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E-Bike-Krise Angeblich werden E-Bikes in der Pandemie knapp. Aber stimmt das auch?

Nicht jedes Bike ist zu bekommen.
Nicht jedes Bike ist zu bekommen.
© Getty Images
Lange Gesichter bei E-Bike-Interessenten, ihr Rad ist nicht zu bekommen. Warum ist das so? Die Gründe sind komplex.

Starke Nachfrage und teure Lieferketten wirken sich auf den E-Bike-Markt aus. Doch gibt es darum keine E-Bikes mehr? Die kurze Antwort lautet: Nein. Man kann jederzeit ein E-Bike bekommen, zum Mitnehmen und bei Lieferzeiten um zwei Wochen. Das heißt aber nicht, dass alle Träume in Erfüllung gehen.

Der lokale Händler hat nicht alles

Das Problem beginnt, wenn man "Markt" und "nicht zu bekommen" sagt, aber "mein Händler in der Nähe" meint. Bei E-Bikes ist der Kauf beim Fachhändler vernünftig, zumindest dann, wenn man nicht selbst Wartung und Service übernehmen will. Derzeit gibt es mehrere Tausend verschiedene Modelle von E-Bikes beziehungsweise Ausstattungsvarianten dieser Modelle. Diese Vielfalt findet man bei keinem Händler im Laden. Vor und nach Corona. Dazu kommt nun die Jahreszeit: Fahrräder sind ein Saisonprodukt. Vom Frühjahr bis in den Sommer ist die Nachfrage groß. Dann kommt mit der Einschulung noch einmal ein Peak und danach läuft das Interesse der Kunden aus.

Händler haben also ein großes Interesse daran, die Lagerbestände des Jahrgangs 2021 zu Beginn des Herbstes möglichst abzubauen. Bei Holland- und Cityrädern achten die Kunden nicht so sehr auf das Modelljahr. Bei teuren, sportlichen Muskel-Rädern aber schon und eben auch im E-Bike-Bereich. Als Bosch den Performance Line CX der Generation 4 auf den Markt brachte oder auch nur angekündigt hat, waren Restbestände mit der dritten Generation kaum noch zu verkaufen. Wer jetzt also im September in ein Ladengeschäft geht, muss das nehmen, was übrig geblieben ist.

Bestellen heißt warten

Bei einem zugegeben größeren Fachgeschäft in der Nähe des Verfassers kann man immer noch unter weit mehr als 100 verschiedenen E-Bikes auswählen. Doch sucht man im Norden zum Ende der Saison ein Mountainbike, dann schrumpft die Auswahl dort auf ein einziges Rad zusammen.

Bleibt die Bestellung über den Händler. Doch bestellen kann man im Herbst häufig nur die neuen Modelle des Jahres 2022. Die werden aber erst im nächsten Jahr in der Masse hergestellt, auch wenn zuvor schon Kleinserien von Testrädern und Ausstellungsstücken gebaut worden sind. Derjenige, der sich in die Neuheiten der kommenden Saison auf der Eurobike verliebt hat, muss immer bis zum nächsten Jahr warten. Es sei denn, er hat ausgezeichnete Verbindungen.

Für das Bestellen gibt es Termin-Slots. Jetzt kann man über einen Händler prima für das Frühjahr bestellen. Doch wenn dieses Modell einmal im Werk produziert wurde, kann man später nur schwer nachordern. Die Hersteller arbeiten die Bestellungen der Händler, Ketten, Versender und der Privatpersonen ab – bauen aber keine Räder auf Halde. Wegen der unendlichen Menge an Ausstattungsvarianten wäre das auch kaum sinnvoll. Es kann daher passieren, dass man im Mai bei seinem Händler bestellen will und das Rad nicht mehr zu bekommen ist. Heißt das aber, dass das Rad dann nicht zu haben ist? Nicht unbedingt, durchaus möglich und bei gängigen Rädern sogar wahrscheinlich, dass irgendein Händler in der Republik oder der EU dieses Rad im Lager stehen hat. Nur dann müsste man es ohne Probefahrt per Versand bestellen.

Große Auswahl im Netz 

Und selbst im Herbst gibt es noch reichlich Bestände. Einer der großen Versender hat derzeit über 1800 E-Bike-Modelle im Katalog, die meisten in mehreren Größen. Und das ist ein Versender von vielen. Wer also einfach ein "ordentliches City-E-Bike in Größe M" sucht, oder dessen Wunsch lautet "Mountainbike, 27,5 Zoll Räder, gute Ausstattung in Größe L" wird auf jeden fündig. Anders sieht es aus, wenn man genau ein Rad seiner Lieblingsmarke in einer definierten Ausstattung haben will – dann ist die Suche jetzt ein Glücksspiel. Das Bike des Verfassers - Focus THRON² 6.8 EQP – ist jedenfalls noch zu bekommen, sogar 500 Euro billiger als im Frühjahr.

Schnapper sind selten

Hat sich denn nun gar nichts in der Pandemie geändert? Doch – zeitweise war es kaum möglich, bestimmte Ersatzteile zu bekommen. Der Verfasser etwa konnte ein aktuelles 1x12-Schaltwerk mit Mühe in Italien ergattern. Aber diese Krise hat sich weitgehend gelegt. Dafür sind die Ersatzteile teurer geworden. Konnte man sie vor Corona im Netz meist deutlich unter der Preisempfehlung bekommen, muss man nun häufiger mit dem vollen Preis rechnen. Und so sieht es auch bei den kompletten Rädern aus. Die Preisempfehlungen sind gestiegen und die Sonderangebote seltener geworden.


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