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Fahrradkauf : Ein gutes Rad kann auch billig sein

Wie teuer darf das neue Rad werden? Muss es ein High-End-Modell sein oder tut es auch die Standardausführung? Braucht man einen Fachhändler oder kann man das Fahrrad einfach im Internet bestellen? Und warum manchmal auch ein Rad vom Discounter zu empfehlen ist.

Von Gernot Kramper

Handgemachte Räder wie von Maison Tamboite sind ein teures Luxusgut, man kann aber auch sehr viel günstiger zu einem guten Rad kommen.

Handgemachte Räder wie von Maison Tamboite sind ein teures Luxusgut, man kann aber auch sehr viel günstiger zu einem guten Rad kommen.


Beim Fahrradkauf spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Neben der Frage nach dem zur Verfügung stehenden Geld, sind Verwendungszweck, Abstellmöglichkeit und Wohnort wichtig.

Bevor Sie sich zu einem Kauf entschließen, sollten Sie einen kleinen Check machen. Wichtige Fragen sind:


Haben Sie auch Spaß an Pflege und Wartung eines Rades?

Wäre Ihr Rad diebstahlgefährdet?

Ist Ihnen Komfort oder Sportlichkeit wichtiger?


Mit diesen Fragen können Sie zumindest eingrenzen, welcher Fahrradtyp für Sie in Frage kommt. Klären Sie auch, ob Sie sehr spezielle Wünsche haben. Sollten Sie ein Lastrad oder Klapprad fürs Wohnmobil wünschen, schrumpft die Auswahl rapide zusammen.

Vor dem Kontakt mit einem Händler sollten Sie sich wissen, dass teurer nicht unbedingt besser bedeutet. Qualitativ gute bis sehr gute Fahrräder kosten etwa zwischen 700 und 1500 Euro. Wer mehr investiert, gibt das Geld entweder für eine ganz besondere Marke aus oder für eine besonders leichte Sportausstattung. Im normalen Alltag bringt beides keine echten Vorteile.

Fachhändler am Ort

Die erste Wahl ist der Händler. Ein Fachgeschäft bietet Beratung und Service. Fachgeschäfte offerieren meist Räder über die komplette Preisspanne. Nur Fahrräder, die weniger als etwa 400 Euro kosten, wird man kaum beim Fachhändler finden. Der Vorzug eines Geschäftes ist die individuelle Beratung und die Möglichkeit einer Probefahrt. Bereits die Auswahl der richtigen Größe und Einstellung eines Rades ist eine komplexe Angelegenheit. Der Fahrradfreak kann sich mit den Geometriedaten des Rades selbst helfen, der Laie nicht. Wenn das Rad nicht richtig "passt", wird man bei längeren Strecken massive Schmerzen bekommen, aber auch auf kürzeren Distanzen macht das Fahren einfach keinen Spaß. Gegen Aufpreis ist es im Fachgeschäft immer möglich, sein Rad individuell auszustatten. Egal ob es sich um einen Einkaufskorb, einen sturzsicheren Ständer, einen aufwendigen Sitz oder eine besondere Lichtanlage handelt: Der Fachhändler baut Ihnen Ihr Wunschrad perfekt zusammen.

Wer nicht willens oder in der Lage ist, selbst den regelmäßigen Service am Rad vorzunehmen, kommt um ein Fachgeschäft mit eigener Werkstatt nicht herum. Viele Händler zeigen sich sehr unwillig, wenn man Supermarkträder zur Reparatur bringt. Wer Fahrradfahren und -pflegen nicht zu seinem Hobby machen will, wird am eigenen Service scheitern.

Der Preis spricht übrigens nicht gegen Fachgeschäfte. Den Herstellern gelingt es sehr gut, dafür zu sorgen, dass der Handel die Listenpreise einigermaßen einhält. Abgesehen von Sonderposten und Vorjahresmodellen sind die Preisschwankungen gering. Für ein aktuelles Markenrad lohnt sich häufig auch nicht der Kauf beim Internetversender.


Ladenketten lohnen nicht

Die großen Ketten der Rad- und Outdoorgeschäfte bieten meist ein reiche Auswahl, ein gutes Preisniveau und eine eigene Werkstatt. Dennoch lohnt sich der Kauf bei ihnen häufig nicht so sehr, wie man zunächst denkt. Die aggressive Werbung stellt Sonderangebote groß heraus. Entscheidet man sich dann im Laden doch für ein anderes Rad aus dem Angebot, ist der Preissprung zum kleinen Händler minimal. Günstiger als bei anderen Geschäften sind meist nur die Eigenmarken der Ketten. Beratung und Service sind wesentlich unpersönlicher als beim Fachgeschäft. Den besonderen Thrill eines hoch spezialisierten Geschäfts bieten die Ketten ohnehin nicht.

Discounter, Baumarkt und Supermarkt

Richtig, beim Discounter bekommt man kein gutes Rad, aber man kann dort sehr günstig ein brauchbares Rad einkaufen. Für wen lohnt sich das? Ein Discounter ist zunächst die beste Alternative für alle, denen das Geld fehlt, sich ein Markenrad zu leisten. Für Preise um 200 Euro herum gibt es dort Räder, bei denen Licht und Schaltung auch funktionieren. Zwei Jahre Garantie gibt es selbst im Realmarkt. So ein Billigrad kann für Fahrradschinder interessant sein. Also Zeitgenossen, die ihren Drahtesel denkbar schlecht behandeln, die ihn nicht warten und nachts draußen im Regen lassen. Wer sein Rad verdrecken und verrosten lässt, muss nicht vorher in ein Markenrad investieren, dann geht es auch ganz billig. Und nicht zuletzt ist so ein Rad für alle interessant, die unter dem Volkssport Fahrradklau leiden. Machen Sie sich nichts vor: Wenn ein Rad regelmäßig am Bahnhof steht oder mal nachts vor der Kneipe angeschlossen bleibt, wird es geklaut. Zumindest, wenn sich das Klauen lohnt. Wird ein billiges Rad aber mit einem Schloss in der Preisklasse von 20 bis 30 Euro gesichert, hat man daran lange Freude. So ein Schloss lässt sich nur von einem Profi knacken, und der hat am unverkäuflichen Billigrad kein Interesse.

Kauf im Internet

Im Internet bieten spezielle Versender ihre eigenen Produkte an. Diese Marken gibt es nicht im Ladenhandel - sie haben meist ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Da Sie die Räder vorher nicht Probe fahren können, müssen Sie selbst gut informiert sein, um sich zurechtzufinden. Von telefonischer Beratung und Online-Größenkalkulator profitieren Kunden, die sich in der Materie auskennen. Die Ersparnis der Versender gegenüber anderen Marken wächst übrigens überproportional zum Preis. Übersetzt heißt das: Hier profitieren Hobbysportler, die ein sehr teures Rad kaufen, am meisten.

Dazu bieten viele Händler einen Versandservice an. Auch hier fehlt die individuelle Probefahrt, und die Beratung am Telefon kann keinen direkten Kontakt ersetzen. Ein Beispiel: Im individuellen Augenschein wird jeder Radhändler bei der Standardeinschätzung "ganz sportlich" sofort erkennen, ob es sich um eine nonchalante Untertreibung eines Hobbyathleten handelt oder um die gnadenlosen Selbstüberschätzung eines Sofasportlers - am Telefon gelingt das nicht. Lohnen kann sich der Onlinekauf bei günstigen Vorjahresmodellen und Restposten. Für einen Preisvorteil von zehn Prozent lohnt ein Blindkauf sicher nicht.

Das hoch spezialisierte Radgeschäft

Das Geschäft in der Nähe bietet immer eine Palette der üblichen Räder an. Echte Sportler sollten eher nach einem Fachgeschäft ihrer Disziplin suchen. Ob Mountainbike, Rennrad oder Triathlon: Nur in einem spezialisierten Geschäft findet man eine Auswahl der Räder, die man sucht, und eine für Sportler passende Beratung. Wie bei anderen Hobbys zählen hier persönlicher Kontakt, die individuelle Beratung und das besondere Flair. Häufig gruppieren sich um derartige Geschäfte Mannschaften, Trainingsgruppen und Ausfahrten. Wer daran Spaß hat, sollte auch die Preisstruktur akzeptieren. Die kann, muss aber nicht gehoben sein. Wer jedoch nur ein Trekkingrad für den Weg zum Markt kaufen möchte, sollte die Rennstall-Atmosphäre nicht unbedingt suchen. Auch wenn im Rennstall normale Räder angeboten werden, bleibt der normale Radler inmitten der Radsportler immer ein Kunde zweiter Klasse.

Gebrauchtkauf

Der Kauf eines gebrauchten Rades lohnt sich für den normalen Kunden meist nicht. Räder werden gebraucht zu relativ hohen Preisen gehandelt. Der Preissprung zu einem Sonderangebot oder Auslaufmodell ist gering. Bei sehr günstigen Einkäufen besteht immer das Problem, dass sich Reparaturen kaum noch rentieren. Ein Rad, das nicht gewartet wurde und dann lange herumstand, birgt immer ein Risiko. Reifen und andere Gummiteile werden auch ohne Nutzung spröde. Häufig altern auch die Lager. Der Austausch eines Lagers lohnt sich einfach nicht. Wenn gebraucht, dann beim lokalen Händler.

Ausnahmen von der Regel sind junge und teure Räder: Es gibt jede Menge Fahrradsportler, die ihre Räder nach der Saison austauschen. Bei Ebay werden von Sportlern auch die - von Sponsoren gestellten – Zweit- und Dritträder mit Laufleistung "Null" angeboten. So ein Schnäppchen lohnt sich durchaus. Ähnliches gilt für High-End-Rahmen. Genauso regelmäßig findet man Angebote aus der Rubrik "Ex-Freundin". Da war dann die Liebe schneller dahin, als das bestellte Rad geliefert wurde. Kundengruppen für derartige Super-Schnapper sind aber Hobbysportler.

Elektroräder 

Die Stromer sind seit Jahren der Trend im Fahrradmarkt. Leider sind sie teuer. Für ein Markenrad muss man mindestens 1800 Euro ausgeben. Motor, Batterie und Steuerungssoftware verlangen nach fachkundigem Service. Wenn man nicht selbst Elektriker und Mechaniker in einer Person ist, benötigt man kompetente Hilfe - also ein Fachgeschäft mit Werkstatt. Im Discounter gibt es auch E-Räder für etwa 1000 Euro. Dafür verzichtet man auf eine Werkstatt in der Nähe und bekommt ein Rad, das von einem chinesischen Motor angetrieben wird. Unsere Meinung lohnt sich das nicht, der meistens verbaute Mittelmotor von Bafang ist bewährt aber deutlich einfacher als die Motoren von Yamaha, Bosch, Derby oder Panasonic.


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