VG-Wort Pixel

Tipps für die kalte Jahreszeit Radeln bei Eis und Schnee? Auch in der Pandemie nur für Profis!

Schlechte Sicht, kein Licht, schmale Reifen - das sieht riskant aus.
Schlechte Sicht, kein Licht, schmale Reifen - das sieht riskant aus.
© Imageegam / Getty Images
LED-Scheinwerfer, Funktionskleidung und Spike-Reifen machen es möglich, auch bei Schnee und Eis zu radeln. Gefährlich bleibt es trotzdem. Die wichtigsten Tipps für Winterfahrer.

Radfahren im Winter? Kein Problem, das versprechen viele Ratgeber und tun so, als könne man in der dunklen Jahreszeit genauso gut mit dem Rad unterwegs sein wie im Sommer. Ein großer Irrtum: Radfahren im Winter ist nasser, kälter und gefährlicher. Diese Einschränkungen kann man mildern, aber nicht aus der Welt schaffen. Wer es bequem haben will, sollte sein Rad bei Schnee und Regen stehen lassen. Bus und Bahn mag man in der Pandemie nicht benutzen. Aber Glatteis wird darum nicht ungefährlich.

Wer sich in dieser Jahreszeit trotzdem aufs Zweirad schwingt, sollte folgende Punkte beachten. 

Licht in der Dunkelheit

Im Winter fährt man häufiger im Dunkeln, hinzu kommt die schlechtere Sichtbarkeit durch Regen, Nebel oder Schnee. Grundsätzlich ist eine fest installierte Lichtanlage mit Dynamo einem batteriebetrieben Stecksystem wegen der hohen Verlässlichkeit vorzuziehen. Die Lichtausbeute von modernen LED-Leuchten ist weit höher, als die bei älteren Systemen, Altgeräte sollte man deshalb auswechseln.

Nutzt man ein Stecklicht, darf man auf keinen Fall eine billige Lampe in Form einer Taschenlampe benutzen. Das Frontlicht muss einen speziellen Lichtkegel bilden, der nicht blendet, weit vorausleuchtet und auch den Bereich unmittelbar vor den Rädern abdeckt. Der runde Lichtkegel einer Taschenlampe macht das nicht. Um besser gesehen zu werden, kann man Kleidung oder Taschen mit Reflektionsfolie benutzen. Man kann aber auch weitere Rot-Leuchten an Rucksack, Helm oder Kleidung befestigen.

Mit dem LED-Frontlicht eines Markenherstellers sollte man in der Stadt ausreichend gut sehen können. Anders ist es auf gänzlich unbeleuchteten Wegen. Wer in schwarzer Dunkelheit unterwegs ist, sollte Scheinwerfer benutzen, die sich in unterschiedlichen Stufen dimmen lassen. Sportliche Fahrer können zu einem zusätzlichen Helmscheinwerfer mit hoher Leuchtkraft greifen.

Fahrsicherheit bei Glätte

Nässe, Laub, Schnee und Eis setzen einem Zweirad viel stärker zu als einem Auto mit vier Reifen. Neben den Problemen beim Bremsen, kommt die erhöhte Sturzgefahr hinzu. Abrupte Manöver enden schnell auf dem Asphalt. Grundsätzlich bieten breite Reifen wie bei einem Mountainbike mehr Stabilität und Seitenhalt als schmale Rennreifen. Vielfahrer sollten die Anschaffung von Winterreifen mit einem speziellem Profil und einer entsprechender Gummimischung erwägen.

Man sollte allerdings nicht glauben, dass man mit den Winterreifen so bremsen könnte wie im Sommer. Dem dramatischen Verlust an Traktion kann man nur mit reduzierter Geschwindigkeit begegnen. Immerhin lassen sich diese Winterreifen während der ganzen Saison fahren. Richtigen Halt auf Schnee und Eis bieten Reifen mit Spikes. Dann benötigt man ein zweites Rad für die kalten Tage. Denn es macht wenig Freude mit Spikes zu fahren, sobald der Schnee wieder auftaut. Empfehlen kann man Spikes-Reifen ohnehin nur passionierten Radlern, alle anderen sollten an Tagen mit Eis auf der Fahrbahn das Rad stehen lassen.

Daran kann man nichts ändern

Auch mit passendem Licht und besten Reifen kann man an manchen Faktoren nichts ändern. Sobald Schnee liegt, muss man sich durch die Schneedecke wühlen. Das kostet Kraft und Nerven, weil die eigentliche Fahrbahn unter dem Schnee nicht sichtbar ist. Friert die Schneedecke an, wird das Fahren nicht leichter, weil sich der Schnee in eine harte Waschbrettpiste verwandelt hat – eisglatt und unberechenbar. Die Kommunen räumen Radwege fast nie. Im Gegenteil: Sie schieben gern den Schnee von der Straße auf den Radweg. Ein Ausweichen auf die Autofahrbahn ist aus Sicherheitsgründen aber nicht zu empfehlen, da bei Schnee oft nur schmale Fahrgassen zur Verfügung stehen und Konflikte mit Autos programmiert sind.

Die richtige Kleidung

Schnee und Eis sind in Deutschland im Winter die Ausnahme, Kälte und Nässe die Regel. Rad-Pendler sollten sich entsprechende Funktionskleidung zulegen. Von Spezial-Handschuhen, Gesichtsmasken bis hin zu Thermo-Überschuhen gibt es ein reichhaltiges Angebot. Billig ist das Ganze nicht: Funktionsunterwäsche, Überzieher, winterfeste Radhose, entsprechende Jacke und Handschuhe wird man kaum unter 500 Euro bekommen. Kommen noch Thermoüberschuhe, Gesichtsschutz, Brille und ein Helmscheinwerfer hinzu, erreicht man leicht 800 Euro. Wer nur kleine Strecken fährt, muss nicht so aufrüsten. Er sollte sich einfach warm anziehen und an winddichte Handschuhe denken. Zusätzlich sollte man einen Radponcho oder einen regenfesten Anzug zum Überziehen mitnehmen.

Radpflege

Nässe, Schmutz und Salz setzen dem Rad zu. Es muss deshalb häufiger gereinigt werden. Kette und Schaltung müssen regelmäßig gefettet werden. Wichtig ist, dass das Rad nachts im Warmen steht, damit der Schlamm des Vortages nicht über Nacht festfriert.

Fahrtechnik

Vorsicht hilft bei glattem Untergrund. Kontrolliert und ohne abrupte Manöver fährt man am besten. Scharfes Bremsen kann schon auf nassem Laub zu einem Sturz führen. Die Geschwindigkeit muss behutsam weit vor dem Haltepunkt reduziert werden. Zusätzlich sollte man gehörigen Abstand zu Autos, Fußgängern und anderen Radfahrern halten. Wichtig ist eine genaue Selbstwahrnehmung: Wenn man an wegrutschenden Reifen bemerkt, dass man keine wirkliche Kontrolle über sein Rad hat, sollte man nicht denken "Noch mal gut gegangen!", sondern absteigen und schieben.

Eis und gefrorenen Schnee

Richtig, man kann auch auf Eis fahren. Das ist aber eine sehr sportliche Übung, die permanent eine hohe Konzentration erfordert. Dazu braucht es eine sportliche Haltung und ein Rad, dessen Bauform eine hohe Kontrolle ermöglicht. Mit einem City- oder Sportrad geht das nicht. Das Zweirad ist immer unsicher als ein Auto mit vier Rädern. Jedes Mal wenn ein Pkw in der Kurve nur ein klein wenig wegrutscht, wird man mit dem Rad unweigerlich stürzen. Beim Bremsen das gleiche Problem: In einer Situation in der ein Auto 50 Zentimeter schlittert, wird ein Rad umfallen.

Ein weiteres Problem: Radfahren ist ein keine ruhige gleichmäßige Sache. Auch ohne Glätte droht ein Rad permanent umzufallen, jede Menge unwillkürlicher Gegenbewegungen halten es aufrecht. Nur bei Glätte werden diese Manöver schwieriger und unkontrollierbarer.

In der Dunkelheit, wenn der Boden vor dem Rad nicht klar erkannt werden kann, wird das alles nur noch schwieriger.

Das Fazit

Radfahren bei Regen und Schnee ist mit manchen Unbequemlichkeiten verbunden. Daran kann man mit entsprechender Ausrüstung Spaß haben. Hat man daran keine Freude, sollte man das Rad stehen lassen. Gerade bei Eis ist es besonders gefährlich. Es ist hilft auch wenig, wenn der größte Teil der Strecke eisfrei ist. Zwei Quadratmeter polierte Eisfläche an der Kreuzung reichen für einen schlimmen Sturz beim Abbiegen.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, sollte sein Rad mit Spikes-Reifen – Kosten etwa 80 Euro - ausrüsten. Spaß macht das aber auch nur, wenn man einen Weg jenseits der Straße findet. Am Fluss entlang, durch Parks oder über Feldwege kann das winterliche Fahren ein Genuss sein.

Lesen Sie auch: 

So bereiten Sie sich und Ihr Rad auf den Winter vor

Gebrauchtes Fahrrad – darauf müssen Sie beim Kauf achten

Sturzsicher – dieses E-Bike von Gazelle kann nicht mehr umfallen

Warum fallen wir beim Fahrradfahren eigentlich nicht hin?

Mehr zum Thema

Newsticker