gilt, muss auch für andere gelten."

Es spreche Einiges dafür, dass die Frage, wie sinnhaft oder aussagekräftig Quartalsberichte seien, juristisch keine Relevanz habe, sagte der Richter. Dies müsse an anderer Stelle geklärt werden. Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking argumentiert, Quartalsberichte seien für die Transparenz und Information der Anteilseigner nicht notwendig. Die Berichterstattung orientiere sich nur an kurzfristigen Kapitalmarktinteressen und komme nur dem Börsenumsatz zu Gute.

Verfolgung langfristiger Strategien behindert

Am größten Finanzplatz Europas, in London, sind Quartalsberichte nicht Pflicht, heißt es bei Porsche. Aus der Sicht des Stuttgarter Sportwagenbauers ist die Börsenordnung des Frankfurter Handelsplatzes keine ausreichende Rechtsgrundlage, um Quartalsberichte für eine Zulassung im Prime Standard verpflichtend vorzuschreiben. Eines seiner wichtigsten Argumente lautet: "Der Zwang zur Vorlage vierteljährlicher Berichte behindert Unternehmen in der Verfolgung langfristig angelegter Strategien".

Porsches Argumente wiegen umso mehr, weil die Stuttgarter Sportwagenbauer gerade im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder bewiesen haben, dass man Aktionäre am allerbesten bedient und zufrieden stellt, wenn man hohe Gewinne erzielt: diesmal mit einer Milliarde Euro Vorsteuergewinn. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hält gar nichts davon, wenn Unternehmen wegen der Quartalsberichte durch unnötige Preisnachlässe Verkäufe forcieren, um kurzfristig bessere Zahlen vorweisen zu können. Gerade eine solche Politik schadet nach seinen Worten den Aktionären.

"Nur mehr bürokratischer Aufwand"

Porsche ist davon überzeugt, dass Quartalsberichte allenfalls den internen bürokratischen Aufwand in die Höhe treiben. "Zu mehr Transparenz für den Anleger tragen sie jedenfalls nicht bei", meint Wiedeking. Er erinnert in diesem Zusammenhang an den teilweise erschreckenden Niedergang einst hoch gelobter Unternehmen aus der so genannten New Economy. Deren Quartalszahlen und Quartalsprognosen "waren vielfach kaum das Papier wert, auf dem sie geschrieben standen". Porsche selbst halte die Transparenz auch ohne Quartalsberichte hoch. Im Schnitt würde das Unternehmen pro Jahr 40 wichtige Wirtschaftsmeldungen publizieren. "Wenn kursrelevante Neuigkeiten vorliegen, dann melden wir das sofort", hieß es.

Wiedeking hatte schon vor einiger Zeit den Porsche-Aktionären seine Sicht der Dinge unterbreitet. "Quartalsberichte haben nicht nur wenig Aussagekraft, sie heizen auch die Volatilität an den heute ohnehin nervös reagierenden Kapitalmärkten unnötig an. Die Börse droht so zu einem Roulette-Spiel zu werden, das sich von der ökonomischen Realität leider nur allzu häufig entfernt", so die Überzeugung des Porsche-Chefs. Porsche will sich auch weiterhin keine "Kurzatmigkeit" durch Quartalsberichte aufdrängen lassen.

Etliche deutsche Unternehmen denken ähnlich

Klar, an der Börse in Frankfurt will Porsche mit seinem Umsatz von 6,3 Milliarden Euro künftig wieder auf dem Kurszettel stehen. Aus grundsätzlichen Überlegungen aber ohne Quartalszahlen. Die Manager der deutschen Unternehmen werden den Frankfurter Prozess mit Interesse verfolgen. Nicht wenige denken so wie Wiedeking. Nicht nur die Porsche Familie, die 50 Prozent der Aktien hält, drückt ihm daher den Daumen.

Werner Scheib/DPA / DPA