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Steer-Assist: Sturzsicher – dieses E-Bike von Gazelle kann nicht mehr umfallen

Der E-Bike-Boom führt auch zu einer Welle von Unfällen. Die Universität von Delft hat zusammen mit dem Hersteller Gazelle ein System entwickelt, das einen Sturz von E-Rädern zuverlässig verhindert.

Der Prototyp muss die Aktionen des Systems auf mögliche Reaktionen des Menschen abstimmen.

Der Prototyp muss die Aktionen des Systems auf mögliche Reaktionen des Menschen abstimmen.

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Elektro-Räder boomen – allein in Deutschland werden Jahr für Jahr fast eine Million Fahrräder mit E-Motor verkauft. Sie können einen wichtigen Beitrag zur Verkehrswende leisten, denn aufs E-Rad steigen viele, denen ein Muskel-Rad zu anstrengend ist. Doch mit dem Boom steigt auch die Zahl der Unfälle – vor allem bei Senioren. Dabei profitieren Ältere besonders von der Kraft des Motors – ein E-Rad erhält ihnen die individuelle Mobilität auch ohne Kraftfahrzeug.

+++ Lesen Sie hierzu: Risiko E-Bike  - nach dem Boom kommen die Unfälle +++

Die Technische Universität Delft und der Traditionshersteller Gazelle arbeiten zusammen, um eine wichtige Unfallursache zu eliminieren, nämlich den Sturz des Rades. Anders als ein Fahrzeug mir drei oder vier Rädern ist ein Zweirad nämlich immer sturzgefährdet. Ein Zweirad kennt keine stabile Situation – das Rad bleibt während der Fahrt nur aufrecht, weil der Fahrer mit Gegenbewegungen und Gewichtsverlagerungen das instabile System "Fahrrad" stabilisiert.

+++ Lesen Sie hierzu: Warum fallen wir beim Fahrradfahren eigentlich nicht hin? +++

Ohne Gleichgewicht geht es nicht

Im normalen Betrieb geschieht das unmerklich. Der Fahrer bekommt überhaupt nicht mit, was sein Körper leistet, während er in die Pedale tritt. Doch bei älteren Menschen lassen Reaktionsvermögen und Gleichgewichtssinn nach. Und dieser Sinn ist entscheidend. Ohne eine klare Orientierung des Kopfes, wo oben und unten ist, kann der Fahrer sein Rad nicht wirksam unterstützen.

Die TU Delft hat jetzt eine Art von Lenkassistenten entwickelt, der die Lage des Rades analysiert und durch aktive Eingriffe in die Lenkung das Umfallen verhindert. In dem System wird die Beschleunigung des Rades gemessen, zugleich wird die Lage des Rades mit den Daten eines Gyroskops verglichen. Ein Gyroskop ist ein Gerät, das von dem Rahmen entkoppelt ist und die Neigung in alle Raumachsen absolut exakt angeben kann. Ein Prozessor gleicht die Daten mit einem mathematischen Modell der Fahrradstabilität ab.

Gyroskop ersetzt den Gleichgewichtssinn

"Unser System hält das Fahrrad und seinen Fahrer bei Geschwindigkeiten über 4 km/h stabil", erklärt TU Delft-Forscher Arend Schwab. Droht das Rad umzufallen oder in eine instabile Lage zu kommen, greift ein Motor ein, der am Gabelschaft sitzt. Das Vorderrad lenkt dann automatisch gegen.

Die TU-Delft hat bereits 15 Jahre Forschung in die Frage investiert, warum Fahrräder umkippen. Schon vor neun Jahren veröffentlichte Schwab in "Science" Forschungsarbeiten zur Theorie der Fahrradstabilität. "Wir haben ein mathematisches Modell mit etwa 25 physikalischen Parametern entwickelt, welches die Stabilität eines Fahrraddesigns bei verschiedenen Geschwindigkeiten vorhergesagt hat. Nun haben wir auch im Experiment bewiesen, dass unsere Erkenntnisse richtig waren."

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Noch handelt es sich um einen Prototypen. Die verwendete Elektronik stammt aus dem Labor und wäre für die Praxis viel zu groß. Bei einer Serienfertigung wäre es problemlos möglich, die Bauteile enorm zu verkleinern. In der Praxiserprobung müssen weitere Daten gesammelt werden. Nur mit echten Probanden ist es möglich, die Eingriffe des Sicherheitssystems auf die Reaktionen der Fahrer abzustimmen.

Es wird also noch einige Jahre dauern, bis dieses System zur Marktreife kommt. Die TU Delft geht davon aus, dass intelligente Sicherheitssysteme in Zukunft auch beim Fahrrad alltäglich werden.

Quelle: TU Delft

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.