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Rad-Unfälle: Risiko E-Bike - nach dem Boom kommen die Unfälle

E-Bikes machen Spaß, ohne große Anstrengung geht es voran. Das schätzen vor allem Senioren, aber sie sind auch die Opfer des E-Bike-Booms. Ihre Unfallzahlen steigen dramatisch an.

Die Werbung stellt junge und sportliche E-Bike-Fahrer heraus, doch tatsächlich werden die E-Räder meist von Senioren bewegt.

Die Werbung stellt junge und sportliche E-Bike-Fahrer heraus, doch tatsächlich werden die E-Räder meist von Senioren bewegt.

Manche Rechnungen sind ganz einfach, etwa diese Kalkulation: "mehr E-Bikes = mehr Unfälle". Und tatsächlich, die Zahl der Unfälle, in die Elektroräder verwickelt sind, steigt stark an. Kein Wunder, denn E-Räder – der korrekte Begriff ist "Pedelec" – sind im Kommen. Jedes Jahr werden etwa 700.000 E-Bikes verkauft, mit steigender Tendenz. Der stern machte schon im letzten Jahr auf das Problem aufmerksam.

Lesen Sie dazu: Steigende Unfallzahlen - Risiko E-Bike - die Schattenseite des Booms.

Nun wird die Unfallwelle auch den Verkehrsgerichtstag in Goslar beschäftigen. In den ersten neun Monaten des Jahres 2017 sind knapp 4300 E-Bike-Unfälle mit Personenschäden registriert worden. 28 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Alte Radler - schnelle Räder

Das Problem ist nicht die Geschwindigkeit von 25 km/h, die verunfallten E-Räder sind vor dem Crash kaum schneller unterwegs als Muskel-Räder. Das Problem sind die Fahrer. Siegfried Brockmann, Chef der Unfallforschung der Versicherer (UDV), sagte dem stern: "Tatsächlich werden Pedelecs überwiegend von älteren Personen gekauft. Sonst hätten wir auch kein Problem."

 Inzwischen sind in Deutschland über 3,5 Millionen E-Bikes in Betrieb. Ihre Zahl steigt Jahr für Jahr um etwa ein Viertel. Kein Wunder also, dass die Zahl der Unfälle auch entsprechend mitwächst. Doch auch wenn kein großes Mysterium hinter der Unfallzahl steht, ist die Verkehrspolitik doch gefordert. Das Fahren auf einem Rad ist grundsätzlich mit mehr Gefahren für den Radler verbunden als das Fahren mit einem Pkw. Bei Tempo 50 gehen die meisten Unfälle für die Insassen in einem Mittelklassewagen glimpflich aus – Unfälle, die für einen Radfahrer zu schweren Verletzungen oder gar dem Tod führen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind 2017 bis September 55 Pedelec-Fahrer ums Leben gekommen. Die Zahl der Toten für das gesamte Jahr dürfte damit voraussichtlich etwa doppelt so hoch sein wie 2014, dem ersten Jahr, in dem das Bundesamt Pedelec-Unfälle erfasst hatte. Damals gab es 39 Todesopfer.

Tipps für den Fahrradkauf: Welches Rad passt zu mir?
Hollandrad - Unkaputtbarer Klassiker - ohne sportliche Ambitionen   Beispiel  Marke: Batavus   Typ: Old Dutch   Preis: ab 499 Euro  Auf einem Hollandrad sitzt man aufrecht und blickt offen und neugierig in die Welt. Hollandräder sind haltbar und bequem. Aufgrund ihrer Konstruktion eignen sie sich eher fürs flache Land. Ausgerüstet mit einer guten Schaltung, kommt man in der Ebene flott voran. Zudem ist die aufrechte Haltung bequem, sie verhindert aber zuverlässig jede Karriere als Bergziege.  Der Rahmen hat sich über die Jahre wenig verändert. Das Kennzeichen ist ein gleichschenkliges "V", auf das ein gebogenes und hochgezogenes Rohr geschweißt ist. Der Lenker ist gekrümmt und so ausbalanciert, dass man auf einem Hollandrad freihändig durch die Welt düsen kann, außerdem muss man sich nicht vorbeugen. Die Sättel sind traditionsgemäß aus Leder und gut gefedert. Eine der Vorzüge des Hollandrades für den Alltagsradler: Die Kette liegt hinter einer kompletten Verkleidung verborgen, so geraten Hosenbeine nicht an das schmierige Kettenfett.  Hollandräder sind optimale Kurzstrecken- und Stadtfahrräder und verlieren bei guter Verarbeitung und Pflege selten an Wert. Nachteil: Für einen Transport sind sie sehr sperrig und auch sehr schwer.  Plus: Solide, gutmütig, alltagstauglich   Minus: Schwer, unhandlich zu transportieren, unsportlich   Tipp: Ob Hollandrad oder nicht, wer Straßenkleidung auf dem Rad trägt, sollte Wert auf einen geschlossenen Kettenkasten legen.

Hollandrad - Unkaputtbarer Klassiker - ohne sportliche Ambitionen
Beispiel
Marke: Batavus
Typ: Old Dutch
Preis: ab 499 Euro
Auf einem Hollandrad sitzt man aufrecht und blickt offen und neugierig in die Welt. Hollandräder sind haltbar und bequem. Aufgrund ihrer Konstruktion eignen sie sich eher fürs flache Land. Ausgerüstet mit einer guten Schaltung, kommt man in der Ebene flott voran. Zudem ist die aufrechte Haltung bequem, sie verhindert aber zuverlässig jede Karriere als Bergziege.
Der Rahmen hat sich über die Jahre wenig verändert. Das Kennzeichen ist ein gleichschenkliges "V", auf das ein gebogenes und hochgezogenes Rohr geschweißt ist. Der Lenker ist gekrümmt und so ausbalanciert, dass man auf einem Hollandrad freihändig durch die Welt düsen kann, außerdem muss man sich nicht vorbeugen. Die Sättel sind traditionsgemäß aus Leder und gut gefedert. Eine der Vorzüge des Hollandrades für den Alltagsradler: Die Kette liegt hinter einer kompletten Verkleidung verborgen, so geraten Hosenbeine nicht an das schmierige Kettenfett.
Hollandräder sind optimale Kurzstrecken- und Stadtfahrräder und verlieren bei guter Verarbeitung und Pflege selten an Wert. Nachteil: Für einen Transport sind sie sehr sperrig und auch sehr schwer.
Plus: Solide, gutmütig, alltagstauglich
Minus: Schwer, unhandlich zu transportieren, unsportlich
Tipp: Ob Hollandrad oder nicht, wer Straßenkleidung auf dem Rad trägt, sollte Wert auf einen geschlossenen Kettenkasten legen.

Mehr Räder - aber nicht mehr Unfälle

Die Zunahme des umweltfreundlichen Radverkehrs ist politisch erwünscht, das bedeutet allerdings nicht, dass man den Anstieg bei Toten und Verletzten achselzuckend in Kauf nehmen kann. Und anders als manche Radler denken, ist es nicht so, dass immer ein Auto schuld ist. Bei etwa 40 Prozent aller Radunfälle mit Personenschäden ist kein Autofahrer die Ursache gewesen. Viele Unfälle entstehen zwischen Radlern und Fußgängern oder auch nur unter Radfahrern. Typisch sind auch Allein-Unfälle, wenn es zu einem Sturz ohne andere Beteiligte kommt.

"Viele ältere Menschen fahren durch die Unterstützung des Elektromotors viel schneller, als es ihre Fähigkeiten eigentlich erlauben", sagte Unfallforscher Brockmann. Eine Lösung des Problems ist nicht leicht, denn der Siegeszug der E-Bikes wird eher zunehmen als abebben. Brockmann wünscht eine technische Lösung. Er möchte, dass den Senioren die Power abgeklemmt wird. Die Unterstützung, die der Elektromotor liefert, soll an die Kraft gekoppelt sein, die Fahrer selbst aufwenden. "Wer langsam tritt, bekommt nur wenig Motorleistung oder wird im Tempo gedrosselt", sagte Brockmann. "Das wird dazu führen, dass Senioren mit dem E-Bike nicht mehr schneller fahren können als Fahrradfahrer."

E-Bikes nicht mehr aufzuhalten

Eine Idee, die sich kaum durchsetzen wird. Die Leistung ist bei den Bikes zwar gesetzlich geregelt, aber ein Mountainbike mit E-Motor entwickelt schon heute das Drehmoment, das ein alter Golf I erreicht hat. Kaum vorstellbar, dass die Sportler von der Drossel-Idee begeistert sein werden. Sorge macht dem Unfallforscher auch das E-Bike-Tuning. "Das greift immer mehr um sich", sagte Brockmann. So stieß die Polizei jüngst in Soest auf einen Radler, der sein getuntes Mountain-Bike bis auf 60 Stundenkilometer beschleunigte. Tatsächlich wird es sich angesichts der Geschwindigkeit kaum um das reine Tuning eines handelsüblichen E-Bikes gehandelt haben, wahrscheinlicher ist, dass ein Motor-Kit aus den USA oder China benutzt wurde. Meist werden Pedelecs sehr simpel frisiert. Die Motorleistung bleibt bei den vorgeschriebenen 250 Watt, nur die Abregelung bei 25 km/h wird durch einen illegalen Codegeber ausgehebelt. Ohne weitere Umbauten fahren die Räder dann 35 bis 40 km/h.

Lesen Sie zum Tuning: "Mehr als Tempo 50: Tuning von E-Bikes ist "in" - aber gefährlich."

Ob der Staat mit neuen Regeln das Problem in den Griff bekommen kann, ist fraglich. Werden die reinen Pedelecs zu Tode normiert, kann der Senior auf ein E-Rad umsteigen, das entsprechend einem Mofa oder einem Moped klassifiziert wird. Dann benötigt er nur einen Führerschein und eine Versicherung für 50 Euro im Jahr, darf dann aber legal bis zu 45 km/h schnell fahren – und das ganz ohne zu treten.

Wenn Sie sich überlegen, ein E-Bike anzuschaffen, sollten Sie unsere "Zehn Tipps für den E-Bike-Kauf" lesen.


Mit DPA
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