Reaktion Furcht vor Irakkrieg drückt auf Börsen


Die Furcht vor einem Irakkrieg hat sich am Dienstag stark auf die internationalen Finanzmärkte niedergeschlagen. Einen Tag vor der Rede von US-Außenminister Powell erreichte der Goldpreis ein Sechsjahreshoch.

Einen Tag vor der mit Spannung erwarteten Rede von US-Außenminister Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat erreichte die Feinunze Gold mit 374,85 Dollar ein Sechsjahreshoch. Anfang des Jahres startete der Goldpreis bei 342,20 Dollar und legte seither nahezu kontinuierlich zu. Sollte Powell beweisen können, dass der Irak seine Waffenprogramme widerrechtlich fortsetzt, könnte der Goldpreis nach Analystenmeinung bald schon auf über 400 steigen.

Arabische Investoren scheuen Aktienkäufe

Besonders arabische Investoren hätten derzeit Angst, dass im Falle eines Irakkrieges Konten eingefroren werden und scheuten deshalb große Aktienkäufe. Der Deutsche Aktienindex DAX rutschte gegen Mittag nach starken Kursverlusten um mehr als 2,6 Prozent auf 2678 Punkte. Das Gros der 30 Standardwerte lag im Minus. «Es gibt keinen Grund für steigende Kurse», sagte ein Händler einer Frankfurter Großbank.

Kursverluste bei Autowerten

Vor allem die Kursverluste bei den Autowerten und der wieder stärkere Euro im Vergleich zum US-Dollar belaste die Märkte. Der Kurs des Euro stieg bis Mittag leicht auf 1,0793 US-Dollar. An der Londoner Börse starteten die Aktienkurse mit Verlusten in den Handel. Der FTSE-Index fiel bis zum Mittag um ein knappes Prozent auf 3653 Punkte. Der Pariser CAC-40 sank sogar um 1,9 Prozent auf 2901 Punkte. Vor der am Mittwoch anstehenden Sitzung des UN-Sicherheitsrates seien die Anleger unsicher, sagte ein Händler.

Leichte Verluste in Tokio

Die europäischen Standardwerte starteten mit leichten Verlusten in den Handel. Der Dow Jones EuroSTOXX 50 gab in den ersten 30 Handelsminuten um gut 1,4 Prozent auf 2238 Punkte nach. Die Aktienbörse in Tokio hat am Dienstag uneinheitlich geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gab leicht um 0,18 Prozent nach und endete bei 8484,90 Punkten.

Euro klettert wieder über 1,08 Dollar

Auch der Euro ist wegen der Angst vor einem Irak-Krieg erneut über die Marke von 1,08 Dollar gestiegen. "Irak ist wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt", sagte Devisenanalyst Ian Stannard von BNP Paribas. „Der Dollar hatte ein wenig aufholen können, ist aber wieder unter Druck geraten, weil der UN-Sicherheitsrat morgen tagt.“ Powell will der UNO am Mittwoch Beweise dafür vorlegen, dass Irak entgegen eigener Behauptungen an Massenvernichtungswaffen arbeitet.

US-Alleingang schlecht für den Dollar

Der Kurs des Euro notierte gegen 11.45 Uhr MEZ bei 1,0806/09 Dollar. In New York war die Gemeinschaftswährung am Montagabend mit 1,0787/91 Dollar aus dem Handel gegangen. Für den Devisenhandel wird die Rede Powells am Mittwoch nach Einschätzung von Analysten entscheidend sein. Der Markt wolle sehen, ob die US-Regierung die internationale Unterstützung für einen Krieg in Irak gewinnen könne. Ein militärischer Alleingang durch die USA verheiße nichts Gutes für den Dollar, sagten Analysten.

Analysten in Hochspannung

In seiner Rede will US-Außenminister Powell nach Angaben aus US-Regierungskreisen mit Satellitenaufnahmen und abgehörten Gesprächen belegen, dass Irak nach Massenvernichtungswaffen strebt.Wie aus den Kreisen am Montag verlautet war, wird Powell dem Rat am Mittwoch unter anderem möglicherweise Aufnahmen vorlegen, die mobile Labore für biologische Waffen darstellen sollen. Powells Rede gilt als entscheidend für den Versuch der USA, die Veto-Mächte Frankreich, Russland und China im UN-Sicherheitsrat davon zu überzeugen, dass notfalls ein Krieg gegen Irak geführt werden muss. Die drei Staaten könnten eine entsprechende Resolution im Rat verhindern. Die anderen zwei Veto-Mächte, USA und Großbritannien, haben Irak mit Krieg gedroht, sollte das Land die Abrüstungsforderungen der UNO nicht erfüllen.


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