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Spar-Tip: Fahrrad vom Sperrmüll - so kommt man zu einem guten und günstigen Rad

Ein Fahrrad für nur 15 Euro kaufen? Das kann nicht funktionieren. Tatsächlich musste man noch etwas an Liebe, Arbeit und Ersatzteilen in den Drahtesel hineinstecken, bis er wieder flott war.

Kein Sportrad, aber für die Stadt gut geeignet.

Kein Sportrad, aber für die Stadt gut geeignet.

Früher, da lagen noch Schränke, Waschmaschinen und selbst Fahrräder auf der Straße, zur Abholung bereit. Dann zog ein wanderndes Volksfest durch die Straßen, trug alles fort, was brauchbar erschien, und verstreute den zerfledderten Rest auf Vorgärten und Straßen. Dieses ekstatische Müllfest gibt es in Hamburg seit Jahrzehnten nicht mehr, heute werden die brauchbaren Stücke der Sperrmüllabholung in einer Halle gesammelt und warten dort auf Käufer - umsonst gibt es natürlich auch nichts mehr.

Dass ich überhaupt dorthin kam, lag natürlich an meiner Frau. Wie in den Blogs "Ratlose Männer in Einkaufszentren" schlenderte ich ziellos umher, bis ich SIE entdeckte. In einer Ecke wurden Bastelräder angeboten. Schrotträder trifft es besser. Alles was einigermaßen fahrfähig ist, wird dort innerhalb von Stunden weggekauft.

Rad mit besseren Zeiten

Acht von zehn Rädern waren die 15 Euro nicht wert, die für sie verlangt wurden. Aber eins in dem Haufen war ein echter Schatz. Ein alter Stahlrahmen mit Schründen und Schrammen und mit Mängeln: Eine Bremsanlage, die in Fetzen hinabhing, zerstörte Lichter und ein geborstenen Sattel. Dafür aber ein kompakter Rahmen, keinen Schlag in den Reifen, eine Siebengang-Schaltung und Zeichen, dass "sie" einmal bessere Tage gesehen hat. Irgendein Vorbesitzer hatte dieses Rad mit viel Liebe und Sachkunde instandgesetzt. Das gab den Ausschlag. So konnte ich sie dort nicht stehen lassen. 15 Euro und das Rad war erlöst. 

Kaum zu Haus, stellte sich die erste Frage: Funktioniert die Schaltung noch? Zunächst nicht, aber nachdem das verharzte Öl vom Schaltstift entfernt und die Schaltbox korrekt arretiert wurde, klickte die Nabe so wie vorgesehen. Die Tretarme drehten sauber durch, kein Lager knirschte und die Reifen waren noch gut eingespannt.

15 Euro waren allerdings nur die Anzahlung.

Ersatzteile mussten sein 

Als Ersatzteile musste ich kaufen: Einen guten und bequemen Sattel. Es handelt sich ja um eine alte Dame: 15 Euro. Man hätte auch einen für 5 Euro bekommen können. Die alten kaputten Cantilever-Bremsen wurden durch neue Felgenbremsen mit Seitenzug ersetzt. Kostenpunkt: 12 Euro. Das ist billig, doch sie bremsen auch und eine wirklich bessere Bremse hätte gebraucht noch 60 Euro gekostet. Auf die vergammelte Lichtanlage hatte ich keine Lust mehr, auch wenn man sie hätte reparieren können. Für 15 Euro habe ich einen Seitenläuferdynamo, ein LED-Front- und LED-Rücklicht bekommen. Vorn leuchtet nun immerhin ein Axa-Sprint-20, hinten ein Led-Licht mit Standlichtfunktion.

Gute Lichtanlage und neue Vorderbremsen. Die Reifen sind nicht zu schmal, das dient einem entspannten Fahrgefühl.

Gute Lichtanlage und neue Vorderbremsen. Die Reifen sind nicht zu schmal, das dient einem entspannten Fahrgefühl.

Dumm nur, dass die alten Reifenmäntel sofort Risse zeigten, nachdem sie tüchtig aufgeblasen wurden. Hier habe ich zu Billigreifen von Kenda gegriffen. Stück 11 Euro. Mit mehr Geduld hätte man für das gleiche Budget bessere Pannenschutzreifen auf Ebay-Kleinanzeigen bekommen können. Um die Kosten im Griff zu halten, wurde der geborstene Kettenschutz mit Pattex und einem Rest Joghurtbecher zusammen geklebt.

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Unter 100 Euro

Macht zusammen: 79 Euro - Kleinteile und Fahrerei nicht mitgerechnet. Montage und Reinigung verschlangen einen lauen Samstag oder drei echte Arbeitsstunden. Nur die Bremse machte Ärger. Ein Zug war zu kurz und musste ausgetauscht werden. Machbar wäre das für jeden, der einen Werkzeugkoffer besitzt. Knifflige Reparaturen, die Spezialwerkzeug erfordern wie das Wechseln des Tretlagers, waren nicht nötig.

Der gefederte und gepolsterte Sattel ist von der Sorte "sehr gemütlich". 

Der gefederte und gepolsterte Sattel ist von der Sorte "sehr gemütlich". 

Schlägt sich ganz gut

Fazit: Für 15 Euro gab es dann doch kein Rad. Wenn man wollte, hätte man den Preis der Ersatzteile noch weiter drücken können, aber 79 Euro sind okay. Fahren lässt sich das alte Mädchen ganz gut. Sie ist halt kein Renner und war es auch nie.

Inzwischen gibt es eine stolze, neue Besitzerin. Das Rad trägt sie klaglos durch die Stadt. Am Ende habe ich vor der Übergabe noch ein ganz brauchbares Gliederschloss für 13 Euro (Ja, das gibt es!) obendrauf gepackt, damit das Geschenk nicht sofort wieder weg ist. 


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Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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