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Radschaltung Powershift: Belgische Firma revolutioniert den Fahrradantrieb

Derzeit eignet sich das System nur für hochpreisige Rennräder.
Derzeit eignet sich das System nur für hochpreisige Rennräder.
© Classified Cycling / PR
Classified Cycling hat die Nabenschaltung mit der Ritzel-Kassete kombiniert. Das macht 22 Gänge bei einem Wirkungsgrad von sensationellen 99 Prozent.

Traditionell haben bessere Räder mit Kettenschaltung gleich zwei Schaltungen auf einmal an Bord. Hinten wird die Kette über einen Kranz mit 7 bis 12 Ritzeln geführt, vorne legt der sogenannte Umwerfer die Kette über zwei oder gar drei Kettenblätter – so wird die Zahl der Gänge multipliziert. 2x10 macht 20 oder mit 3x9 dann 27. Dabei gibt es aber Überschneidungen der Gangkombinationen.

Mit dem Umwerfer, seinem Zug, dem Schalter am Lenker und den Kettenblättern werden weitere Bauteile benötigt. Die großen Hersteller haben daher begonnen, den Umwerfer zu entfernen und nur mit der hinteren Kassette zu schalten. Und nehmen dafür eine Reduktion der Gangabdeckung in Kauf.

Ausgezeichnet auf der Eurobike

Die belgische Firma Classified Cycling weist mit dem Powershift-System einen Ausweg aus dem Dilemma. Vorgestellt wurde das System schon 2020. Auf der Eurobike 2021 wurde es mit einem Gold Award ausgezeichnet. Powershift kombiniert die Schaltkassette mit einer Zweigang-Nabenschaltung. Beides ist am Hinterrad untergebracht und wird mit einer Fernbedienung per Bluetooth vom Lenker gesteuert. Powershift besteht aus einer 2-Gang-Nabe und einer 11-Ritzel-Kassette. So kommt das System auf 22 Gänge.

Powershift ist dabei so ausgelegt: Im Standardmodus tritt die Nabe im Hinterrad nicht in Erscheinung. Die Gänge sind dann für schnelle Fahrten hoch übersetzt. Bei Steigungen wird die Nabe aktiviert, sie wirkt wie eine Untersetzung und fügt dem Rad die "kleinen Gänge" hinzu. Der Fahrer bemerkt den Wechsel nicht. Der Wirkungsgrad der Nabe ist mit sensationellen 99 Prozent nahezu verlustfrei. Die Schaltvorgänge erfolgen innerhalb von 150 Millisekunden, dabei kann bei voller Belastung des Antriebsstrangs geschaltet werden. Die elektronisch gesteuert Steckachse wird per USB aufgeladen, eine Ladung soll für über 10.000 Schaltvorgänge ausreichen. Der Schalter am Lenker wird von einer Knopfzelle gespeist, sie soll ein Jahr halten.

Höhere Preisklasse

Die Lösung ist natürlich nicht billig, bleibt aber im Rahmen vergleichbarer Angebote für ambitionierte Rennräder. Der Radversender Rose verlangt für das mit Powershift ausgerüstete Backroad X Classified 5299 Euro. Das nachträgliche Umrüsten von Laufradsätzen in ausgesuchten Fachgeschäften kostet etwa 2400 Euro. Reizvoll wäre diese Lösung auch für Mountainbikes mit E-Antrieb, das System soll 1000 Watt wegstecken können. In diesem Umfeld würde sich Powershift dann doch preislich abheben. Eine herkömmliche 1x12-Schaltgruppe von Shimano kostet für den Endkunden etwa 499 Euro in der XT-Ausführung, in der gängigen SLX-Variante sind es 299 Euro.


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