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Teilen: So ätzend ist es, seine Sachen auf Facebook zu verschenken

Sharing is caring – dachte ich. Mir war nicht klar, wie schlimm es in der "Zu verschenken"-Szene zugeht. Diese Lektionen musste ich lernen.

Verschenken auf Facebook: Ungenutzte Gegenstände

Überall findet sich etwas, das jemand anders gut gebrauchen könnte.

Getty Images

Das kennen Sie doch auch? Man hat tausend Dinge, die noch wirklich gut sind, aber die man nie wieder benutzen wird. Das fängt bei der Dritt-Bohrmaschine an und hört beim Trainingssandsack aus sportlichen Tagen noch lange nicht auf.

Im vergangenen Sommer kam mir ein naheliegender Gedanke: Am besten wäre es doch, wenn all die schönen und nützlichen Dinge einen neuen Besitzer finden, dem sie noch viel Freude machen.

Eine finstere Welt

Damals ahnte ich nicht, was mir bevorstand, als ich unbedacht in die finstere Welt der "Zu verschenken"-Szene eintauchte. Verkaufen ist nervig – das war mir bewusst. Denn auch wenn die Dinge fast geschenkt sind, sind sie es doch nur fast. Und man hat jedes Mal mit Leuten zu tun, die noch 50 Cent raushandeln wollen, in dem sie das Kaufobjekt madig machen. So etwas wollte ich mir ersparen und suchte daher eine "Zu verschenken"-Gruppe auf auf.

Der Vorteil im Vergleich zu : Hier muss man sich anmelden. So stößt man nur auf Einheimische und muss sich nicht mit Interessenten aus Oberfranken herumärgern - obwohl man selbst in Hamburg lebt -, die erst sehr spät bemerken, dass 550 Kilometer Anfahrt doch ein bisschen viel für eine Garderoben-Stange sind. 

Nachteil an Facebook-Gruppen: Dort haben sich professionelle Schnorrer und Nörgler breit gemacht  – ihnen zur Seite steht eine Schar von Verwirrten. 

Die, die alles haben wollen

Mein erster Kontakt: Kaum war Objekt Nummer eins – ein paar ungebrauchte, professionelle Rennrad-Schuhe – eingestellt, meldete sich schon ein Interessent. Nach einer Sekunde. Naiv dachte ich: Wer zuerst kommt, der mahlt zuerst. Stutzig wurde ich allerdings, als ich sah, dass der User nicht nur die Rennrad-Schuhe gern hätte, sondern auch alle anderen Angebote in der Liste angekreuzt hatte. Nach einem Kontakt per Mail und auf gebrochenem Englisch, wurde mir klar, dass der Mann überhaupt nicht wusste, was für Schuhe gemeint waren und noch viel weniger, dass man mit ihnen trotz des flotten Aussehens kaum gehen kann und ein Rad mit speziellen Pedalen benötigt. 

Erste Lektion: Man darf nie den Erstbesten nehmen, sondern muss den Zuschlag sorgsam auswählen, wenn man sich nicht ärgern will. Problem dabei: Gerecht ist das nicht – ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich stets die Kandidaten aussuchte, die am verlässlichsten wirkten.

Am besten man liefert

Lektion Nummer zwei folgte sogleich: Besser man verschenkt Dinge, die jeder locker mit Bus und Bahn transportieren kann. Das tat ich nicht. Stattdessen bot ich ein Set Stühle an.

Es folgten lange Chats, warum ich denn die Stühle nicht zur nahe gelegenen S-Bahn bringen könne. Von dort könnten wir – also ich auch – das Gestühl mit der Bahn ans andere Ende bringen. So nun nicht – dachte ich. Und geriet an den Nächsten, der sechs Stühle in eine Limousine bugsieren wollte. Irgendwann klappte das sogar.

Die Reservierer

Das sind noch die lustigeren Erlebnisse. Weit nerviger sind Personen, die zuerst das drängendste Interesse anmelden, das Objekt der Begierde unbedingt blocken wollen und sich dann tagelang nicht melden. So eine Begegnung brachte mir eine ungebrauchte Bree-Laptop-Tasche (kostete mal 150 Euro) ein. Zuerst war alles hochnotpeinlich dringend, dann herrschte Funkstille. Nach 14 Tagen meldete sich die Interessentin im Büro am Telefon, um mir mitzuteilen, sie sei am kommenden Freitag um 17 Uhr am Hamburger Hauptbahnhof. Ob ich nicht ans Gleis acht kommen wolle, dort könne sie die Tasche in Empfang nehmen. 

Hinzu kommen noch die Trolle, die mehr oder minder alles, was in der Gruppe angeboten wird, schlecht machen. Ein Kinderbett mit einer Schramme? "Alter, das geht gar nicht!" Antike Waschbecken, die im Garten liegen? "Die willst Du doch wohl erstmal sauber machen?!"

Macht doch Spaß

Verschenken ist ein hartes Brot – doch wer durchhält, findet dann auch glückliche Abnehmer. Ob für Wander- oder Motorsportschuhe, einen Stapel Skater-T-Shirts oder eine Schiffslampe aus Messing. Am besten gehen übrigens Kinderartikel. Offenbar gibt es jede Menge alleinerziehender Mütter, die sich wirklich freuen, wenn sie 20 oder 50 Euro an Ausgaben sparen können.

Es hat sich übrigens wieder einiges angesammelt. Kann jemand vielleicht eine TV-Media-Box, Schneeketten für einen Kleinwagen oder einen Dachgepackträger gebrauchen?

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