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Schulden in Deutschland: Mehr Privatinsolvenzen, weniger Unternehmenspleiten

Noch nie sind so viele Verbraucher pleitegegangen wie im Jahr 2010. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg die Zahl der Privatinsolvenzen in Deutschland um 7,6 Prozent auf 108 798. Bei den Unternehmen gab es dagegen dank des wirtschaftlichen Aufschwungs einen Rückgang um 2,1 Prozent.

In Deutschland sind 2010 so viele Verbraucher pleitegegangen wie noch nie. 108.798 Verbraucher nahmen im Jahr 2010 ein Privatinsolvenz-Verfahren in Anspruch, das waren 7,6 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Die Insolvenzen von ehemals Selbstständigen lagen mit 23.065 Fällen um 6,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Für beide Gruppen gilt seit 1999 eine vereinfachte Insolvenzordnung, nach der sie nach Abschluss des Verfahrens von Restschulden befreit werden können.

Die Zahl der Firmenpleiten ist im Aufschwungsjahr 2010 dafür deutlich gesunken. 32.000 Unternehmen mussten wegen Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit den Gang zum Amtsrichter antreten. Dies waren rund 700 oder 2,1 Prozent weniger als 2009. In dem Rezessionsjahr waren die Insolvenzen noch um 11,6 Prozent gestiegen und damit erstmals seit dem bisherigen Höchststand von 39.320 aus dem Jahr 2003.

Die Firmen profitierten damit deutlich von der Konjunkturerholung nach der größten Krise seit rund 60 Jahren. Bei einigen Bürgern scheint dies aber nur mit Verzögerung anzukommen. "Es handelt sich hier um einen nachlaufenden Indikator", sagte ein Statistiker. Im Rezessionsjahr 2009 war die Zahl der Privatinsolvenzen nur um 3,0 Prozent gestiegen.

Die Gerichte bezifferten die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger 2010 auf rund 39 Milliarden Euro, nach 85 Milliarden Euro 2009. "Dies war die bisher höchste Forderungssumme und war auf die Insolvenzen einiger wirtschaftlich bedeutender Unternehmen zurückzuführen", hieß es. Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrages waren 2010 insgesamt rund 131.000 Personen bei den insolventen Firmen beschäftigt. Im Jahr davor waren knapp 251.000 Arbeitnehmer von Insolvenzen betroffen.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes stimmen von der Tendenz her mit den bereits früher bekanntgegebenen Daten von Wirtschaftsauskunfteien wie Creditreform überein. Im Detail gibt es aber Unterschiede. Ein Experte des Bundesamtes sagte: "Wir haben die amtlichen Zahlen, die wir direkt von den Amtsgerichten erhalten."

cjf/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters