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Zweirad Gebrauchtes Fahrrad – darauf müssen Sie beim Kauf achten

Ein älteres Rad muss penibel geprüft werden. Eine Instandsetzung in der Fachwerkstatt macht den Gebrauchtkauf unattraktiv.
Ein älteres Rad muss penibel geprüft werden. Eine Instandsetzung in der Fachwerkstatt macht den Gebrauchtkauf unattraktiv.
© Pixelfit / Getty Images
Ein gutes Rad kann bei guter Pflege bis in alle Ewigkeit halten. Da bietet es sich an, ein gebrauchtes Rad zu kaufen, denn so kann man viel Geld sparen. Aber nicht alle Angebote lohnen sich. Gerade Billig-Räder können hohe Kosten nach sich ziehen

Juristisch ist es wichtig, dass sie sich kein geklautes Rad andrehen lassen. An einem gestohlenen Rad können Sie übrigens kein Eigentum erwerben. Reklamiert der rechtmäßige Besitzer das Rad, müssen Sie es wieder herausgeben. Lassen Sie sich daher alle Unterlagen und Kaufbelege aushändigen. Sind die nicht vorhanden, ist das bei einem neueren und wertigen Rad ein K. O.-Kriterium. Bei sehr alten Rädern, Garagenfunden und Erbstücken können Sie keinen Beleg erwarten. Da müssen Sie sich ein Bild von der Glaubwürdigkeit des Verkäufers machen. Schließen Sie auf jeden Fall einen Vertrag ab und lassen Sie sich die Personalpapiere zeigen. Musterverträge zum Herunterladen gibt es etwa beim ADAC.

Garantie

Ein gebrauchtes Rad hat in aller Regel keine Garantie. Im besten Fall bekommen sie eine Gewährleistung. Die kann ein Händler beim Gebrauchtkauf nicht abstreifen. Die Gewährleistung betrifft aber nicht jeden Schaden, der in den nächsten zwei Jahren aufritt, sie besagt nur, dass das Rad ohne Mängel übergeben wurde. Nur für Mängel, die beim Kauf schon bestanden haben, muss ein professioneller Händler einstehen. Ein privater Verkäufer wird jede Gewährleistung ausschließen, wenn ein Mustervertrag abgeschlossen wird. Und: Auch ein Händler kann nur als Vermittler auftreten, Verkäufer sind dann die Vorbesitzer. Doch unabhängig von juristischen Feinheiten: Wenn Sie im lokalen Fachgeschäft ein gebrauchtes Rad kaufen, sind Sie eher auf der sicheren Seite. Die Händler sind Fachleute und verkaufen nicht irgendeinen Schrott. In aller Regel gehörten die Räder zuvor Kunden, die ein neues Rad gekauft haben.

Was kann man sparen?

Wenn Sie vor allem Geld sparen wollen, lohnt sich der Gebrauchtkauf nicht unbedingt. Wenn es nicht um technische Besonderheiten geht, gelten beim Neukauf diese Preisschwellen: Für 800 bis 1000 Euro bekommen Sie im Fachhandel City- oder Trekkingräder, an denen es nichts auszusetzen gibt. Brauchbare Räder kosten im Fachhandel ab etwa 500 Euro. Beim Discounter oder im Baumarkt bekommen Sie für weniger als 300 Euro Räder, die auch fahren, über eine funktionsfähige Schaltung und Lichtanlage verfügen und auf die Sie zwei Jahre Garantie bekommen. Solche Preise sind auch gebraucht kaum zu schlagen. Wenn die Räder deutlich billiger sind, haben sie häufig Macken.

Fahrradfahren ohne Kette könnte bald Realität werden.

Junge Räder

Gebrauchtkauf lohnt sich, wenn die Räder nur wenig benutzt worden sind. Das ist bei Kinderrädern der Fall, aus denen die Kleinen schnell herauswachsen. Hier können Sie häufig gute Räder mit geringer Laufleistung zu Hälfte des Neupreises erstehen. Vorteil auch: Diese Räder haben meist noch nicht jahrelang im Keller gestanden.

Ähnliches gilt auch für sehr sportliche und teure Räder. Es gibt immer Sportler, die praktisch jede Saison ihren Fuhrpark wechseln. Manche wollen immer das Neueste und Beste, andere verwandeln die Räder des Sponsors in klingende Münze. Ähnliches gilt für Fehlkäufe aus gescheiterten Beziehungen. In diesem auch gebraucht noch teuren Segment kann man echte Schnäppchen machen.

Überhaupt gilt: Je teurer das Rad einmal war, umso größer ist der Preisverfall. "Normale" Räder sind leider sehr stabil im Preis. Ein Trekkingrad das ehemals 700 Euro gekostet hat, wird auch nach sieben Jahren immer noch für 350 Euro angeboten. Wirklich lohnen tut der Kauf dann nicht.

Ältere Räder

Wenn Sie ein "fast neues" sportliches Rad begutachten, ist das meist in einem Zustand, wie aus dem Laden, bei älteren Objekten ist Vorsicht angebracht. Denken Sie daran: Wenn Sie günstig einkaufen wollen, darf das Rad nicht hinterher in die Werkstatt. Dafür sind Arbeitsstunden und Material zu teuer. Wenn Sie kein passionierter Selbermacher sind, sollten Sie nur ein Rad kaufen, das einen gepflegten Eindruck macht und zumindest bis vor Kurzem noch bewegt wurde.

Worauf muss man achten?

Rost

Das Rad sollte keinen Rost angesetzt haben. Besteht es aus Aluminium, sollte das Metall nicht stumpf und angelaufen sein. Das stumpfe Aussehen ist eigentlich kein Problem. Doch so etwas passiert, wenn ein Rad jahrelang im Freien stand, dann gibt es aber meist auch Probleme an verborgenen Stellen.

Reifen

Prüfen Sie die Reifen. Gummi altert auch, wenn das Rad nicht bewegt wurde. Das Gummi testen Sie so: Sie lassen zunächst etwas Luft aus den Reifen, dann kneten sie den Mantel, anschließend pumpen Sie dem Reifen prall auf. Zeigen sich dabei Risse im Gummi, sind die Mäntel hinüber und vermutlich auch die Schläuche und das Dichtungsband. Selbermacher kostet der Ersatz etwa 60 Euro, in der Werkstatt sind 100 Euro fällig.

Züge

Nächste Problem sind die Züge für Bremsen und Schaltung. Haben die Hülsen Risse? Lassen sich die Drahtzüge einfach und locker bedienen? Wenn die Hülsen brüchig und die Metallzüge durch Rost schwergängig sind, müssen sie ausgetauscht werden. Eine fummelige Arbeit, die nur routinierte Schrauber erledigen sollten. Der Kostenpunkt ist ähnlich wie beim Reifenwechsel.

Sattel und Griffe

Ein guter Indikator für den allgemeinen Zustand des Rades sind auch Sattel und Griffe – auch hier wird das Material spröde und unbrauchbar.

Bremsbeläge

Bremsbeläge sollte noch vorhanden sein. Der Wechsel des Belags ist aber relativ einfach und billig zu machen. Bremsbeläge sind ein Verschleißteil, wenn sie runter sind, bedeutet das nicht, dass das Rad durch ist.

Schaltung

Kompliziert wird es bei der Schaltung. Eine Nabenschaltung muss in allen Gängen einrasten und greifen. Auch unter Belastung, das Prüfen im Stand allein nützt nichts. Rutscht ein Gang durch, kann es sein, dass die Schaltung nur verdreckt ist und neu justiert werden muss. Es ist aber auch möglich, dass ihr Innenleben hinüber ist – dann ist nichts zu retten.

Eine Kettenschaltung muss sauber schalten und in allen Gängen einrasten. Auch hier kann die Schaltung nur falsch eingestellt sein, es ist aber wahrscheinlich, dass Kette und Ritzel einfach verschlissen sind. Eine Kette kann man nur mit einer speziellen Lehre prüfen. Bei den Zacken der Ritzel lässt sich Verschleiß schon mit den bloßen Augen erkennen.

Wenn Schaltwerk, Ritzelkassette und Kette schwer verrostet sind, müssen meist Kette und Kassette ausgetauscht werden.

Radlauf

Relativ einfach ist es, den korrekten Lauf der Räder festzustellen. Steht das Rad auf dem Kopf können sie im Stand feststellen, ob die Felgen zu den Seiten ausschlagen. Beim Fahren müssen Sie darauf achten, ob die Reifen "eiern". Die Speichen müssen festsitzen, es dürfen keine einzelnen Speichen locker sein. Hat ein Rad eine Unwucht, kann ein Laie das nicht reparieren. Das Spannen von Speichen sieht einfach aus, ohne professionelle Ausrüstung benötigt man aber viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl.

Lager

Achten Sie darauf, dass die Lager sauber und ohne zu knirschen arbeiten. Lager sind in Naben der Räder, der Lenkerstange und im Tretlager verbaut. Ist ein Lager durch Sand oder Rost beschädigt, geht es schnell kaputt, sobald das Rad bewegt wird. Für den Austausch benötigt man Spezialwerkzeug.

Lichtanlage

Die Lichtanlage muss funktionieren. Relativ einfach und günstig können Sie Front- oder Rückscheinwerfer austauschen. Gibt es Probleme mit dem Nabendynamo, muss in aller Regel das komplette Vorderrad ausgetauscht werden. Vorsicht, wenn die Verkabelung defekt ist. Bei neueren Rädern werden die Stromkabel teilweise im Rahmen verlegt. Um sie auszutauschen, muss das Rad teilweise demontiert werden, und auch das ist eine sehr fummelige Arbeit.

Fazit

Wenn Sie kein passionierter Bastler oder Restaurateur sind, sollten Sie von abgerockten Rädern die Finger lassen. Selbst wenn das Rad sehr billig ist, wird die Instandsetzung in der Werkstatt teuer. Das Rad sollte gepflegt aussehen und noch vor Kurzem im Betrieb gewesen sein. Lange Standzeiten führen auch bei einem sonst perfekten Zustand des Rades dazu, dass Reifen, Züge und Kunststoffteile ausgetauscht werden müssen. Sehen einzelnen Bauteile schon auf den ersten Blick heruntergekommen aus, denken Sie daran, dass ein Fahrrad ein Gesamtsystem ist. Es ist daher sehr unwahrscheinlich, dass einige Teile ganz kaputt sind, die übrigen sich aber im Bestzustand befinden.

Elektroräder

Der Kauf eines gebrauchten Elektrorades ist noch kniffliger als der eines Muskelrades. Hier kommen zwei Problem hinzu. Das erste ist der Fortschritt: E-Motoren, die Ansteuerung durch den Kontroller und die Akkus werden von Generation zu Generation spürbar besser. Ein fünf Jahre altes Rad ist, auch wenn es im perfekten Zustand ist, technisch deutlich schlechter als ein aktuelles Modell. Dazu kommt der Verschleiß. Der Akku verliert auch bei sachgerechter Behandlung im Laufe der Jahre an Leistung. Die Ladebalken zeigen diesen Verlust übrigens nicht an. Die Anzeige von 100 Prozent bei einem fünf Jahre alten Rad entspricht nicht den 100 Prozent eines Neurades. Wird der Akku nicht sachgerecht behandelt, kann er sogar sehr schnell einen Großteil seiner Kapazität einbüßen.

Ein Ersatzakku kostet ab 500 Euro. Wird er benötigt, ist der Kauf eines gebrauchten E-Bikes häufig unattraktiv. Auch die Motoren und das in ihnen verbaute Getriebe leiden unter Verschleiß. Bei den früheren Generationen sogar sehr stark. Vom Kauf eines älteren E-Bikes würden wir daher abraten. Ausnahmen kann man nur bei einem guten Markenrad zum Dumpingpreis machen. Vom Kauf eines gebrauchten Baumarktrades mit China-Ausstattung halten wie ebenfalls nichts. Glücklicherweise werden sehr viele E-Räder aus dem Verleih angeboten, die nur eine Saison gelaufen sind. Hier ist der Preislachnachlass von über 30 Prozent ein attraktives Argument.

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