HOME

Überschuldung: So werden Sie Ihre Schulden schneller los – EU plant Reform der Privatinsolvenz

Fast sieben Millionen Deutsche sind überschuldet. Für sie gibt es neue Hoffnung. Die EU will die Dauer der sogenannten Privatinsolvenz auf drei Jahre begrenzen. Heute sind es sechs Jahre. Danach sind die Schulden erloschen und die Betroffenen können einen Neuanfang wagen.

Eine dreijährige Privatinsolvenz ist meist besser, als ein Schrecken ohne Ende.

Eine dreijährige Privatinsolvenz ist meist besser, als ein Schrecken ohne Ende.

Getty Images

6,9 Millionen Deutsche sind so verschuldet, dass sie ihren Zahlungsverpflichtungen nicht regelmäßig nachkommen können. Sie gelten als überschuldet. Wenn die Schulden trotz aller Bemühungen nur wachsen, anstatt abzunehmen, ist der letzte Ausweg die sogenannte Privatinsolvenz. 2017 sollen fast 100.000 Personen eine Privatinsolvenz angemeldet haben.

In Deutschland ist man nach einer Übergangszeit von sechs Jahren schuldenfrei. In anderen EU-Ländern geht das deutlich fixer. In Großbritannien dauert die Karenzzeit nur 12 Monate. Deutsche Schuldner können jetzt aufatmen, denn die EU will die Dauer der Privatinsolvenz auf drei Jahre begrenzen. Kürzere Zeiträume sind dann weiterhin möglich, aber keine längeren. Deutsche Schuldner wären dann schon nach drei Jahren schuldenfrei.

Nach Privatinsolvenz: Schneller zum Neuanfang

Warum ist das wichtig? Grundsätzlich freuen sich die Schuldner natürlich, wenn sie ihre Verpflichtungen schneller loswerden, das allein ist aber nicht der Grund. Für die Dauer der Insolvenzzeit leben die Schuldner in einem lähmenden und belastenden Schwebezustand – denn erst am Ende der Frist sind sie schuldenfrei. Ein wirklicher Neuanfang und ein echtes Durchstarten können erst danach stattfinden. Für eine überschuldete junge Familie sind sechs Jahre eine sehr lange Zeit. Solange leben die Betroffenen in einer "Wohlverhaltensphase" – alles was sie über das Existenzminimum hinaus verdienen, müssen sie zur Schuldentilgung einsetzen. Auch ihr Besitz wird durchforstet. Jeder Besitz, den sie nicht zum Leben benötigen, wird gepfändet.

In dieser Zeit bleiben sie allerdings von Mahnungen und Inkasso-Unternehmen verschont.

Auch auf deutscher Ebene wurde bereits versucht, das Verfahren zu verkürzen. Ohne viel Erfolg. Wer sich besonders gut verhält, kommt früher aus den Schulden heraus. Wer es schafft, die Verfahrenskosten zu bezahlen, kommt schon nach fünf Jahren aus den Schulden. Wer 35 Prozent seiner Schulden abträgt, und dazu das Gerichtsverfahren und den Insolvenzverwalter bezahlt, muss nur drei Jahre warten. Diese Versuche dienten dazu, einen Interessensausgleich zwischen Schuldnern und Gläubigern herbeizuführen. Sie führen aber auch dazu, dass die meisten Schuldner von diesen Verkürzungen nicht profitieren. Nur etwa zwei Prozent der Schuldner schaffen es.

Nun soll die Restschuld bereits nach drei Jahren verfallen. Sinnloser und maßloser Konsum ist übrigens nur in seltenen Fällen für die Überschuldung verantwortlich. Meist treiben Schicksalsschläge wie Krankheit, Scheidung oder Arbeitslosigkeit die Betroffenen in den finanziellen Ruin.

Das Verfahren der Privatinsolvenz

Das Verfahren wird also kürzer. Einfach ist es aber nicht. Pflicht ist der der Gang zu einem Rechtsanwalt oder einer Schuldnerberatung. Dort müssen die Schuldner ihre Vermögensverhältnisse offenlegen und mit der Hilfe der Beratungsstelle eine außergerichtliche Einigung erarbeiten. Erst wenn der außergerichtliche Einigungsversuch scheitert, kommt es im Amtsgericht zu einer Verhandlungsrunde.  Wenn der Richter dann feststellt, dass der Schuldner seine Verpflichtungen nicht erfüllen kann, eröffnet er die Privatinsolvenz.

Lesen Sie auch:

Studenten-Schulden - wie 1500 Milliarden Dollar eine Generation erdrücken

Heirat in die Schulden? Mit diesen Tipps verhindern Sie ein Debakel

Wenn erben Schulden erben bedeutet

- Hier finden Sie seriöse Berater und Wege aus der Schuldenfalle

Mit DPA
Themen in diesem Artikel